Ludwigsburg Ludwigsburger Antiquaria in der Musikhalle im Schatten des Iffland-Falls

Gedrucktes, Gemaltes sowie Geschriebenes aus den letzten Jahrhunderten gab es in der Musikhalle.
Gedrucktes, Gemaltes sowie Geschriebenes aus den letzten Jahrhunderten gab es in der Musikhalle. © Foto: Helmut Pangerl
JÖRG PALITZSCH 27.01.2014
Bücher sollte man nicht ausleihen, man muss sie besitzen. Bei der 28. Ludwigsburger Antiquaria konnte man sich mit besonderen Exemplaren eindecken, bis auf den angekündigten Iffland-Nachlass.

Während Buchhandlungen in den Innenstädten Sorge haben, ihre Leser an das digitale Universum zu verlieren, zeigten sich die Antiquare in Ludwigsburg am Samstag selbstbewusst und gelassen. Als Händler des Besonderen bieten sie Gedrucktes, Gemaltes sowie Geschriebenes aus den letzten Jahrhunderten an und finden dabei nicht nur Liebhaber, sondern auch Käufer.

Die diesjährige Antiquaria geht allerdings in die Ludwigsburger Messegeschichte ein, weil die Veranstaltung in der Musikhalle schon im Vorfeld vom Gerangel um den 35-bändigen Nachlass des Schauspielers und Theaterdirektoren August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) überschattet wurde. Ifflands Korrespondenzbuch hatte das Wiener Antiquariat Inlibris für 450.000 Euro im Angebot. Nachdem dies bekannt wurde, und ein Streit um den rechtmäßigen Besitz des Konvoluts entbrannt ist, ruhen die Bände bei einer Anwältin.

Am Samstag war von dieser Aufregung kaum etwas zu spüren. Gleichwohl fanden sich die Liebhaber alter Bücher zahlreicher als in den Jahren zuvor ein, und der im Foyer aufgebaute Stand von Inlibri fand seine angemessene Aufmerksamkeit. Petra Bewer, Organisatorin der alljährlichen Antiquaria, hat schon im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie die Angebote der Aussteller im Einzelnen nicht prüfe. Der ganze Vorgang um den Iffland-Nachlass sei einmalig, etwas Vergleichbares habe sie noch nicht erlebt.

Im medialen Dunst rund um Iffland geriet das eigentliche Thema der diesjährigen Antiquaria, "Zensur" etwas in den Hintergrund, wurde aber nicht verdrängt. In zahlreichen Büchern steckte ein Zeichen mit einem roten "Z", was es dem Suchenden leichter machte. Darunter "Josefine Mutzenbacher", die auf dem Index stehenden "Essais" von Michel de Montaigne und der 1936 im Exilverlag Querido erschienene Roman "Mephisto" von Klaus Mann.

Als Insider der Antiquaria gilt der Ludwigsburger Buchhändler Jürgen Fetzer, der seine Schätze sonst in der Bogenstraße anbietet. In der Musikhalle fällt der Antiquar mit grüner Latzhose und ungewöhnlichem Angebot auf. Fetzers Schwerpunkte sind Kunstbücher aus Japan, China, Indien und die Literatur des 20. Jahrhunderts in Erstausgaben. Der Iffland-Fall habe der Antiquaria viel Aufmerksamkeit gebracht, sagte er. Auch mit Blick auf die Umsätze zeigte sich Fetzer am Samstag zufrieden. Wobei er den Sammlern doch auch ein schönes Bücherthema anzubieten habe.