„Vielen Dank, dass ich auch mal meine andere Seite zeigen kann“, sagt Felix Kummer, Frontmann der Band „Kraftklub“. Mit der Band sei er schon mal in Ludwigsburg gewesen, erzählt der smarte 30-Jährige – im Juni 2017 spielten sie auf dem Rathausplatz ein kostenloses Überraschungskonzert. Dieses Mal ist er jedoch solo unterwegs und präsentierte dem Publikum des ausverkauften Scala am Sonntagabend sein im Oktober erschienenes Album „Kiox“.

Der Name ist Programm

Der Künstlername „Kummer“ ist nicht nur der Nachname des Musikers, sondern auch Programm. Düster, persönlich und tiefgründig besingt der Rapper aus der Karl-Marx-Stadt seine Heimat, eigene Erfahrungen und Missstände in der Gesellschaft. Und doch gibt sich Felix Kummer gut gelaunt und nahbar, scherzt mit den Fans und wirkt ergriffen vom Jubel. „Ihr kanntet doch gerade einmal zwei Songs als ihr die Karten gekauft habt“, wundert er sich und bedankt sich mehrfach für die Vorschusslorbeeren. Es sei das letzte Konzert der Auftaktwoche seiner „Kiox“-Tour, er sei von einem ruhigeren Konzert ausgegangen – nicht nur wegen des Wochentags. „Das erste bestuhlte ‚Kummer’-Konzert“ stellte er vorab belustigt und zeitgleich irritiert in seiner Instagram-Story fest.

Mit „Nicht die Musik“ eröffnete der Chemnitzer Sänger das Konzert – diese Abtemponummer wurde von den Fans gleich mit einem Moshpit quittiert – soviel zum „ruhigen Sonntagskonzert“. Zu „Schiff“ setzten sich Teile des Publikums hin und ruderten. „Euch find’ ich okay“ kommentierte „Kummer“ mit einem Augenzwinkern und schaffte so die Überleitung zum vierten Song „Okay“.

„KeKe“ als Vorprogramm

Bei „Aber nein“ gab es stimmliche Unterstützung durch „KeKe“. Die junge Wiener Rapperin gestaltete auch das Vorprogramm.

Das Album „Kiox“ besteht aus zwölf Songs, die am Sonntagabend allesamt zu hören waren. Auch hatte der 30-Jährige eigene Versionen der „Kraftklub“-Hits „Chemie Chemie Ya“, „Schüsse in die Luft“, „Randale“ und „500 K“ im Gepäck sowie ein Cover des aktuellen „Zugezogen Maskulin“-Songs „36 Grad“, bei dem er unter seinem Pseudonym „Carsten Chemnitz“ gemeinsam mit der Berliner Rapperin Nura beteiligt war.

Als Zugabe spielte „Kummer“ die dritte Single-Auskopplung des Albums „Bei dir“ sowie „Der Rest meines Lebens“ – ein Song, den er mit Max Raabe, der durch „Mein kleiner grüner Kaktus“ 1997 bekannt wurde, aufgenommen hatte. Euphorisch sang „Kummer“ die Passagen des Berliner Varieté-Sängers mit und animierte das Publikum, es ihm gleich zu tun. Ein krönender, wenn auch von der Songauswahl her überraschender Abschluss eines energetischen Konzerts, das trotz Sonntagabend und der vorhandenen Sitzreihen, die Felix Kummer vorab verunsicherten, alles andere als ruhig war. Ludwigsburg präsentierte sich als fünfte Tour-Station nach Großstädten wie Zürich, München und Köln von seiner besten Seite und gab alles.