Heilwasser gibt es in jedem handelsüblichen Supermarkt. Zumeist in Glasflaschen abgefüllt, strahlt es eine gewisse Eleganz aus, und man hat das Gefühl, sich beim Trinken etwas besonders Gutes zu tun. Heilwasser lässt sich aber auch anders beschaffen: Im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck gibt es nämlich eine staatlich anerkannte Heilquelle. An der Uferstraße, unterhalb des Heilbads, ragt der Bohrturm empor, unter dessen Dach der Brunnen ist.

„Das ist der einzige Mineral- und Sole-Brunnen Ludwigsburgs“, erklärt Matthias Hyrenbach. Der 65-Jährige ist ausgebildeter Natur- und Landschaftsführer, dessen Herz für Steine schlägt. Steine sind bei Heilwasser nämlich entscheidend. Der Brunnen in Hoheneck hat drei Hähne, trinken sollte man jedoch nur aus Zweien. Aus diesen sprudelt Mineralwasser mit 0,1 Prozent gelösten Salzen. Aus dem dritten Hahn fließt Sole-Wasser, das 2,17 Prozent gelöste Salze enthält und äußerst salzig schmeckt. Es ist gut 30 000 Jahre alt. Zur Entstehung des Mineralwassers erklärt der Gesteins-Experte: „Regenwasser sickert in die Erde und durch die Schichten. Dabei nimmt das Wasser Salze auf.“ Von unten komme die Kohlensäure dazu, so entstehe das Mineral- beziehungsweise Heilwasser. So erklärt sich auch, dass das Sole-Wasser aus mehr als 150 Metern Tiefe kommt, das Heilwasser sich nur rund 30 Meter unter der Erdoberfläche sammelt.

Genutzt wird das Wasser aus Hoheneck übrigens seit 113 Jahren. Auf einer historischen Aufnahme (siehe Foto unten) ist zu lesen: „Ein brom-, jod- und eisenhaltiger Kochsalzsäuerling. Zu empfehlen bei chronischen Katarrhen, Verdauungsstörungen und Skrophulose. Wärme 18 Grad Celsius.“

Wer jetzt jedoch sogleich zum Brunnen aufbrechen möchte, der sollte sich noch zügeln und bis April warten, seit Donnerstag wird der Bohrturm nämlich von der Stadt Ludwigsburg restauriert, die Arbeiten werden laut Angaben der Stadtverwaltung bis Ende des Jahres dauern. Und während der Bauarbeiten ist der Heilwasserbrunnen ausgeschaltet. Nach der üblichen Winterpause über die kalten Monate ist das Heilwasser dann im April wieder für jedermann nutzbar.

Entdeckt wurde das Hoheneck-Heilwasser im Jahre 1906, ein Jahr später, am 14. Juli 1907, wurde direkt über dem Bohrloch, als kleines provisorisches Badegebäude mit zwölf Wannen und einer Trinkhalle ein Mineralbad eröffnet. Der Bohrturm wurde 1918 errichtet und 1919 mit Holz verkleidet. Das dortige Heilbad wurde zwar abgerissen und an neuer Stelle eröffnet, als Reminiszenz blieb aber der Turm, der 1980 neu gestaltet wurde, ebenso der Brunnen. Mittlerweile ist die Trinkhalle in die Jahre gekommen. Die Treppenstufen sind beschädigt, ebenso das Holz am Türrahmen. Die Infotafeln sind kaum noch lesbar, und die Wände sind außen und innen mit Graffiti beschmiert. Das hat nun ein Ende.

Trinkhalle wird saniert

Laut Angaben der Stadt wird das Fachwerk der Außenwände saniert ebenso die Rundholzstützen. Außerdem wird die Außenschalung erneuert, alle Holzteile gestrichen und der Putz am Eingangsbereich instandgesetzt. Auch wird der Pflasterbelag erneuert und der Außenbereich inklusive Beleuchtung neu gestaltet. Der Trinkbrunnen, durch dessen Hähne schon unzählige Liter Heil- und Sole-Wasser geflossen sind, wird ausgetauscht.