Literaturtage Literatur als „Sehhilfe“

Die Autoren Silke Scheuermann und Matthias Göritz stellen sich im Rathaus als Kuratoren, aber auch als Künstler vor.
Die Autoren Silke Scheuermann und Matthias Göritz stellen sich im Rathaus als Kuratoren, aber auch als Künstler vor. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 07.06.2018

Die Wahl wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich: Die Stadt Ludwigsburg, allem voran der Fachbereich Kunst und Kultur mit Wiebke Richert als Leitung, wählte für die 35. Baden-Württembergischen Literaturtage zwei Kuratoren, die eigentlich gar keine Kuratoren sind: Die Schriftsteller Silke Scheuermann und Mattias Göritz.

Seit etwa vier Jahren ist klar, dass Ludwigsburg die Baden-Württembergischen Literaturtage 2018 ausrichtet – und das zum ersten Mal. Die Terminwahl ist nicht ungewöhnlich, da Ludwigsburg in diesem Jahr das zweiwöchige Literaturfestival (13. bis 28. Oktober) in das Jubiläumsjahr einbetten kann. Auch das Thema ist darauf abgestimmt: „Stadt werden!“ Die Finanzierung teilt sich auf drei Schultern auf, berichtet Richert: 20 000 Euro Fördermittel kommen vom Land, 35 000 Euro von der Wüstenrot-Stiftung und die Stadt Ludwigsburg investiert 55 000 Euro.

Die Kuratoren als Künstler

Die zwei kuratierenden Autoren präsentierten sich am Mittwochabend erstmals dem Ludwigsburger Publikum. In einer Lesung im Kulturzentrum in Ludwigsburg konnten Literaturinteressierte sich ein Bild von ihrer Arbeit als Künstler machen, bevor sie sie als Kuratoren kennenlernen. Scheuermann präsentierte ihr Werk „Gerade noch dunkel genug“, in welchem sie über ihr Leben als Autorin berichtet. Göritz stellte seinen neuesten Roman „Parker“ vor.

Beim Pressegespräch wirkten die beiden Kuratoren vertraut – kein Wunder, sie arbeiteten bereits als Team im Literaturarchiv, wo sie Kinder unterrichteten. Durch eine Empfehlung des Literaturarchivs kam auch die Stadt Ludwigsburg auf die beiden. Das Konzept des Kuratorenteams basiert auf der grundsätzlichen Frage, wie man „Stadt“ literarisch betrachten kann. Die Durchmischung 30 regionaler und internationaler Autoren ermögliche verschiedene Sichtweisen, Verbindungen und Gespräche. „Bücher sind Sehhilfen“, sagt Göritz. Eine Stütze, die eigene Welt, die eigene Stadt, mit anderen Augen zu sehen, aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und sich dann darüber auszutauschen. „Wir wollen die Autoren miteinander ins Gespräch bringen“, ergänzt Scheuermann. „Die Trennung zwischen ‚hoher’ und Genre-Literatur gibt es nicht mehr“, ergänzt sie. Das Kuratorengespann habe auf Qualität geachtet, trotzdem aber keine Angst vor Genre-Literatur, wie Krimi und Science Fiction, gehabt. Wichtig sei den beiden auch, dass die Literaturtage von Besuchern und Autoren als Fest wahrgenommen werden und nicht als etwas Anstrengendes. „Wir erhoffen uns um die 200 bis 300 Besucher“, sagt Göritz und wünscht sich, dass das Festival für beide Seiten lebendig wird und Energie spendet.

Die fünf langen Literaturnächte

Die „Lange Nacht der Stadt“ am 13. Oktober, ist die Eröffnungsveranstaltung und befasst sich mit Reiseliteratur. Der „Große Baden-Württemberg-Tag“ findet am 14. Oktober statt und dreht sich um regionale Literatur, bietet aber auch ein vielfältiges Rahmenprogramm neben den ganztägigen Lesungen.

Die „Lange Nacht der Poesie“ am 19. Oktober ist der Lyrik gewidmet. Am 20. Oktober dreht sich alles um Kriminalromane. Die „Lange Nacht der Zukunft“ am 27. Oktober bringt Science Fiction und Architektur beziehungsweise Literatur und Realität zusammen. hevo

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