Ludwigsburg Lohnt sich das Sparen noch? Finanzexperte klärt auf

Heute ist Weltspartag. Vor allem Kinder bringen ihr gefülltes Sparschwein zur Bank. Angesicht niedriger Zinsen, wird immer noch fleißig gespart - wenn auch nicht immer im Sparschwein.
Heute ist Weltspartag. Vor allem Kinder bringen ihr gefülltes Sparschwein zur Bank. Angesicht niedriger Zinsen, wird immer noch fleißig gespart - wenn auch nicht immer im Sparschwein. © Foto: dpa
Ludwigsburg / MICHAELA GLEMSER 30.10.2015
Der Weltspartag findet heute zum 91. Mal statt. Ob es in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen überhaupt noch attraktiv ist, Geld auf die Seite zu legen und auf welche Anlageprodukte Verbraucher setzen sollten, wissen Finanzexperten.

Stolz bringen die Kinder heute wieder ihr gefülltes Sparschwein zur heimischen Bank, um den Geldbetrag nicht nur auf ihrem Sparbuch anzulegen, sondern sich dafür auch Plüschtier, Malstifte oder Puzzle als kleine Belohnung abzuholen. Genau aus diesem Grund, um die Bevölkerung für den Sinn des Sparens zu sensibilisieren, wurde der Weltspartag im Oktober 1924 von Delegierten aus 27 Ländern beim ersten Internationalen Sparkassenkongress in Mailand ins Leben gerufen.

Auch heute noch halten die Bundesbürger trotz historisch niedriger Zinsen am Sparen fest, wie die Ergebnisse von zwei aktuellen Umfragen zeigen. So hat das Marktforschungsinstitut Innofact AG im Auftrag der Norisbank ermittelt, dass zwei Drittel der Deutschen mindestens einmal im Monat durchschnittlich 166 Euro zurücklegen. Auch bei einer Untersuchung von TNS Emnid im Auftrag der Postbank wurde deutlich, dass 75,8 Prozent der Deutschen im Alter von über 16 Jahren ihr überschüssiges Geld anlegen. Das Girokonto steht dabei mit 46,8 Prozent klar auf dem ersten Platz, gefolgt vom Tagesgeldkonto mit 39,8 Prozent, dem Sparkonto mit 33,3 Prozent und dem Festgeldkonto mit 22,9 Prozent.

Diese Umfrageergebnisse kann auch Fachmann Dusko Stanic von der Finanzmanufaktur GmbH in Ludwigsburg bestätigen. Der Bankkaufmann ist einer der Geschäftsführer des Unternehmens, das seinen Kunden unabhängige Beratung zu Geldanlagen, Versicherungen und Finanzierungen bietet.

"Auch heute noch wird weiterhin auf das klassische Sparbuch gespart und zwar am meisten von Anlegern, die noch die guten Zeiten' mit einer ordentlichen Verzinsung mit schneller Verfügbarkeit kennen. Das für die Schwaben ebenfalls typische Bausparen ist nur noch in Verbindung mit einem Darlehen zur Immobilienfinanzierung oder im Hinblick auf vermögenswirksame Leistungen mit Arbeitnehmersparzulage oder Wohnungsbauprämie interessant", betont Stanic.

Er verweist darauf, dass der Trend seit Jahren deutlich in Richtung Tagesgeldkonto zeige, welches die Kunden online selbst verwalten können.

Seiner Beobachtung nach führe die Enttäuschung vieler Anleger über die geringen Zinserträge auch dazu, dass sie lieber in ihr Eigenheim und dessen Wertsteigerung investierten. Nur ein kleinerer Teil der Verbraucher, so Stanic, handle an der Börse oder setze auf Edelmetalle.

"Ob sich ein Sparbuch für den Anleger heute noch lohnt, hängt nicht zuletzt vom individuellen Anlageziel, der gewünschten Verfügbarkeit und der Risikobereitschaft ab. Oftmals bieten, je nach geplanter Anlagedauer, Tagesgeld- oder Festgeldangebote der verschiedenen Anbieter einen höheren Zinssatz als klassische Sparbücher", erläutert Niklaas Haskamp, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemeberg.

Er empfiehlt, die unterschiedlichen Offerten vor allem auch hinsichtlich der Zinshöhe, der eventuellen Zinsgarantie, der Laufzeit des Vertrags oder der Kündigungsfrist sorgfältig miteinander zu vergleichen. "Eine zweite Meinung oder einen unabhängigen Rat einzuholen, ist ebenfalls wichtig. Grundsätzlich sollten Verbraucher darauf achten, Produkte mit deutscher Einlagensicherung auszuwählen", so Niklaas Haskmap.

Ein Kommentar von Jörg Palitzsch: Nur noch ein erzieherischer Akt

Der Weltspartag kommt so regelmäßig wie Ostern und Weihnachten. Nur - an den Feiertagen kann man wenigstens noch darauf hoffen, etwas geschenkt zu bekommen. Beim Weltspartag ist dies nicht so, weil Zinsen nahezu ausgerottet sind.

Nun wird der Angestellte hinter dem Bankschalter einwenden, Kinder würden beim Weltspartag doch beschenkt: Es gibt Schulkalender, einen Stundenplan, vielleicht ein Schokoherzle mit Werbeaufdruck und dazu einen bunten Luftballon. Toll, da freut sich der kleine Sparer, während sein Spargroschen im Sparbüchle nutzlos vor sich hindöst. Dabei hieß es immer, "Geld muss arbeiten", wobei nur die Bank mit dem Geld der Sparer arbeitet. Und dies praktisch für nix.

So ist der Weltspartag nichts weiter als ein erzieherischer Akt. Eltern signalisieren ihren Kindern damit die grundlegende Einstellung "Spare wenn du kannst, dann hast du in der Not." Den Kleinen kann man dann auch erklären, was Sparen bedeutet, schließlich sollen sie lernen, richtig mit Geld umzugehen. Und dazu braucht es einiges, nur keinen Weltspartag.

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