Ehrung Kämpferin für Frauenrechte erhält Ehrung

Monika Barz auf der Verleihung der Bundesverdienstkreuzes. Sie kämpft bereits seit Ende der 60er-Jahre für die Emanzipation lesbischer Frauen.
Monika Barz auf der Verleihung der Bundesverdienstkreuzes. Sie kämpft bereits seit Ende der 60er-Jahre für die Emanzipation lesbischer Frauen. © Foto: Monika Barz
Von Ifigenia Stogios 24.05.2018

Ich habe mich sehr über das Bundesverdienstkreuz gefreut und habe es gern angenommen“, sagt Monika Barz. Sie ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und die nicht blind alle Normen akzeptierte, die sie vorgefunden hatte. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und kämpft für die Rechte lesbischer Frauen.

Schon Ende der 60er-Jahre sah sie die Notwendigkeit zu rebellieren. Es war die Zeit, in der die Frauenbewegung geboren wurde „in der ich glücklicherweise geboren bin“, sagt die 65-Jährige.

„Ich konnte nicht akzeptieren, dass meine Mutter nicht erwerbstätig sein durfte, ohne meinen Vater zu fragen, dass ich nicht zu den Pfadfindern durfte und ich mich nicht so kleiden durfte, wie ich es wollte.“

Während ihrer Studentenzeit begann sie sich für Frauen stark zu machen, nahm an Demonstrationen teil, wurde Gründungsmitglied des Frauenhauses in Tübingen. „Ich war schockiert, als ich von dieser Gewalt an Frauen erfuhr“, sagt sie.

„Es war eine spannende Zeit, denn die Gründungsmitglieder mussten zum Gemeinderat gehen und argumentieren“, blickt sie zurück. Ihnen wurde damals vorgeworfen „wir würden die Ehe zerstören“.

Neben häuslicher Gewalt hat sie sich als Studentin gegen die Strafbarkeit der Frauen (Fristenregelung), im Fall eines Schwangerschaftsabbruchs, eingesetzt. Das seien eigentlich Themen, die sie als Homosexuelle nicht tangierten, aber sie sei schon immer Feministin gewesen, sagt sie.

1983 hatte sie ihre erste kirchliche Anstellung an der Evangelischen Heimvolkshochschule in Loccum, Niedersachsen. Bis dahin sprach sie noch nicht offen über ihre Sexualität. „Für diese Stelle habe ich mich nicht als Lesbe vorgestellt, für die Kirche war es aber schon schlimm genug, dass ich mich für Frauen stark engagiert habe“, sagt sie.

1985 initiierte sie Lesbentagungen in Bad Boll. Zwei Jahre später erschien ihr Buch mit anonymen Lebensberichten lesbischer Frauen unter dem Titel „Hättest Du gedacht, dass wir so viele sind? Lesbische Frauen in der Kirche“. Ein mutiger Schritt ins Ungewisse. Ihre Kollegen reagieren positiv, sagen ihr, sie seien stolz auf sie. Die Tagungen finden weiterhin statt. Noch immer gebe es Frauen, die dort völlig beängstigt ankommen, sagt sie.

Ihr Einsatz für Frauen reicht bis zur heutigen Zeit. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerks LSBTTIQ. Dieses macht sich für die Akzeptanz und für die Vielfalt der Geschlechter stark. Sie ist zudem Mitbegründerin der bundesweiten Dachkampagne RotlichtAus, die 2016 vom Landesfrauenrat Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Verein Sisters für den Ausstieg aus der Prostitution initiiert wurde. Außerdem ist Mitglied des Vorstandteams des Landesfrauenrats. „Die Selbstverständlichkeit,  Frauen als Ware wahrzunehmen, hat zugenommen.“ Zwar habe sich einiges verbessert, doch „ich finde es unwürdig wie Frauen weiterhin für ihre Rechte kämpfen müssen.“

Ludwigsburg ist für Barz eine Stadt, in der ihr langjähriger Arbeitsplatz war. An der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg lehrte sie von 1993 bis 2016 im Bereich „Theorie und Praxis Sozialer Arbeit mit Mädchen und Frauen“. „Ich habe noch engen Kontakt zu Kollegen und Studierenden“. Sie organisiert weiterhin Fachveranstaltungen, hat Forschungsprojekte am Laufen.

Auch wenn sie 2016 alle Ämter abgab, ist sie weiterhin aktiv. „Für mich war es sehr wichtig, mein Ego nicht ständig durch Ämter aufzupäppeln“. Sie wollte einmal „die Leere spüren“.

Doch das kann noch warten. Durch ihr vielfältiges Engagement hat sie nämlich weiterhin einiges zu tun, wenn sie nicht Golf spielt oder meditiert.

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