Etwa 25 Leiharbeiter sind aktuell beim Klinikum Ludwigsburg angestellt, neben Pflegekräften aus dem Ausland. Trotzdem herrscht akuter Notstand in der Pflege. „Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert“, sagt Jörg Martin, der Geschäftsführer der Regionale Kliniken Holding (RKH). Über die Sommerzeit hat das Klinikum zwei Stationen geschlossen; der akute Mangel an Pflegekräften hat damit allerdings nur bedingt zu tun. „Wir reduzieren die Bettenanzahl in den Sommerferien routinemäßig“, sagt Martin. Ausschlaggebend sei die Urlaubszeit. Patienten und Ärzte legen Behandlungen eher selten in die Sommerferien. In diesem Sommer sind die Allgemeine Chirurgie und eine Teilstation der Kinderklinik geschlossen.

Insgesamt bietet das Klinikum etwa 1000 Betten an. Im Sommer vermindert das Krankenhaus die Anzahl üblicherweise um etwa 50 Betten. In diesem Jahr sind noch einmal 30 Betten dazugekommen; es gibt also rund 80 Betten weniger als im restlichen Jahr. Geschehen ist dies laut Martin auch aus Fürsorge, um eine übermäßige Belastung der Mitarbeiter zu verhindern. Infolge der Reduzierung muss das Krankenhaus manche Patienten verlegen, entweder in eines der anderen Häuser der Regionale Kliniken Holding (RKH) oder nach Stuttgart oder Heilbronn. Dabei orientiert sich das Klinikum hauptsächlich an den Wünschen der Patienten, sagt Martin, und stellt klar: Trotz der vorübergehenden Schließung erfüllt das Krankenhaus seinen Versorgungsauftrag, Notfälle werden immer versorgt.

Das Klinikum in Ludwigsburg ist nicht das einzige Krankenhaus, das im Sommer Kapazitäten reduziert. Alexander Tsongas, der Sprecher der RKH-Kliniken, sagt: „In allen Häusern sind Betten oder Stationen vorübergehend geschlossen.“ Die Gründe seien überall dieselben wie in Ludwigsburg. „Zum einen, weil das üblich ist im Sommer, zum anderen, weil es zu wenig Personal gibt.“

Etwas 700 Stellen für Pflegekräfte gibt es im Ludwigsburger Klinikum, 31 Stellen sind momentan unbesetzt. Die 20 Auszubildenden, die das Klinikum nach abgeschlossener Lehre im Oktober allesamt übernehmen will, könnten für eine „leichte Entspannung“ sorgen, hofft der RKH-Geschäftsführer. Darüber hinaus hat das Ludwigsburger Klinikum Maßnahmen ergriffen, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Eine davon ist die Akademisierung der Pflege. So können Auszubildenden ab Herbst dieses Jahres ein ausbildungsintegriertes Bachelorstudium Pflege in Markgröningen absolvieren.

Die RKH, die den Studiengang innerhalb eines Jahres auf die Beine gestellt hat, kooperiert dabei mit einer Privatuniversität in Salzburg. Für das Hochschulstudium, das im Oktober anläuft, haben sich 16 Personen angemeldet. Nach drei Jahren Ausbildung sollen sie im vierten Jahr ihren Bachelorabschluss machen. Zusätzlich bietet die RKH ein berufsbegleitendes Online-Studium für diejenigen an, die bereits eine Ausbildung in einem Pflegeberuf vorweisen können.

15 Bachelorstudenten der Pflegewissenschaft online werden im Herbst anfangen und ihren Hochschulabschluss in drei bis sechs Jahren Regelstudienzeit erlangen. Auf die Akademiker wartet ein höheres Gehalt und mehr Verantwortung, zum Beispiel in Form von komplexeren Fällen, mit denen sie auf der Station betraut werden. Zusätzlich kann sich der Klinikverbund vorstellen, im außereuropäischen Ausland aktiv zu werden. Eine Überlegung ist, Deutschkurse für Pflegekräfte anzubieten, um sie für den Arbeitsalltag in Deutschland vorzubereiten.

 Der Wettbewerb um Fachkräfte im Pflegebereich ist insgesamt hart. Ende vergangenen Jahres sorgte das Stuttgarter Klinikum mit der Ankündigung, Funktionsmitarbeitern vorübergehend übertarifliche Zulagen zu zahlen, für Ärger unter den Krankenhäusern. Die RKH bietet ihren Mitarbeitern unter anderem eine „günstige Privatversicherung“, wie Martin sagt, und Lebens-Arbeitszeitkonten. „Wenn die Mitarbeiter gut eingezahlt haben, können sie nach einiger Zeit für ein paar Monate freinehmen“, sagt Martin.

Ein Problem sieht der Geschäftsführer in der von der Bundespolitik verordneten Personaluntergrenze in der Pflege. „Die macht uns das Leben nicht leichter, weil es momentan einfach zu wenige Pflegekräfte gibt“, sagt Martin. Er stellt sich darauf ein, künftig mit weniger Pflegekräften mehr Patienten versorgen zu müssen. Dafür brauche es vor allem innovative Konzepte; einen guten Personalmix bestehend aus Pflegekräften, Pflegehelfern und medizinischen Fachangestellten, die zusammenarbeiten.