Mit dem Fahrrad zur Schule oder als Pendler zum Bahnhof? Ob aus ökologischer Sicht oder um den Verkehr zu umschiffen, das Rad kann eine Alternative zum Auto sein. Wie viele Fahrradfahrer in der Barockstadt unterwegs sind, möchte die Stadt Ludwigsburg nun mit einer Fahrradzählstelle feststellen, die am Donnerstag in Anwesenheit des Baubürgermeisters Michael Ilk eingeweiht wurde. Das installierte „Rad-Barometer“ der Firma Eco Counter in der Alleenstraße, auf Höhe der Alleesporthalle, soll Zahlenmaterial zur Nutzung des Rads in Ludwigsburg liefern.

Diese Idee ist nicht neu. Fahrradstädte wie Tübingen und Hamburg, aber auch das nahegelegene Stuttgart, haben bereits Fahrradzähler. In Stuttgart stehen zwei Säulen, die erste wurde im Juli 2012 und die zweite im Dezember 2013 aufgestellt.

Zähler erfasst Radler

Wozu das Ganze? Die Radfahrer werden erfasst, wenn sie über eine in den Radweg eingelassene Induktionsschleife, die ein Magnetfeld erzeugt, fahren. Da viele Bauteile des Fahrrads aus Metall sind, werden die Magnetfeldlinien beim Überfahren der Schleife verändert. Das Fahrradbarometer analysiert diese Änderung und speichert sie als Zählimpuls.

„Die Daten, die dabei erfasst werden, geben Informationen über die Fahrradfahrer“, sagt Susanne Jenne, Sprecherin der Stadt Ludwigsburg. Dadurch kann ermittelt werden, wie viele Radfahrer, wann unterwegs sind.

„Es kann auch geklärt werden, ob neue Fahrradwege etwas verändern“, sagt Jenne. Gekostet habe die Installation 30 000 Euro.

Die Stuttgarter Zählstände können online eingesehen werden – die ermittelten Zahlen des Vortags und die Jahresgesamtzahl sind so für Jedermann zugänglich. Bisher gibt es diese Funktion in Ludwigsburg noch nicht, denn die Säule in der Alleenstraße ist die erste ihrer Art. Laut Baubürgermeister Michael Ilk soll das Projekt erst einmal beobachtet werden. Er könne sich aber gut vorstellen, dass die Zählungen veröffentlicht werden.

Das Rad-Barometer wurde nicht zufällig am jetzigen Ort aufgestellt. Die Platzierung am Schulcampus habe laut Ilk Symbolcharakter. „Es sind noch weitere Zählschleifen geplant, allerdings nicht überall optisch auffällig“, so Ilk. Die Marbacher Straße etwa soll mit eingelassenen Schleifen ausgestattet werden. „Das wird auf Radstraßen zum Standard“, sagt der Baubürgermeister. Die Daten, die ermittelt werden, finden dann über eine Funkverbindung ihren Weg ins Amt für Tiefbau und Grünflächen. „Von dort aus wird das Zahlenmaterial an uns und auch an die Planer weitergeleitet“, sagt der Baubürgermeister.

Die investierte Summe sei gerechtfertigt, denn die Zählungen geben Planungssicherheit, sagt Ilk. In diesem Jahr wurde die Alleenstraße zur Fahrradstraße erklärt. Nun soll geklärt werden, ob sie durchgehend Fahrradstraße bleibt oder ob sie in den Schulferien für den motorisierten Verkehr freigegeben wird. Um dies zu ermitteln, wurden bisher bereits Zählungen durchgeführt, allerdings nur einmal in der Woche. „Da kamen Zufälligkeiten ins Spiel, und es war kaum repräsentativ. Das Barometer zählt jetzt immer“, sagt Ilk im Gespräch mit der BZ.

Fahrradstraße etablieren

Um die Alleenstraße als Fahrradstraße besser kenntlich zu machen, sollen, wenn die Zählungen des Barometers es bestätigen, bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Das Aussehen soll durch Entfernen der noch vorhandenen seitlichen Fahrradwege angepasst werden, auch die Beschilderung soll auffälliger werden. „Es muss dann auch besser an die Öffentlichkeit kommuniziert werden“, sagt Ilk. Bisher höre er aus den Schulen, dass Autofahrer die Radler durch Hupen bedrängen. In einer Fahrradstraße haben Radfahrer allerdings Vorrang und dürfen offiziell nebeneinander fahren. „Es muss Aufklärungsarbeit geleistet werden“, sagt Ilk.