Naturpädagogik Kräuter und ihre Wirkung

Kräuterpädagogin Claudia Nafzger in ihrem Element. Pflanzen spielen in ihrem Leben eine ausschlaggebende Rolle.
Kräuterpädagogin Claudia Nafzger in ihrem Element. Pflanzen spielen in ihrem Leben eine ausschlaggebende Rolle. © Foto: Nafzger
Ludwigsburg.  / Ifigenia Stogios 07.06.2018

Junge Leute kennen sich heutzutage nicht mit Kräutern aus und auch nicht mit all dem, was die Natur hergibt. Das fällt der Kräuterpädagogin Claudia Nafzger auf und das möchte sie ändern. Die 53-Jährige hat vor zehn Jahren eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin absolviert und organisiert Kräuterspaziergänge für sämtliche Bildungseinrichtungen sowie für Pflegeheime. Sie teilt mit den Teilnehmern ihr Wissen über Kräuter und dessen Anwendung. Sie versucht dadurch ein Umdenken zu bewirken.

Wertvolles Unkraut

„Viele ärgern sich, wenn Giersch zwischen ihren Rosen wächst“, sagt sie. Statt das angebliche Unkraut so schnell wie möglich zu entfernen, sollten sie sich freuen, rät sie. Der Grund? Der zarte Giersch sei wertvoll und daraus kann ein Salat zubereitet werden. Frische Kräuter in ihre Ernährung miteinzubeziehen, macht Nafzger gern. Von Kräutersalz bis hin zur Butter mit Ringelblumen: Die naturbegeisterte Frau erkundet nicht nur die Natur, sondern zeigt Interessierten, wie sie die Kräuter von der Wiese auf den Teller bringen. Aber nicht nur in der Küche haben Kräuter ihren Platz, sie können nämlich auch als Apotheke vor der Tür fungieren. So stellt Nafzger Salben und verschiedene kosmetische Produkte mit Kräutern her, wie etwa eine Ringelblumensalbe gegen Entzündungen.

Zu Beginn wurde sie für ihre Berufswahl „belächelt“, verrät Nafzger, doch inzwischen weiß sie, dass Kräuterspaziergänge gut ankommen. Sowohl junge als auch ältere Menschen lernen viel dazu. Die älteren kennen bestimmte Kräuter noch von früher, erinnern sich an die alten Zeiten und arbeiten an ihrer Motorik, indem sie die Pflanzen anfassen. „Sie aktivieren dadurch ihre Sinne.“ Jüngere hingegen lernen, mehr auf die Nachhaltigkeit zu achten. Nafzger erinnert sich an einen Schüler, der mit ihr und der gesamten Klasse einen Frischkäse mit Kräutern zubereitete. „Warum kaufen wird so etwas, wenn es so einfach ist, es selbst zu machen?“, wunderte er sich daraufhin. „Jede Schule müsste einen Garten haben“, sagt die Pädagogin. Der Lehrplan sei allerdings ziemlich eng und die Lehrer hätten kaum Zeit draußen Zeit mit den Schülern zu verbringen, sieht sie ein. Nafzger war schon an mehreren Schulen, um Kinder mit  der Kräuterwelt vertraut zu machen. Das Ellentalgymnasium in Bietigheim-Bissingen hat einen Schulgarten. Gemeinsam mit den Schülern erkundete sie ihn. Die Pflanzen anschauen und daraus etwas zubereiten, das sei die beste Methode, um sich die Namen und die Funktion der Kräuter zu merken. „Auswendig lernen, bringt nichts. Die praktische Umsetzung zählt.“ Noch heute treffe sie ehemalige Schüler, die ihr sagen,  dass sie dank ihr bestimmte Kräuter noch erkennen können, erzählt sie.

Nafzger ist Gründungsmitglied der Kräuterpädagogen Baden-Württemberg und unterrichtet an der Wildpflanzenschule, die zu dem Verein gehört. Dort dreht sich alles um Büsche, Beeren und Bäume. Die Schule bietet 16 Ausbildungsplätze pro Jahr. Am Ende der Ausbildung besteht die Möglichkeit eine Prüfung abzulegen, bei Bestehen erhält man das Zertifikat „Wildpflanzenpädagoge“ der Kräuterpädagogen Baden-Württemberg.

Kräuterspaziergänge in Ludwigsburg

Die Umweltakademie Baden-Württemberg und die Stadt Ludwigsburg laden am Sonntag, 10. Juni, zu einem Kräuteraktionstag mit Claudia Nafzger in das NaturInfoZentrum Casa Mellifera am Hungerberg ein. Jeweils um 13 und um 15 Uhr startet die Kräuterpädagogin zu einem Kräuterspaziergang rund um das NaturInfoZentrum Casa Mellifera. Die Expertin zeigt, was am Wegesrand wächst, woran man die Pflanzen erkennt und wie die Kräuter in Küche und Naturheilkunde Anwendung finden. Am Donnerstag, 21. Juni, findet am selben Ort von 17.30 bis 20 Uhr ein weiterer Spaziergang in Zusammenarbeit mit der VHS Ludwigsburg statt. ifi

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