Für Schlagzeilen sorgte im Sommer die Nachricht, in Leipzig gebe es ein Schweinefleisch-Verbot an Kitas. Tatsächlich handelte es sich nicht um ein Verbot. Die Verwaltung hatte aus Rücksicht auf muslimische Kinder lediglich Schweinefleisch vom Speiseplan nehmen lassen. Die Aufregung war trotzdem groß.  Doch das Thema Essen an Kindertagesstätten erscheint vielschichtiger. Eine Umfrage zeigt: Einige Kitas setzen beim Essen auf Vielfalt – aber nicht nur aus Rücksicht auf Muslime, sondern auch mit Blick auf die Wünsche der Eltern, Unverträglichkeiten und Herkunft der Lebensmittel.

In Bietigheim-Bissingen ist das Thema Schweinefleisch in Kindertageseinrichtungen nach Auskunft der Stadtverwaltung schon seit Jahren kein Thema mehr. Die Verpflegung orientiere sich an dem, was von den Eltern mehrheitlich gewünscht werde, teilt die Sprecherin der Stadtverwaltung, Anette Hochmuth, auf Anfrage mit. Vor Jahren habe sich schon abgezeichnet, dass beim Essen, was Fleisch betrifft, vor allem Huhn, Pute und ab und zu Rindfleisch gewünscht würden. Schweinefleisch sei hingegen „aus den unterschiedlichsten persönlichen Gründen“ eher weniger gefragt. Daher sei die Verpflegung in dieser Richtung eingestellt worden. „Es soll den Kindern ja auch schmecken“, so Hochmuth. Zugleich sei es nicht möglich, jedem Kind individuelle Angebote zu unterbreiten.

In den Kitas in Ludwigsburg gibt es generell zwei verschiedene Gerichte, zwischen denen die Kinder wählen können. „Eines der Gerichte ist immer vegetarisch, das andere mit Fleisch“, sagt Susanne Jenne von der Stadt Ludwigsburg. In letzterem kann laut Jenne durchaus auch Schweinefleisch enthalten sein. „Es gibt Schwein, Hühnchen und Rind im Wechsel“, sagt sie.

In Besigheim beliefert das Robert-Breuning-Stift die Kindertagesstätten mit Essen. Dort hat man vor einiger Zeit das Schweinefleisch ganz von der Speisekarte genommen, berichtet Andrea Göbel, die Gesamtleiterin der städtischen Kitas. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die Nachfrage war insgesamt sehr gering. Eltern können das Essen in Besigheim vorbestellen. Stand Schweinefleisch bisher auf der Karte, war immer ein Ersatz angeboten, um den muslimischen Kindern ein Angebot zu machen. Doch immer mehr Eltern kreuzten Rindfleisch oder Geflügel als Alternative an, der Wunsch nach Schweinefleisch war sehr überschaubar.

Beate Ramminger-Guderlei vom Ernährungszentrum Mittlerer Neckar, das dem Landratsamt untersteht, sagt auf BZ-Anfrage: „Gegen den Verzehr von Schweinefleisch in Kitas spricht nicht mehr oder weniger als etwa gegen Rindfleisch. Das Ernährungszentrum des Landratsamts empfiehlt eine ausgewogene Ernährung nach den DGE-Standards. Dazu gehörte auch bei Kindern höchstens zwei Mal die Woche Fleisch auf dem Teller.“ Durch eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Milchprodukten erhielten Kinder genügend Eiweiß. „Kitas verbannen Schweinefleisch von ihrem Speiseplan vermutlich wegen muslimischer Kinder. Unter logistischen Aspekten ist es unproblematischer, Huhn oder Rindfleisch anzubieten“, so Ramminger-Guderlei weiter.

Generell sei Schweinefleisch auf dem Rückzug in Kitas, sagt Rolf Hoppe vom Verband Deutscher Schul- und Kitacaterer. „Für den Preis von drei bis vier Euro kann man kein Fleisch aus guter Tierhaltung bekommen.“ Sein Verband setze sich für regionale Lebensmittel und Transparenz bei der Herstellung ein. „Vermehrt wollen Eltern vegetarisches Essen für ihre Kinder – das ist definitiv der Trend.“

Keine Vorgaben in Sachen Schweinefleisch an Kitas macht das Land. Die Speisepläne seien Sache der Kitas und deren Träger, betont Isabel Kling, Pressesprecherin des Landwirtschaftsministeriums.

Fragen zum Essen sollten zwischen Kita-Leitung und Elternbeirat so geregelt werden, dass es nicht zu diskriminierenden, aber trotzdem noch wohlschmeckenden Speisen kommt, teilt Kristina Fabijancic-Müller, Sprecherin des Gemeindetages, mit. Meistens gebe es in den Kitas ein vegetarisches und ein Gericht mit Fleisch – so könnte man das Thema Schweinefleisch einfach klären.

Das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung genau


Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist Ziel eines gesundheitsfördernden Angebotes in einer Kita die ausreichende Versorgung der Kinder mit Nährstoffen, um damit einen Beitrag zur Erhaltung von Gesundheit und zur optimalen körperlichen und geistigen Entwicklung zu leisten.

Bei klugem Einsatz und Kombination von Lebensmitteln aus den verschiedenen Lebensmittelgruppen werde der Nährstoffbedarf eines gesunden Kindes zwischen zwei und sieben Jahren für die Mittagsmahlzeit im Wochendurchschnitt gedeckt. Dazu gehört laut Empfehlung der DGE maximal zweimal die Woche mageres Wurst und Fleisch anzubieten, dazu zählt die DGE aber auch Fisch.

Fleisch liefere wichtige Nährstoffe wie Proteine, B-Vitamine, Eisen und Zink, enthalte aber auch unerwünschte Begleitstoffe wie Fett, Cholesterol und Purine. Fische, vor allem Fettfische, enthalten neben hochwertigem Protein lebenswichtige Omega-3-Fettsäuren. Seefisch liefert zudem noch Jod, welches für die Schilddrüsenfunktion unerlässlich ist.

Seit ihrer Gründung 1953 beschäftigt sich die DGE mit allen auf dem Gebiet der Ernährung auftretenden Fragen. bz