Ludwigsburg Kampf um den Nachwuchs im Musiksegment

Ludwigsburg / Uwe Roth 28.06.2018

Die Jugendmusikschule Ludwigsburg pflegt inzwischen im Bildungsbereich zahlreiche Partnerschaften in Ludwigsburg, Möglingen und Asperg. So geben Lehrkräfte des Vereins Unterricht in allgemeinbildenden Schulen. Darüber hinaus bekommen 1300 Kinder in Kindergärten und Grundschulen eine vierjährige musikalische Grundbildung.

Das Frühförderprogramm nennt sich „MusikImpulse“ und wird von der Porsche AG großzügig gefördert. Während die Jugendmusikschule mit schulischen Einrichtungen gut vernetzt ist, herrscht zu den Musikvereinen der Stadt ein teilweise zwiespältiges Verhältnis. Das zumindest deutete die geschäftsführende Schulleiterin Christiane Schützer bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag im Kulturausschuss des Gemeinderats an. Es gebe zwar vereinzelte Kooperationen und Gespräche, aber es sei ebenso Distanz zu spüren, sagte die Musikpädagogin. Unterschiede gebe es zudem in den musikpädagogischen Ansätzen der Lehrenden, die eine Kooperation nicht erleichtere, so Schützer. Gleichzeitig betonte sie aber, dass sich ihre Einrichtung nicht als Konkurrenz zu den Musikvereinen empfinde.

Wettbewerb um Nachwuchs

Die Reaktion des CDU-Gemeinderats Wilfried Link zeigte, dass dieser Verdacht wohl nicht unbegründet ist. Link sagte, dass manche Vereine die Jugendmusikschule durchaus als Wettbewerber um die Gunst des Musikernachwuchses empfänden. Kinder und Jugendliche, die dort ihre Ausbildung an einem Instrument oder in Gesang erhielten, seien später für die klassische Vereinsarbeit nicht mehr zu gewinnen. Außerdem nähmen die ganztägigen Betreuungsangebote der allgemeinbildenden Schulen immer mehr Raum ein. „Die Kinder haben nur einmal am Tag Zeit für Musik“, so Link. Um flexibel zu bleiben, entschieden sich die Eltern im Zweifel für die zumeist teurere Jugendmusikschule. Die Vereine haben das Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden“, berichtete der CDU-Rat.

Keine Grunddiskussion

Oberbürgermeister Werner Spec wollte jedoch keine Grundsatzdebatte zulassen und kündigte „eine grundlegende Beratung für den Herbst“ an. Die Diskussion ist schwierig, denn die Stadt will beiden Seiten gerecht werden. In der Jugendmusikschule werden aktuell etwa 3100 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Dafür zahlt die Stadt jährlich 821 000 Euro an den Verein. Ein Viertel des Betrags ist der Mietzuschuss für die Nutzung der Räumlichkeiten in der Karlskaserne. „Wirtschaftlich gesehen war 2017 ein stabiles und gesundes Jahr, das die Jugendmusikschule Ludwigsburg in neuer bilanzierender Betrachtungsweise mit positivem Jahresergebnis von 5400 Euro abschließen konnte,“ heißt es zur Einnahmenseite im Jahresbericht. Die Jugendmusikschule ist neben den Schlossfestspielen eine der ältesten Kultureinrichtungen der Stadt. Im kommenden Jahr feiert die Einrichtung ihr 50-jähriges Bestehen. „Dieses Jubiläum wollen wir angemessen feiern und freuen uns auf ein festliches musikalisches Jahr, das die Vergangenheit würdigt und der musikalischen Ausbildung in Ludwigsburg eine gute, erfolgreiche Zukunft schenkt“, kündigte die Schulleiterin an. Eine Woche sollen die Feierlichkeiten dauern. Unter anderem werden die Unterrichtsstunden öffentlich sein. Um das Jubiläum zu finanzieren, wünscht sich der Verein ein Geldgeschenk von 5000 Euro. Insgesamt sollen die Feierlichkeiten 10 000 Euro kosten.

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