Ludwigsburg Lichtkonzept: „Slow Light“ statt Überbeleuchtung

Bei dem neuen Beleuchtungskonzept bleiben die Masten stehen. Lediglich die Leuchten werden ausgetauscht.
Bei dem neuen Beleuchtungskonzept bleiben die Masten stehen. Lediglich die Leuchten werden ausgetauscht. © Foto: Kalb Martin
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 13.04.2018

Es ist dunkel. Auf dem Weg nach Hause wechselt man bewusst die Straßenseite, um auf dem von Straßenlaternen ausgeleuchteten Weg zu laufen. Das erzeugt ein Gefühl von Sicherheit. Dieses Gefühl könnte im Zuge des Umstiegs von der Natriumdampflampe, also der altbekannten Glühbirne mit dem behaglich orange-gelben Licht, auf Leuchtdioden (LED) abhandenkommen.

„Die alten Leuchtmittel können nicht einfach eins zu eins durch LED-Beleuchtung ersetzt werden, sonst droht Überbeleuchtung“, erklärt Martin Kurt, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung und Vermessung, beim Pressegespräch am Donnerstag im Ludwigsburger Rathaus.

Kann es denn zu hell sein, wenn man in der Nacht auf der Königsallee an der Bärenwiese vorbei läuft? Ja, ist sich die Stadt Ludwigsburg sicher. „Zu viel Beleuchtung sorgt nicht für ein Gefühl der Sicherheit, ganz im Gegenteil“, erklärt Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen. Durch die hellen LED-Lichter werde der Passant geblendet. Das Auge brauche rund 30 Sekunden, um sich an das grelle Licht zu gewöhnen, dadurch könne der Fußgänger den Raum hinter dem Licht nur noch zweidimensional sehen. „Die Königsallee etwa wird so zu einem Laufsteg. Im Lichtkegel ist man für andere wunderbar zu sehen, selbst aber geblendet und kann Außenstehende nicht erkennen“, ergänzt Kurt.

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, strebt die Stadt Ludwigsburg eine Beleuchtungsstrategie an, die die genannte Überbeleuchtung verhindert, zeitgleich „maximale Energieeffizienz bei größtmöglicher Qualität“, so Kurt, bietet. Das passe zur Nachhaltigkeitsstrategie, die die Stadt ganzheitlich anstrebt. Um ein solches Konzept auf die Beine zu stellen, haben sich die beiden mit der Lichtstrategie beauftragten Fachbereiche noch einen dritten Partner ins Boot geholt: Wiebke Richert, die Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur. Der technische Ansatz, also die praktische Strategie, soll mit einem künstlerischen Ansatz verbunden werden, denn „Licht ist ein emotionales Thema“, sagt Richert. Als Beraterin in Sachen Licht wurde die international renommierte Künstlerin Siegrun Appelt ausgewählt. Die Künstlerin kreierte einen Werkzyklus mit dem Titel „Langsames Licht/Slow Light“. Dieser liegt der für Ludwigsburg angestrebten Lichtstrategie zugrunde und ist Namensgeber.

Der erste Ansatz sei, das künstlerische Lichtkonzept in den Alltag zu übernehmen, und sich die Frage zu stellen, was Licht für den öffentlichen Raum bedeutet, sagt Richert. So können Lösungsansätze aus einer anderen, einer künstlerischen, Perspektive entwickelt werden.

Appelt stellt Kontakte zu den Leuchtenherstellern her, mit denen die Stadt dann ein für Ludwigsburg ideales Energiekonzept erstellen will. „Wir haben auch schon reale Lichttests gemacht“, sagt Kurt. Denn nicht jeder öffentliche Raum brauche die gleiche Beleuchtung. Um herauszufinden, welche Beleuchtung sich am besten eigne, müsse ausprobiert werden, sagt Kurt.

Bisher wurden unter anderem Tests im Grünzug Pflugfelden durchgeführt. Dort wünsche sich die Bevölkerung schon lange ein Beleuchtungskonzept. Im Grünzug wird die Umsetzung der neuen Lichtstrategie auch beginnen. Leitungen werden verlegt und Mastfundamente gesetzt. Parallel schreiten auch die Arbeiten in den Kleingartenanlagen am Römerhügel sowie in der Körnerstraße fort. Die Lichtsituation auf dem Rathaushof soll ebenfalls noch in diesem Jahr angepackt werden, sagt Kurt. Und auch der Ratskellerhof wird nach der Biergartensaison neu beleuchtet werden.

Die Installation der neuen Leuchten erfolgt durch die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. Kurt geht von einem geringen Mehrkostenaufwand bei der Installation aus, im laufenden Betrieb sieht er allerdings eine generelle Kostensenkung. Zusätzliches Budget werde folglich nicht benötigt – der Lichtliefervertrag mit den Stadtwerken beinhalte die Umsetzung der neuen Lichtstrategie. Das bestehende Beleuchtungssystem mit Mastlampen bleibt übrigens bestehen. Nur die Leuchten selbst werden ausgewechselt, erklärt Kurt. Wichtig ist dem Planungsteam, dass das Lichtkonzept einen ganzheitlichen Ansatz mit gesellschaftlicher Relevanz verfolgt, und nicht nur die Innenstadt Ludwigsburgs an Beleuchtungsqualität gewinne, sondern alle Stadtteile.

Info Am Donnerstag, 26. April, findet um 19 Uhr im Ludwigsburg Museum im MIK ein Dialogabend statt, bei dem Siegrun Appelt das „Slow Light“-Konzept erklärt. Moderiert wird der Abend von Martin Kurt. Der Eintritt ist frei.