Die Stadt Ludwigsburg wächst und wächst. "Wir haben in den letzten fünf bis sieben Jahren etwa 7000 Einwohner hinzugewonnen", stellt Oberbürgermeister Werner Spec im Jahresgespräch mit der BZ fest. Auch die Zahl der Arbeitsplätze habe sich "von früher mal etwa 42 000 auf rund 49 000" erhöht.

Aus Sicht des Oberbürgermeisters war 2015 für die Stadt "erneut ein sehr erfolgreiches Jahr". Eines der besonderen Ereignisse sei die Eröffnung des Marstall gewesen. "Das war für die Innenstadt und die gesamte untere Stadt von großer Bedeutung, weil in den letzten Jahren mit dem Niedergang des früheren Marstallcenters das gesamte städtebauliche Umfeld massiv in Mitleidenschaft gezogen worden ist." Weil die früheren Immobilienfonds und kleinen Teileigentümer das nicht selbst hinbekommen hatten, war die Stadt aktiv geworden, hatte über eine GmbH das Eigentum erworben und mit der ECE einen Projektentwickler gefunden, der bereit war, eine Investition von 100 Millionen Euro zu tätigen. Ein Weg, wie ihn laut Spec "noch keine Stadt in Deutschland so gegangen ist".

Bei der Flüchtlingsentwicklung habe man den Landkreis offensiv unterstützt. Die Stadt habe sich dazu entschieden, auch Angebote durch die kommunale Wohnungsbau zu machen. "Wir wollten nicht, dass der Kreis nur hauptsächlich auf private Immobilienangebote angewiesen ist, weil da zwischenzeitlich auch einige Glücksritter unterwegs sind." Das Engagement der Bürger sei "bei allen Sorgen, die in der Bevölkerung sind" schon eine sehr bemerkenswerte Entwicklung gewesen, meint Spec, etwas "was man so nicht erwarten konnte".

Die Stadt hat die Marstall-Wiederbelebung durch eigene Investitionen flankiert. Man habe dazu fünf bis sechs Millionen Euro für die Umgestaltung von Straßen und Plätzen ausgegeben, berichtet Spec. Es wurde auch wieder viel in Bildung und Betreuung investiert, etwa in ein Kinder- und Familienzentrum in Poppenweiler oder den Bau einer großen Mensa am Schulcampus in der Innenstadt. Der Verwaltungschef sieht sich in dieser Politik durch die Resonanz seitens der Eltern bestätigt. "Eltern mit Kindern fühlen sich in Ludwigburg sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtteilen gut aufgehoben - in den Kindertagsstätten wie auch in den Schulen." Es zahle sich aus, dass die Stadt auf diesem Feld seit vielen Jahren erheblich investiere und die Angebote massiv ausgebaut habe. Die Folge sind allerdings hohe jährliche Aufwendungen für Personal und Sachkosten.

Spec stellt unumwunden fest, dass die Etatberatungen im vergangenen Jahr "sehr schwierig, auch ein Stück weit unerfreulich" gewesen seien. Der Grund: Obwohl der Gemeinderat mit seinen Entscheidungen für Bildungs- und Betreuungsinvestitionen die hohen Folgekosten mitbeschlossen habe, sei er jetzt nicht bereit, die aus der Sicht des Verwaltungschefs "unausweichlichen Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuer" mitzutragen, weil diese in der Bevölkerung und der Wirtschaft auf wenig Gegenliebe stießen. "Deshalb versucht man, sich hier um den heißen Brei so etwas herumzudrücken." Dadurch verschlechtere sich die Haushaltslage in der Stadt, warnt Spec.

"Jetzt stehen diese ungelösten Aufgaben an für den nächsten Haushalt", sagt der Oberbürgermeister mit Blick auf die Finanzen und kündigt an: "Da wird den Gemeinderat diese Diskussion wieder einholen." Insgesamt könne man in Deutschland aber wohl von einer stabilen konjunkturellen Weiterentwicklung ausgehen. Das erleichtere es auch, die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung zu stemmen.

Ein Schwerpunkt ist für Spec der Bau neuer Wohnungen. In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde man Raum für weitere etwa 5000 Einwohner brauchen. Dazu gehörten nicht nur Flüchtlinge, sondern auch viele andere Wohnungssuchende mit schwächerem Einkommen, Familien mit Kindern, Alleinerziehende mit Kindern, Studenten oder auch Menschen, die sich ein Eigenheim bauen wollten. "Wir müssen da nochmal deutlich mehr tun", so der OB. Man plane auch, in Kooperation mit der Wirtschaft innovative Bauformen zu testen. Ziel sei es, durch Modulsysteme preiswert und schnell, aber dennoch werthaltig zu bauen.

Der andere Schwerpunkt sei - in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Wissenschaft - das Voranbringen umweltfreundlicher Mobilität. Es gebe einen technologischen Schub, der die nächsten Jahre prägen werde. Die Stadt sei beispielsweise bei der Schaffung von Schnellladesäulen für Elektroautos durch die Stadtwerke gefordert, so Spec. Ludwigsburg habe hier eine wichtige Pilotfunktion für die Region übernommen. In diesem Jahr werde man auch in die Stadtbahndiskussion einsteigen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Der Oberbürgermeister hat schon einen konkreten Vorschlag: Hier gebe es Alternativen zur Schiene in Form leistungsfähiger Gelenkbussysteme, die bis zu 150 Personen transportieren könnten. Die kämen ohne Oberleitungen aus, seien trotzdem sehr umweltfreundlich, weil elektrisch betrieben, und viel günstiger als eine Stadtbahn. Außerdem stehe die weitere Aufwertung des Bahnhofumfelds an und die Überplanung des ZOB.

Von einem "Sorgenkind" will Spec nicht reden, dafür von Herausforderungen. Und da sei die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge und andere Wohnungssuchende die größte Herausforderung in diesem Jahr - neben den umweltpolitischen Aufgaben.