Schwerpunkt Frauentag Kinderlieb und schreibbegabt

Die Kinderbuchautorin Tony Schumacher und ihr Ehemann Hofrat Karl Friedrich Schumacher auf einem Foto um 1910. 
Die Kinderbuchautorin Tony Schumacher und ihr Ehemann Hofrat Karl Friedrich Schumacher auf einem Foto um 1910.  © Foto: Stadtarchiv Ludwigsburg
Von Ifigenia Stogios 08.03.2018

Der Frauentag ist ein guter Anlass mehr über weibliche historische Persönlichketien aus dem Landkreis zu erfahren, die etwas besonderes bewirkt haben. Ein Beispiel hierfür ist die Kinderbuchautorin Tony Schuhmacher. Dank des Stadtarchivs Ludwigsburg kommen unbekannte Seiten ihres Lebens ans Licht.

Tony Schumacher wurde als Antonie Louise Christiane Marie Sophie von Baur-Breitenfeld 1848 im Palais Grävenitz (heute Marstallstraße 5) in Ludwigsburg geboren. Die Autorin verbrachte ihre Kindheit und Jugend sowie den letzten Abschnitt ihres Lebens in Ludwigsburg.

Rund 60 Bücher geschrieben

Tony Schumacher war eine der bekanntesten Autorinnen der Jahrhundertwende, auch wenn sie sich erst mit über 40 Jahren dem Schreiben intensiv widmete. Ihr Werk umfasst beinahe 60 Bücher, darunter zahlreiche Autobiographien sowie Ratgeberliteratur. Ihre Kindheitserinnerungen an Ludwigsburg bewahrte die Schriftstellerin in Büchern wie „Mein Kindheitsparadies, Erinnerungen an meine Vaterstadt“ oder „Was ich als Kind erlebt“. Ihre schulische Bildung erhielt Tony Schumacher durch Privatlehrer.

Tugenden ihrer Zeit wie etwa  Pflichtbewusstsein, Gehorsamkeit und christliche Nächstenliebe kommen überwiegend in ihren Büchern vor. Protagonisten ihrer Geschichten sind meistens  kranke, unbeschützte und einsame Kinder – meist Mädchen – deren Schicksal sich schließlich zum Guten wendet. Der Kampf zwischen Gutem und Bösem ist in ihren Geschichten deutlich zu spüren. Die Kindheit erscheint in Schumachers Romanen als Familienidylle.

Schuhmacher war aber nicht nur Autorin, sie war auch begeisterte Künstlerin. Ihre Zeichnungen, vorwiegend Bleistiftskizzen und Aquarelle, sind jedoch nicht so bekannt. Den größten Bekanntheitsgrad erreichte sie durch ihre Kinderbücher, von denen einige auch als Fortsetzungsromane erschienen.

Bis zur heutigen Zeit bleiben die Geschichten von Schumacher nicht unbeachtet, was sich auch durch die Verfilmung von drei ihrer bekanntesten Romane in den 80er Jahren zeigt. „Turmengele“, „Reserl am Hofe“ und „Zirkuskinder“ wurden teilweise an Ludwigsburger Schauplätzen gedreht.

Fröhliche Kindheit

Schuhmacher verbrachte eine unbeschwerte Kindheit. Ihr Vater, Oberst Fidel Karl Friedrich von Baur-Breitenfeld, wurde Gouverneur von Ludwigsburg. Schumachers Großonkel war der Dichter Justinus von Kerner, der ebenso wie sie Ludwigsburg in seinem Werk literarisch verarbeitete. Im Krieg 1870/1871 hatte sie mit weiteren Frauen verwundete Soldaten gepflegt.

Ihre Hochzeit mit dem Geheimen Hofrat Karl Friedrich Schumacher im Jahr 1875 wurde in der Ludwigsburger Garnisonkirche am Marktplatz gefeiert, dann verließ das Ehepaar Ludwigsburg und zog nach Stuttgart. Was die Eheleute bedrückte, war, dass sie kinderlos blieben. Dennoch führten sie eine glückliche Ehe. Die Sehnsucht nach einem eigenen Kind könnte eine Erklärung für ihre Hinwendung zur Kinder- und Jugendliteratur gedeutet werden.

Im Jahr 1915 starb Karl Friedrich und die Autorin lebte noch acht weitere Jahre als Witwe in Stuttgart. Erst 1923 zog sie wieder nach Ludwigsburg, dieses Mal in die Wernersche Kinderheilanstalt. Dort fand sie eine Wohnung und half bei der Betreuung von Kindern mit. Auch im hohen Alter war es ihr ein wichtiges Anliegen, sich intensiv mit Kindern zu beschäftigen.

Tassen, Puppen und Krippen

Eine weitere Eigenschaft von ihr war ihre Sammelleidenschaft. Neben Tassen sammelte sie vor allem Puppen und Weihnachtskrippen. Ein Großteil der Puppensammlung wurde bei einem Brand 1931 zerstört, doch noch immer kann man einige von Schumacher besonders geschätzte Puppen im Ludwigsburger MIK bewundern. Eine von ihren zahlreichen Weihnachtskrippen befindet sich heute in der Ludwigsburger Karlshöhe.

Die Begeisterung für Weihnachtskrippen wird aus der Beschäftigung mit den Passionsfestspielen von Oberammergau hervorgegangen sein, zu denen Tony Schumacher Aufführungstexte beisteuerte. 1931 verstarb Tony Schumacher in Ludwigsburg ganz plötzlich während eines Stadtspaziergangs. Sie wurde auf dem Pragfriedhof in Stuttgart begraben.

Der Nachlass von Tony Schumacher befindet sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, Zeichnungen, Handschriften und Möbel im Ludwigsburg Museum. Vor kurzem wurde dem Stadtarchiv Ludwigsburg eine kleine Sammlung von Briefen und Postkarten Tony Schumachers aus den Jahren 1904-1928 geschenkt.