Verkehr Kritik an OB Spec: „Keine wirksamen Konzepte“

Dass OB Spec bei dem Beschluss zur Fahrradstraße Alleenstraße für eine zeitweise Öffnung für Autos gestimmt habe, habe das Fass zum Überlaufen gebracht, schreiben Verbände, die für einen Radwegeausbau sind in einem Brief an den OB.
Dass OB Spec bei dem Beschluss zur Fahrradstraße Alleenstraße für eine zeitweise Öffnung für Autos gestimmt habe, habe das Fass zum Überlaufen gebracht, schreiben Verbände, die für einen Radwegeausbau sind in einem Brief an den OB. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / bz 15.08.2018

Harsche Kritik üben die Vertreter der Ludwigsburger Verbände des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) mit Stadtbahninitiative und Radwegeinitiative, des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC) und der bei der Zukunftskonferenz 2012 entstandenen Gruppe „Vision 2025+X“ in einem Brief an Ludwigsburgs OB Werner Spec in Sachen nachhaltiger Mobilität. Die Stadtverwaltung reagiert während der OB im Urlaub ist, ebenso entschieden und weist die Kritik als unzutreffend  zurück.

 Die Stadt habe seit der Verleihung des Titels zur „nachhaltigsten Stadt Deutschlands mittlerer Größe“ vor vier Jahren einen Rollback vollzogen, urteilen Verbände und Initiativen. So habe Spec bei einem Gespräch vor zwei Jahren noch deutlich hinter dem Ausbau der Infrastruktur für Radwege gestanden, bei dem Beschluss zur Fahrradstraße Alleenstraße aber für eine zeitweise Öffnung für Autos über das Schulgelände gestimmt. Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht, so die Sprecherin der Radwegeinitiative Roswitha Matschiner: „Sie und viele Mitglieder des Gemeinderates haben leider noch immer nicht verstanden, dass wir für eine nachhaltige Mobilität neue Prioritäten setzen müssen. Das KFZ ist in dicht besiedelten Regionen eine äußerst ineffektive Form der Fortbewegung“, schreibt sie dem OB.

Potenzial des Rads nicht erkannt

Andere europäische Städte würden ihre Infrastruktur konsequent auf Kosten des Autoverkehrs umbauen, zugunsten von Fußgängern, Radverkehr und ÖPNV. Das dürfe man dann nicht als Bevorzugung der „anderen“ Verkehrsmittel verstehen, sondern sei endlich ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Verkehrsmittel. Ludwigsburg habe zwar mit dem Umbau der Marbacher Straße einen ersten Schritt getan, doch das Potenzial des Fahrrades als Verkehrsmittel werde noch immer nicht erkannt.

Christian Volkmer vom ADFC wirft der Stadt vor, dass es in Ludwigsburg bis heute keine sichtbaren Konzepte gebe, die aufzeigen, wie der Autoverkehr in der Stadt wirklich wirksam reduziert werden könnte. „Dem OB scheint es wichtiger zu sein, Fahrverbote zu umgehen, als die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern. Etwa durch Verlagerung des Verkehrs, weg von den Messstellen.“

In Ihrem Brief an Spec listen sie weitere Beispiele auf, die zeigen sollen, dass man in Ludwigsburg gar nicht daran denke,  ernsthaft auf nachhaltige Fortbewegungskonzepte zu setzen. Andreas Stier vom VCD wirft Spec vor, weiterhin auf das bei Nachbarkommunen und in der Bevölkerung ungeliebte BRT-System zu setzen und damit eine Niederflurstadtbahn für Ludwigsburg zu gefährden, die effektiv und nachhaltig für eine attraktive Mobilität in Ludwigsburg sorgen würde.

Stadt weist Kritik zurück

Die Stadt Ludwigsburg weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Thema nachhaltige Mobilität habe seit vielen Jahren eine sehr hohe Priorität. Das lasse sich durch zahlreiche Beispiele belegen; seit 2010 etwa sei die Stadt Modellkommune für E-Mobilität.

Beim Ausbau der Radwegeinfrastruktur setze die Stadt das vom Gemeinderat beschlossene „Radroutenkonzept 2025“ um: In diesem Jahr werde der Radweg entlang der Marbacher Straße fertiggestellt und die Alleenstraße werde zur ersten Fahrradstraße Ludwigsburgs. Das Abstimmverhalten des OB als eine Entscheidung gegen die nachhaltige Mobilität zu interpretieren, gehe an der Sache vorbei, teilt Bürgermeister Michael Ilk mit. Basis für den von der Stadtverwaltung formulierten Vorschlag, ein Teilstück der Alleenstraße in den Zeiten sehr niedrigen Radverkehrsaufkommens für die Autofahrer freizugeben war das Anliegen, den knappen Verkehrsraum in der Innenstadt effektiv zu nutzen.

Vier Säulen für saubere Luft

Ein weiteres Beispiel für die Förderung der Radwegeinfrastruktur ist das Fahrradparkhaus mit rund 700 Stellplätzen am Bahnhof. Beim Thema „RegioRad“ – einem Fahrrad- und Pedelec-Verleih-System – sei die Stadt Ludwigsburg Vorreiter gewesen. Im Green City Masterplan belege die Stadt mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen, wie sowohl Stickstoffdioxide als auch Feinstaub reduziert werden könne. Ludwigsburg setze dabei auf vier wesentliche Säulen: die schnelle Verbesserung des ÖPNV, die Elektromobilität, die Digitalisierung der Verkehrsleitsysteme sowie den Ausbau der Radwegeinfrastruktur.

Gerade die Doppelstrategie zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs belege, wie ernst es die Stadt mit dem Thema nachhaltige Mobilität meine. Es gehe darum, attraktive Angebote zu schaffen, um Autofahrer zu einem Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen. Mit Beginn des Jahres 2019 werde in Ludwigsburg mit dem Fachbereich „Nachhaltige Mobilität“ zudem eine neue Einheit geschaffen, die dem hohen Stellenwert all der oben genannten Themen Rechnung trage.

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