MENSCHENRECHTE Kämpfen wie eine Löwin

Die Anwältin Alice Nkom setzt sich seit zwölf Jahren für die Rechte von Schulen und Lesben ein.
Die Anwältin Alice Nkom setzt sich seit zwölf Jahren für die Rechte von Schulen und Lesben ein. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / RÜDIGER RÜSTER 05.06.2015
In dem afrikanischen Staat Kamerun werden Schwulen und Lesben noch verfolgt und bestraft. Die schwarze Anwältin Alice Nkom setzt sich seit zwölf Jahren für deren Rechte ein.

Alice Nkom ist eine imposante Persönlichkeit, nicht nur wegen ihres rot-gelben langen Kleides, des kunstvoll geknoteten Kopftuchs und des bunten Schmucks an Hals und Handgelenken. Wenn die 70-Jährige über eklatante Verstöße gegen die Menschenrechte in Kamerun spricht, dann blitzen ihre Augen hinter der dunkel gerahmten Brille auf. Die Menschenrechtlerin ist derzeit auf Tour in Europa. Am Dienstag berichtete sie auf Einladung des Asta der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg und Amnesty International in der Aula der PH über ihre Arbeit.

Ihr Engagement für sexuelle Minderheiten begann im Jahr 2003, als sie von Freunden, die in Paris lebten, Besuch bekam. "Meine homosexuellen Gäste verhielten sich wie in Frankreich und fielen dadurch in Kamerun auf", so die Menschenrechtlerin. Schnell wurde ihr "von oben" bedeutet, dass Homosexuelle nichts in Kamerun zu suchen hätten und dass Homosexualität unter Strafe - bis zu fünf Jahre Gefängnis - gestellt sei.

Dieses Schlüsselerlebnis trug dazu bei, dass Alice Nkom noch im selben Jahr die Organisation ADEFHO (Association pour la Défense des Droits des Homosexuel(le)s) gründete. Die Vereinigung hat sich zur Aufgabe gemacht, sich öffentlich für den Schutz und die Rechte von Lesben, Schwulen und Bisexuellen einzusetzen.

Seither lebt die Anwältin in einem ständigen Kampf. Gegen Behörden, Kirche und Politik. Es sei "ein Kampf David gegen Goliath", so die Mutter zweier Kinder.

Knüppel wollte man ihr schon bei der Gründung ihrer Organisation zwischen die Beine werfen. An wenigen Beispielen erläuterte die engagierte Menschenrechtlerin, wie widersprüchlich Staat und Kirche agieren. So habe der Präsident des Landes zwar öffentlich erklärt, sexuelle Orientierung sei Privatangelegenheit. Doch nach diesen Äußerungen habe eine "wahre Hexenjagd auf Homosexuelle" begonnen und die Zahl der Verhaftungen auf das Dreifache gestiegen.

Dabei habe sich Kamerun der Charta der Menschenrechte unterworfen, aber dennoch einen Artikel im Strafgesetzbuch stehen, der Homosexualität unter Strafe stelle, so die Menschenrechtlerin.

Dubios verhalte sich auch die Kirche. Konfrontiert mit den Worten von Papst Franziskus "Wer bin ich, einen Homosexuellen zu verurteilen", habe ein Kameruner Bischof gesagt: "Wir haben nichts gegen Homosexuelle, aber gegen Homosexualität."

Alice Nkom: "Der Hass auf Homosexuelle ist mit Religiosität nicht zu vereinbaren. Auch Schwule und Lesben sind Geschöpfe Gottes."

Die engagierte Kamerunerin will sich auch in Zukunft nicht beirren lassen. Bisher hat sie nach Aussagen von Amnestie International in mehr als 50 Gerichtsverfahren mitgewirkt.

Diese Arbeit setzen Alice Nkom und ihre Helfer immer wieder selbst Bedrohungen und Gefängnisstrafen aus. Einschüchtern lässt sich die engagierte Menschenrechtlerin dadurch nicht. "Kameruns Schwulen und Lesben sind meine Kinder". Bis ans Ende ihrer Tage werde sie wie eine Löwin für ihre Rechte kämpfen.

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