Eine Rockband, die allein drei Stunde lang das Publikum unterhält, ist der Standard. In der Ludwigsburger MHP Arena hatte nun mit „Music & Stories“ ein neues Format Premiere für deutschlandweit 14 Konzerte, das allerdings so neu nicht ist. Vor allem in den 1960er-Jahren boten Veranstalter an einem Abend mehrere Bands auf, auch, weil diese noch nicht über genügend eigenes Songmaterial verfügten. Dies ist bei Uriah Heep, Nazareth und Wishbone Ash nicht der Fall, die am Freitag über vier Stunden lang das musikalische Programm in der MHP Arena bestritten. Jede Band dieses britischen Triumvirats kann auf eine 50 Jahre andauernde und erfolgreiche Karriere zurückblicken, in denen sie vor allem in den 1970er-Jahren einen großen Einfluss auf andere Rockbands ausübten.

„Music & Stories“ in der nicht ganz ausverkauften Arena begann mit einem Zeitraffer-Filmschnipsel über den Bühnenaufbau. Anschließend präsentierte sich Sweet-Gitarrist Andy Scott in einer eher ungewöhnlichen Rolle als Moderator der Abends, dem er vorab ein „fantastisches Konzept“ bescheinigte.

Soundwelt der 70er

Mit den ersten Akkorden von „The King Will Come“ versetzten Wishbone Ash das Publikum schnell in die Soundwelt der 70er-Jahre. Auch nach 50 Jahren hat die harmonisch-mehrstimmige, ineinander verwobene Musik der Band nichts an ihrer Spannung verloren. Gitarrist Mark Abrahms sowie Bandgründer und Gitarrist Andy Powell schöpften die gegenläufigen Möglichkeiten ihrer Leadgitarren auch bei „The Warrior“ und vor allem in „Jail Bait“ voll aus. Nach gut einer Stunde verabschiedete sich die Band mit „Blowin‘ Free“ aus dem Jahre 1972, das zu den eingängigsten Gitarrensongs zählt.

In der Umbaupause kamen dann die „Stories“ des neuen Konzeptes zum Tragen. Andy Scott sprach mit Mick Box, Gründungsmitglied und Gitarrist von Uriah Heep, über Sex and Drugs and Rock‘n‘Roll, über Regenwetter bei Festivals und Gewehrschüsse.

Nazareth machten bei ihrem anschließenden Gig mit „Miss Misery“ und „Razamanaz“ zunächst mächtig Dampf. „This Flight Tonight“ und „Dream On“ sind unvergessliche Hits der Schotten, die mit ihrem Hard Rock Anfang der 70er den Grundstein für Heavy Metal legten. Bei „Change“ und bei „Tattooed On My Brian“ aus dem aktuellen Album zeigte sich der walisische Sänger Carl Sentance hier und da zwar etwas überdreht, was dem Gesamtauftritt allerdings nicht schadete. Auf der Basis von Bandgründer und Bassist Pete Agnew sowie dessen Sohn Lee an den Drums, konnte Jimmy Murrison immer wieder zu ausgedehnter Gitarrenarbeit ansetzen, die lautstarken Beifall erhielt. „Love Hurts“ sollte nicht der Abschluss des Auftritts sein, „Morning Dew“ aus dem Jahre 1971 erinnerte an die große Zeit der Band.

Vor dem Auftritt von Uriah Heep wurde den Rockfans in der Pause per Video ein Blick in den Tourbus von Nazareth gewährt. Auf der Bühne überbrückte Scott die Zeit, der mit den Musikern Geschichten hin und her spielte – und die gestandene Rockstars plauderten bereitwillig aus dem Nähkästchen. Dies hat man so noch selten erlebt, das Publikum war exklusiv dabei.

Das Publikum singt mit

Nach der letzten Umbaupause hob sich um 21.50 Uhr dann der Vorhang für Uriah Heep, die mit „Grazed By Heaven“ aus ihrem gleichnamigen Album, erschienen 2018, in ihr Programm einstiegen. Die Band um Mastermind und Gitarrist Mick Box zeigte sich bestens aufgelegt, was auch mit der sympathischen Bühnenpräsenz von Sänger Bernie Shaw zu tun hatte, der häufig den Kontakt zum Publikum suchte. Mit „Too Scared To Run“ und „Take Away My Soul“ ging es zu „Rainbow Demon“ aus dem Album „Demons ans Wizards“, mit dem die Band ihre kommerziell erfolgreichste Zeit einläutete.

Getragen von einer beeindruckenden Arbeit von Bassist Davey Rimmer, Schlagzeuger Russell Gilbrock und dem tief treibenden Orgelsound von Phil Lanzon füllte dieser Song die MHP Arena bis in den letzten Winkel aus. Mit dem nachfolgenden „Gypsy“ waren dies zwei musikalische Höhepunkte an diesem Abend. Wie stark Uriah Heep bei den Fans verwurzelt sind, machte „Lady in Black“ deutlich, bei dem, animiert von Sänger Shaw, kräftig mitgesungen wurde. So wollte das Publikum Uriah Heep ohne Zugabe nicht ziehen lassen. Box und seine Mannen ließen sich nicht lange bitten. Nach „Sunrise“ setzte das abgefahrene „Easy Livin‘“ einen gelungen Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Konzertabend der deutlich machte, dass Rockmusik bis heute nichts von ihrer Wirkung und Frische verloren hat.