Ludwigsburg Ludwigsburger Daten gehen an Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Dieses Foto des Stadtarchivs zeigt eine Menschenmenge am 10. November 1938 vor der brennenden Ludwigsburger Synagoge. Die Feuerwehr löscht nicht, sondern verhindert lediglich das Übergreifen des Feuers.
Dieses Foto des Stadtarchivs zeigt eine Menschenmenge am 10. November 1938 vor der brennenden Ludwigsburger Synagoge. Die Feuerwehr löscht nicht, sondern verhindert lediglich das Übergreifen des Feuers. © Foto: Stadtarchiv Ludwigsburg
Ludwigsburg / FRANZISKA TOFAUTE 29.01.2014
Das Stadtarchiv Ludwigsburg stellt der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem rund 7.500 digitalisierte Dokumente zur Verfügung. Es geht um das Schicksal der Juden in der Stadt.

Über mehrere Jahre haben das Stadtarchiv Ludwigsburg und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an einem Projekt gearbeitet, das nun abgeschlossen ist: Unzählige Dokumente zum jüdischem Leben in Ludwigsburg in der Zeit von 1933 bis 1945 wurden dabei digitalisiert. Das Holocaust-Museum in Jerusalem sammelt relevante Dokumente aus Deutschland, um sie der internationalen Forschung und interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, teilt die Pressestelle der Stadt Ludwigsburg mit.

Das Material in digitalisierter Form umfasst laut Wolfgang Volkmar Läpple, Leiter des Stadtarchivs Ludwigsburg, unter anderem Fotos und amtliche Dokumente, wie Geburts- und Todesanzeigen, Steueranschläge und Bauakten. Ein Nutzungsvertrag regele den sensiblen Umgang mit den Aufnahmen. Die Dokumente wurden von dem Projektmitarbeiter Wolfgang Schönfeld aus Zaberfeld in mehrjähriger Tätigkeit recherchiert. Er arbeitete im Auftrag des Archivs von Yad Vashem im Stadtarchiv Ludwigsburg und hat auch die Digitalisierung der Dokumente vor Ort übernommen.

Über seine Motivation an der Mitarbeit beim Projekt sagt der pensionierte Lehrer Schönfeld, dass er in die Arbeit hineingewachsen sei. Durch eigene Recherchen zu jüdischem Leben in Zaberfeld habe er 2007 den Historiker Dr. Martin Ulmer aus Tübingen kennengelernt, der die wissenschaftliche Leitung des Projektes innehatte. Dieser lud ihn zur Mitarbeit ein. "Mich plagt die Ungerechtigkeit gegenüber den jüdischen Menschen damals und dass es heute wieder Neonazis gibt."

Von Mai 2009 bis Oktober 2013 fuhr Schönfeld einmal wöchentlich ins Ludwigsburger Stadtarchiv, um die unzähligen Dokumente zu sichten und zu digitalisieren. Er möchte die Menschen aufklären, damit diese wachsam gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen sind. Umsetzen könne er dieses Anliegen auch durch seine Recherchen zur Geschichte der Juden in Flehingen im Landkreis Karlsruhe: "Man muss diese jüdischen Leute der Vergessenheit entreißen - sie müssen ein Gesicht bekommen", erklärt er.

2004 wurde die Initiative als Pilotprojekt in Baden-Württemberg für den kommunalen Bereich gestartet. Die Idee: Lokale Forscher zur jüdischen Geschichte recherchieren in kommunalen Archiven nach relevanten Akten für den Zeitraum der nationalsozialistischen Verfolgung der Juden. Die Dokumente werden erfasst und zur Digitalisierung aufbereitet, so die Stadt Ludwigsburg. Entsprechende Projekte wurden bereits in verschiedenen Archiven Baden-Württembergs durchgeführt.

Das Projekt im Stadtarchiv Ludwigsburg war bislang das größte dieser Art, weil die Geschichte der früheren jüdischen Gemeinde Ludwigsburg mit damals etwa 160 Mitgliedern und deren Verfolgung sehr gut dokumentiert sind. Läpple sieht im Projekt einen vielseitigen Nutzen: So kann das digitalisierte Material beispielsweise auch für die "Stolperstein-Initiative" genutzt werden. Diese im Jahr 2000 von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Initiative erinnert durch einen kleinen Messingstein auf dem Gehweg an ermordete jüdische Mitbürger.

Das Jerusalemer Archiv dankt dem Leiter des Ludwigsburger Stadtarchivs und dessen Mitarbeiterinnen Regina Witzmann und Margaret Galaske für die tatkräftige Unterstützung des Projekts. Denn durch die Aufnahmen aus dem Stadtarchiv werde die internationale Erforschung jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland ein Stück vorangebracht, erklärt Dr. Jakob Borut vom Yad-Vashem-Archiv.

Die Finanzierung dieses Zwei-Länder-Projekts war über die israelische Einrichtung sichergestellt worden.

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