Ludwigsburg / Rafael Binkowski  Uhr

Seine Kandidatur für das höchste Amt der Stadt Ludwigsburg hat der 26-Jährige auf Youtube erklärt. „Hallo liebe Ludwigsburger“, erklärt er zu Beginn des knapp fünfminütigen Videoclips. Ja, er will tatsächlich bei der OB-Wahl am 30. Juni antreten. Jakob Novotny bezeichnet sich als parteilos, tritt aber mit einer eher linken Agenda an: kostenloser Nahverkehr, kostenlose Kitas, bezahlbarer Wohnraum für alle in Ludwigsburg.

Wer ist dieser Mann, der neben Amtsinhaber Werner Spec (Freie Wähler) und Matthias Knecht in den Wahlkampf ziehen will? Seine Eltern stammen aus Tschechien, der Vater ist Tennislehrer, die Mutter Erzieherin. Novotny ist in Aalen im Ostalbkreis aufgewachsen. 2014 ist er nach Ludwigsburg gekommen, um an der Pädagogischen Hochschule Sport und Politik zu studieren. Dabei hat er schon ein Problem kennengelernt, das der 26-Jährige nun ins Zentrum seiner Kampagne rückt: die Wohnungsnot. „Ich habe ein Jahr gebraucht, um ein WG-Zimmer zu finden“, berichtet er. Wohnen im Ballungsraum, das sollte seiner Meinung nach für alle bezahlbar sein. Bei den Linken war er einige Jahre Mitglied, und hat in der sogenannten Ökologischen Plattform der Partei Umweltpolitik propagiert. Doch die starren Institutionen der Parteiarbeit liegen ihm nicht, er verließ die Linke Ende 2018 wieder. „Ich will Menschen ansprechen, die sonst nicht wählen gehen“, sagt er. So entstand die Idee, bei der OB-Wahl eine dezidiert linke Alternative anzubieten.

Seine Themen: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, mehr Geld für Bildung. Die Stadt müsse deutlich mehr Sozialwohnungen bauen. Dabei kritisiert er OB Werner Spec: Der habe zwar mit Bosch und Porsche attraktive Firmen angelockt, aber nicht für ausreichend Wohnraum gesorgt. „Warum werden im ehemaligen Nestle-Areal nicht nur verdichtete Wohnungen gebaut?“, fragt Novotny. Das müsse die absolute Priorität sein. Er will die Gewichte verschieben, Geld ausgeben für gebührenfreie Kindergärten oder kostenlose Busse. Dafür soll auf Prestigeobjekte verzichtet werden. Ein kleines Team hat er um sich versammelt, aber natürlich keine professionelle Infrastruktur mit finanzieller Ausstattung. Glaubt er daran, gewählt zu werden? „Sonst würde ich nicht antreten“, sagt der 26-Jährige und schmunzelt.