Eine große Portion 1990er-Nostalgie und viel Selbstironie lagen am Dienstagabend beim David-Hasselhoff-Konzert in der MHP Arena Ludwigsburg in der Luft. Fast 30 Jahre, nachdem der amerikanische TV-Star auf der Berliner Mauer „Looking for Freedom“ gesungen hat, scheint der Kult um den singenden Rettungsschwimmer kaum abgeebbt zu sein.

Klar, die MHP Arena hat er an diesem Abend nicht voll bekommen, auf den Rängen blieben viele Plätze leer und auch im Innenraum auf den Stehplätzen musste kein Fan Platzangst haben. Dennoch, die 1500 Zuschauer kamen am Dienstag voll auf ihre Kosten.

Dazu trug vor allem das Publikum selbst einen Großteil bei. Viele erschienen in Verkleidung – als Baywatch-Rettungsschwimmer oder einfach bunt angezogen mit diversen Hasselhoff-Fanartikeln. Die Stimmung war schon vor Konzertbeginn hoch und steigerte sich, als gegen 20 Uhr auf der Leinwand kurze Clips aus den Serien „Baywatch“ und „Knight Rider“, die Hasselhoff in Deutschland berühmt machten, gezeigt wurden.

Kurz nach 20 Uhr betritt dann die Band und mit ihr eine hochaufgeschossene Gestalt in dunkler Jacke die Bühne. Der Mann ist zunächst nur von hinten zu sehen und wird bei einsetzender Musik und Nebelkanonen auf einer Bühne einige Meter in die Höhe gefahren. Nur – es ist gar nicht Hasselhoff. Der hat sich ebenfalls auf einer Bühne am anderen Ende des Innenraums positioniert und beginnt unter großem Beifall des überraschten Publikums die ersten Takte von „Here I go again“ zu singen.

Im Anschluss an das Whitesnake-Cover nimmt Hasselhoff ein Bad in der Menge. Nicht nur aus der Nähe wird deutlich, dass die Zeit auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen ist. Der nach eigenen Angaben trockene Alkoholiker bewegt sich mit 67 nicht mehr so geschmeidig wie einst und während des Konzerts merkt man ihm die Erleichterung an, wenn er sich bei einer langsameren Nummer auf einen Hocker setzen kann.

Tattoo mit Lebensmotto

Das alles schmälert das Gesamtpaket kaum. „The Hoff“, wie er auch genannt wird, liefert an diesem Abend, das was seine Fans erwarten: Eine Party im „Hoff-Style“. Das heißt gute Laune, seine bekannten Hits und eine ganze Reihe von Coverversionen. Das alles immer gespickt mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie. Schon nach wenigen Liedern reißt sich der 67-Jährige das T-Shirt vom Leib und offenbart ein Riesen-Rückentattoo mit seinem Konterfei und dem Spruch „Don’t Hassel the Hoff“ (etwa „ärgere den Hoff nicht“ auf Deutsch).

Auf die Idee käme an diesem Abend niemand. Das Publikum ist verzückt und immer wieder werden „Hasselhoff“-Rufe laut, fast scheint es so, als sei die Musik Nebensache und die Anwesenheit der Kultfigur der wahre Grund für die Freude der Fans.

Hasselhoff, der sich trotz seines überschaubaren Erfolgs als Sänger außerhalb des deutschsprachigen Raums als ernsthaften Musiker sieht, zeigt an diesem Abend vor allem, dass er ein Entertainer ist und großen Spaß am Interpretieren fremder Songs hat. Mit „It’s a real good feeling“ verabschiedet er sich nach einer Stunde in eine halbstündige Pause.

Im zweiten Teil überrascht er Fans seiner alten Platten mit einem Cover des Udo-Jürgens-Songs „Mit 66 Jahren“, das er sogar teilweise auf Deutsch zum Besten gibt. Für den Baywatch-Titelsong schlüpft er nochmal in die alte Jacke mit Rettungsschwimmer-Ausrüstung. Mit meist party- und mitsingtauglichen Hits wie „Sweet Caroline“ von Neil Diamond hält Hasselhoff die Stimmung hoch, allein seine Hommage an das Rat Pack um Frank Sinatra mit „That’s Life“ fällt dürftig aus und will auch nicht so recht ins Programm passen.

Der größte Hit kommt doppelt

Gegen Ende des Konzerts kündigt „The Hoff“ dann an, immer noch auf der Suche nach Freiheit zu sein, und einige Fans antizipieren schon seinen großen Hit, aber stattdessen kommt mit „Heroes“ ein  David-Bowie-Cover mit Luft nach oben. Ganz nah an ihrem Star dürfen einige ausgewählte Besucher (mit besonderen Tickets) dann bei „Do the limbo dance“ sein. Auf der Bühne dürfen sie unter der Stange durchtanzen und den Amerikaner umarmen und abklatschen.

Als Zugabe nach zweieinhalb Stunden kommt Hasselhoff dann in dem Outfit auf die Bühne, das er schon bei seinem berühmten Auftritt auf der Berliner Mauer trug: eine Jacke mit Lichtern und einen Schal in Klaviatur-Optik. Jetzt ist der absolute Höhepunkt erreicht und das Publikum unterstützt den Amerikaner bei seinem Hit „Looking for Freedom“. Der Song kommt so gut an, dass Hasselhoff und seine Band ihn gleich ein zweites Mal spielen müssen, bevor „The Hoff“ sich dann erschöpft vom Publikum verabschiedet.