Ludwigsburg Keine Antwort von Ministerin

Das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg bangt um die finanzielle Förderung. Eine Antwort von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut dazu steht noch aus.
Das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg bangt um die finanzielle Förderung. Eine Antwort von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut dazu steht noch aus. © Foto: Inga Stoll
Ludwigsburg / Günther Jungnickl 09.11.2016

Vor sechs Wochen  hat der Vorstand des Ludwigsburger Arbeitslosenzentrums (ALZ)  einen Brief wegen  finanzieller Förderung an Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) geschrieben. Doch bisher hat Geschäftsführer Martin Zahner noch nicht einmal eine Bestätigung bekommen, ob das Schreiben überhaupt in Stuttgart angekommen ist. Geschweige denn eine Auskunft darüber, ob die Ludwigsburger auch im kommenden Jahr wieder mit 40.000 Euro Landesförderung rechnen können.

Denn damit finanziert der unabhängige Verein seine diplomierte  Sozialarbeiterin Anne Jeziorski, die allein die Beratungsarbeit für Arbeitslose zu leisten hat. Und die nimmt trotz Hochkonjunktur ständig zu: Allein 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent. Der Grund laut Zahner: „Die Fälle werden immer komplexer.“

 Es gehe vor allem bei Langzeitarbeitslosen nicht nur ums Geld, sondern auch ums Wohnen, Krankheiten, psychische Probleme. Waren im Jahr 2013 noch 2399 Beratungen nötig, kletterte ihre Zahl 2015 bereits auf 4255. Jeziorski geriet an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und hat deshalb jetzt das neue Vorstandsmitglied Marina Cee (eine ehemlige Betriebsratsvorsitzende) zur Seite gestellt bekommen, die ihr ehrenamtlich zuarbeitet.

Der stellvertretende Vorsitzende Werner Hillenbrand  hat sich sein halbes Leben für Arbeitslose gesorgt und ist trotzdem Optimist geblieben. „Wir haben immer kämpfen müssen und werden das auch jetzt  tun“, verspricht der ehemalige Ludwigsburger Bezirksvorsitzende der IG Metall, der 1983 den Verein Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg mitbegründet hat.

Die Stadt stellt das Haus in der Mathildenstraße kostenlos zur Verfügung, sodass das ALZ zumindest eine Anlaufstelle für Arbeitslose hatte, von denen seit den 1970er-Jahren vor allem Jugendliche zählten.  1985 konnte  noch die Genossenschaft „Freie Hilfe“ gegründet werden, mit deren Hilfe Arbeitslose unter Anleitung von Fachleuten Holzspielzeug herstellten, bei Umzügen helfen oder Renovierungsarbeiten leisten konnten. Doch als die Filmakademie auf dem Nachbarareal gebaut werden sollte, kündigte die Stadt dem ALZ die Räume.

„Wir waren da wohl nur noch ein störendes Element“, sagt Hillenbrand heute. Also bezog der Verein Räume des „Schlachthofs“ in der Hofer Straße 4, renovierte sie und auch die Genossenschaft arbeitete unverdrossen weiter. Der letzte Umzug erfolgte 2002 in das heutige Domizil in der Hofer Straße 8, in einen ehemaligen Metzgerladen. „Der war zwar kleiner, aber wir bekamen nun auch wieder Laufkundschaft“, sagt Geschäftsführer Zahner, der im Hauptberuf Betriebsseelsorger der katholischen Kirche ist.

2005 ereilte das ALZ erneut Ungemach. Die Genossenschaft musste Konkurs anmelden. „Wir hatten keine Rücklagen angesammelt“, gestand Mitbegründer Hillenbrand.

Schon deshalb hofft man im Ludwigsburger ALZ nun, dass das von der Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten des „Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung“ (IAW) über die Landesförderung der insgesamt zwölf Arbeitslosenzentren Baden-Württembergs günstig ausfällt und rechtzeitig entschieden wird. Wenn nicht, müsste Sozialarbeiterin Anne Jeziorski ihre Beratungstätigkeit einstellen und entlassen werden.