Berlin/Ludwigsburg / Tanja Majer  Uhr

Berlinale 2019, es ist Sonntag und gerade läuft der Abspann von „Das innere Leuchten“, es ist still im Kinosaal. So eine Stille erfährt man selten, wenn ein Film zu Ende ist. Entweder gibt es Applaus, Buh-Rufe oder Murmeln.

Film wirkt im „Inneren“

All das bleibt aus und das liegt keinesfalls daran, dass der Film nicht begeistert. Nein, es liegt vielmehr daran, dass der Film tief im „Inneren“ wirkt. Wie schon so oft gelingt es einem Abschlussfilm der Filmakademie Baden-Württemberg mit Sitz in Ludwigsburg zu berühren. Regisseur Stefan Sick hat mit seinem Dokumentarfilm etwas Besonderes erschaffen. Der Film handelt von Demenz – eine Diagnose, die für Betroffene und Angehörige alles verändert. Die Erkrankung zu akzeptieren erscheint ebenso schwierig, wie ein angemessener Umgang mit ihr. Im Film geht es allerdings mehr um ein Mitfühlen, als um ein Verstehen. Verstehen ist nicht notwendig und nicht möglich. Beobachtend erforscht „Das innere Leuchten“ den Lebensalltag von Menschen mit Demenz in einer Pflegeeinrichtung und baut eine starke emotionale Nähe zu ihnen auf. Sick schafft es, den Charakteren sanft sehr nahe zu kommen, etwa mit einer Frau beim Gefüttertwerden zu weinen, wenn Sie nach wenigen Sekunden bereits vergessen hat, dass es Linsen mit Spätzle zum Mittag gab.

Szenische Aufarbeitung

Der Film wagt dabei eine poetische Interpretation dieses Zustands, wenn beispielsweise das Insichgekehrtsein szenisch mit naturgewaltigen Bildern eines einsamen Waldes und der passenden Musik untermalt wird. Sick beschreibt in seinem Film das, was er selbst beim Betreten einer Pflegeeinrichtung für Demenzkranke gefühlt und gedacht hat: „Entweder ich bleibe und lasse mich auf diese wundersame Welt ein oder ich versuche diesen Ort möglichst schnell wieder zu verlassen.“ Er blieb und damit bleiben auch die Zuschauer. Beim Filmen selbst beschreibt der Regisseur, dass er das Gefühl hatte, dass der Charakter der Erkrankten „ungefiltert nach außen dringt. Die Bewohner des Pflegeheims haben mich vor allem deshalb so sehr fasziniert. Ich hatte das Gefühl, ein Stück weit in ihre Seelen blicken zu können und ihr ‚inneres Licht’ zu spüren“, beschreibt der Regisseur. „Das Innere Leuchten“ – ein sehenswerter Film, weil es um den Menschen geht, aber auch um die Gesellschaft und welche Verantwortung sie für die im Alter Erkrankten trägt.