Berufungsverhandlung Kleinkind schwer misshandelt

Ludwigsburg / Von Bernd Winckler 09.08.2018

Zwei Jahre und neun Monate Haft hat bereits das Ludwigsburger Schöffengericht einem 26-jährigen  Angeklagten im April dieses Jahres zudiktiert und ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Misshandlung einer Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Eine Bewährungsstrafe kam wegen der Schwere der Tat und wegen der schweren Verletzungen des Kindes nicht in Betracht.

Rückblick: Der Angeklagte soll laut dem erstinstanzlichen Schuldspruch in seiner Ludwigsburger Wohnung zunächst am frühen Morgen des 18. November 2017  die Lebensgefährtin mittels kräftiger Ohrfeigen misshandelt haben. Daraufhin hatte die junge Frau die Wohnung fluchtartig verlassen und den Mann mit der kleinen Tochter zunächst allein zurück gelassen.

Schläge auf den Kopf

Der habe sich dann aus Wut in „krasser Weise an der damals zweieinhalbjährigen Tochter vergriffen“, indem er zum Beispiel das Kind mit Faustschlägen misshandelt habe. Festgestellt hat das Gericht drei kräftige Schläge auf Kopf und Körper der Zweieinhalbjährigen, mit der Folge schwerwiegender Verletzungen und Hämatomen am Torax sowie mehreren Prellungen, die von Ärzten des Ludwigsburger Klinikums als lebensgefährlich eingestuft wurden. Die Kindesmutter kehrte zurück in die Wohnung, fand ihre Tochter schwer verletzt auf der Couch liegend und brachte sie ins Krankenhaus. Dort wurde das Kind stationär drei Wochen lang behandelt – und habe jetzt einen Hörschaden, wie die 30-jährige Mutter im Zeugenstand beim Landgericht Stuttgart erklärte.

Der Angeklagte gab damals pauschal die vorgeworfenen Misshandlungen zu und beantragte eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann, machte aber zum Tatvorwurf selbst keine Angaben. Doch zu seinem Strafmilderungsantrag macht ihm die Anklägerin zusammen mit der Nebenklage mit dem Antrag, die Sache an das Schwurgericht abzugeben, vorerst einen Strich durch diese Rechnung. Die 36. Strafkammer am Stuttgarter Landgericht, die den Fall seit Mittwoch nun neu verhandelt, wird im Laufe dieses, auf mehrere Tage terminierten, Prozesses zu entscheiden haben, ob anhand der Verletzungen des Mädchens und den Verletzungsfolgen tatsächlich von einem versuchten Totschlag ausgegangen werden kann.

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