Ludwigsburg Konzertabend der Festspiele im Ludwigsburger Schloss

Ludwigsburg / BETTINA NOWAKOWSKI 13.06.2016
Die erste öffentliche Aufführung eines gesungenen "Urheberrechts" nach fast 300 Jahren sorgte für einen überraschenden Konzertabend.

"Sie werden einige Überraschungen erleben." Was Intendant Thomas Wördehoff zum Beginn des Konzertabends mit Sopranistin Sarah Wegener, Dirigent Reinhard Goebel und dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele im gut besetzten Ordenssaal des Residenzschlosses am Freitagabend ankündigte, bewahrheitete sich in der Tat.

Reinhard Goebel gilt als "Ikone der alten Musik" mit seinem Verdienst, in Vergessenheit geratene Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts wieder aufzuführen. Mit "Les Éléments" von Jean-Féry Rebel startete der Konzertabend gleich voller Energie. Die anschauliche Schilderung des Chaos vor der Schöpfung der Welt und der Wandel zur Ordnung, wie sie damals verstanden wurde, präsentierte das brillant spielende Orchester der Schlossfestspiele mit hoher, virtuoser Kunstfertigkeit und immer wieder geradezu modern anmutenden Wendungen.

"Sie sind heute Abend wahnsinnig privilegiert", sagte Reinhard Goebel in seiner Ansprache an das Publikum vor der Aufführung von "Le Privilège du Roi" von Jean-Joseph de Mondonville. "Sie hören diese Kantate das erste Mal seit fast 300 Jahren."

Die musikhistorische Rarität, die Reinhard Goebel wiederentdeckt hat, vertont den königlichen Bescheid, der es Jean-Joseph de Mondonville erlaubte, seine Werke zu publizieren und der ihn vor Raubkopien durch andere schützte. Dieses "Urheberrecht", das die berühmte Mätresse Madame de Pompadour wahrscheinlich König Ludwig XV. zur Unterhaltung in ihrem Privattheater vortrug, wurde von Sopranistin Sarah Wegener eindrucksvoll und mit glasklarer Stimme interpretiert.

Dynamisch temperamentvoll erklangen in französischer Sprache Sätze wie "Im Falle der Beschlagnahmung der Druckplatten und der Kopien werden von jedem Zuwiederhandelnden 3000 Livres gefordert..." im Ordenssaal. Es war ein Hörgenuss der ganz besonderen Art. "Warum ist so etwas eigentlich fast 300 Jahre in Vergessenheit geraten?", lautete die Frage einer Konzertbesucherin während der Pause. Ihre Wertung: "Es ist toll, dass so ungewöhnliche Kompositionen hier zu hören sind."

Nach der Pause überzeugten Orchester und Sängerin mit der selten gespielten "Cantata Nice" von Niccolò Jommelli. Der große Stimmumfang von Sarah Wegener kam hier in absolut stimmiger Harmonie zum Spiel des Orchesters hervorragend zum Ausdruck.

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte als 18-jähriger im Jahr 1774 seine "Sinfonie Nummer 29 A-Dur KV 201", die als letzte Darbietung beschwingt und heiter die herausragende Spielweise des Orchesters der Ludwigsburger Schlossfestspiele noch einmal unterstrich. Mit der Zugabe von "Chaos" aus "Les Éléments" endete unter langanhaltendem Beifall einer der besonders gelungenen Konzertabende der Saison.

Info
Das Konzert wurde vom SWR aufgezeichnet und wird am 9. August um 13.05 Uhr auf SWR2 gesendet. Weitere Informationen gibt es im Internet.


<span class="externalwebaddresstext">www.schlossfestspiele.de</span>

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