Theatersommer Liebeswirren mit viel Lokalkolorit

Geschlechtertausch im Clussgarten in Ludwigsburg: Das gegen Ende zueinanderfindende Paar, die Wirtin Josepha Voglhuber (Jens Woggon) und der Oberkellner Leopold (Nina Maria Föhr).
Geschlechtertausch im Clussgarten in Ludwigsburg: Das gegen Ende zueinanderfindende Paar, die Wirtin Josepha Voglhuber (Jens Woggon) und der Oberkellner Leopold (Nina Maria Föhr). © Foto: Werner Kuhnle
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 03.08.2018

Ein optisches und akustisches Alpenpanorama: Eine Berglandschaft, Akkordeon-Musik und die weiß vertäfelte Holzwand eines Gasthauses am Ludwigsee. So präsentiert sich der Clussgarten in Ludwigsburg im Rahmen des Theatersommers bei der Premiere von „Im weißen Rössl am Ludwigsee“ in der Fassung von Peter Kratz am Mittwochabend. Die Inszenierung bezieht sich auf das Alt-Berliner Stück „Im weißen Rössl“ von Oscar Blumenthal sowie auf die gleichnamige Filmkomödie aus dem Jahr 1960.

Gäste werden erwartet

In besagtem Gasthaus „Im weißen Rössl“ wartet das Personal auf die Ankunft eines Dampfers mit dem Namen „Mätresse Grävenitz“. Vornehmlich die Wirtin Josepha Voglhuber ist ganz aus dem Häuschen, denn sie erwartet sehnlichst einen Stammgast, den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler. Die Aushilfskellnerin Mirzl, die zeitgleich „Zimmermadl“, Köchin und Postbotin ist, wird herum gescheucht, sie soll das schönste Zimmer herrichten für den Herrn Doktor. Nicht sonderlich angetan vom Rechtsanwalt ist Oberkellner Leopold, der seinerseits der Rössl-Wirtin Avancen macht – und das nicht gerade diskret. Er schmachtet und bringt ihr Ständchen dar. Und das im breitesten Schwäbisch, was das Publikum des Clussgartens mit zahlreichen Lachern belohnt. Sehr zum Betrübnis der Wirtin: „Dieses Schwäbisch, des lassen’s wieder sein“, sagt sie im österreichischen Dialekt und verlangt vom Oberkellner Österreichisch, Bayrisch oder Alpendeutsch, was den überzeugten Schwaben nicht im Geringsten interessiert. „Sie senn d’ Frau und i der Mo – oder anderschrom“, schwatzt Leopold und beschreibt die Rollenverteilung des Theaterstücks damit sehr gut. „Andersrum“ trifft es nämlich: Die Wirtin wird vom hoch gewachsenen Jens Woggon gespielt, und der sich maskulin gebende Leopold mit dem verschmitzten Lächeln und dem breitbeinigen Gang von der zierlichen Nina Maria Föhr. Die umgekehrte Rollenverteilung zieht sich in der Ludwigsburger Version des „Weißen Rössls“ durch. Der ebenfalls bestimmt und männlich auftretende Dr. Siedler wird von Bernadette Hug gespielt – und das, wie auch Föhr, herausragend authentisch und überzeugend. Nicht umsonst sind die beiden zierlichen Schauspielerinnen die Publikumslieblinge, die den lautesten Applaus ernten. Insgesamt wird vom oft und herzlich lachenden Publikum viel applaudiert. Es gab nicht nur den finalen, nicht enden wollenden Applaus, auch zwischen den Szenen brachten die Zuschauer dem fünfköpfigen Ensemble Klatschkonzerte dar.

Bemerkenswert sind die vielfachen Doppelrollen: Föhr spielt neben dem Oberkellner die resolute und doch feminine Ottilie Giesecke, Tochter des Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke (Bernhard Linke). Der authentisch berlinernde pharmazeutische Unternehmer führt einen unerbittlichen Rechtsstreit mit seinem Konkurrenten Sülzheimer, der vom Rechtsanwalt Siedler vertreten wird. Es geht um ein Patent für ein „Potenzmittelchen“, denn Giesecke und Sülzheimer sind „Viagramacher“. Hug spielt neben dem Rechtsanwalt auch Frau Hinzelmann, die mit ihrem „Sohn“ Karlchen, der von der Mirzl-Darstellerin Christine Last gespielt wird, Urlaub macht – begleitet vom Sohn des Erzfeindes, Siggi Sülzmann. Dieser wiederum wird von Josepha-Darsteller Jens Woggen gespielt.

Alles dreht sich um die Liebe

Wie es sich für Liebeskomödien gehört, gibt es im knapp zweistündigen Schauspiel allerhand Wirrungen, am Ende löst sich jedoch alles in Wohlgefallen auf: Giesecke findet zu seiner Jugendliebe Frau Hinzelmann zurück, Siggi und Karlchen, der sich als Transe herausstellt, verloben sich. Siedler und Ottilie ebenso, und auch Leopold kann seine Herzdame, die Rössl-Wirtin, für sich gewinnen.

Ein aberwitziges Schauspiel-Spektakel, das die Lachmuskeln aufs Massivste strapaziert. Mit grandiosen Akteuren und (Gassen-)Schlagern wie „Mendocino“, „Er gehört zu mir“ und „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, die das Publikum zum Singen bringen. Ganz davon abgesehen, überzeugt der Nachname der Wirtin Josepha Voglhuber.

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