Es war ein spannendes Jahr für mich“, sagt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht am Jahresende im Gespräch mit der BZ. „Wenn Sie mich im Januar 2019 gefragt hätten, wohin es geht, dann wäre ich der Meinung gewesen, ich bin weiterhin Dekan in Kempten und das auch die nächsten drei Jahre“, sagt Knecht und lacht.

Für ihn persönlich sei es ein extrem gutes Jahr gewesen. „Ich glaube auch, dass es für die Stadt Ludwigsburg ein gutes Jahr war“, ist die Gesamtbilanz des Rathauschefs. Seit September gebe es eine neue Ausrichtung in der Barockstadt, mehr Miteinander habe sich entwickelt, „in der Stadtverwaltung, im Gemeinderat, aber auch in die Bürgerschaft hinein.“ Auch für seinen Vorgänger Werner Spec hat Knecht lobende Worte: „Es ist viel Gutes auf den Weg gebracht worden.“

Im Bereich Bildung und Betreuung, allem voran in Schulen sieht Knecht die wichtigsten Investitionen des Jahres 2019. Die Friedrich-von-Keller-Schule in Neckarweihingen, das Goethe-Gymnasium in der Stadtmitte, die Fuchshofschule im Osten sowie die August-Lämmle-Schule in Oßweil zählt der OB auf. Das seien Investitionen, die noch nicht so große Summen verschlungen hätten, sondern erst einmal planerisch zu Buche schlugen „und in den nächsten Jahren unseren Haushalt sehr bewegen werden.“ Als wichtige Punkte sieht der Rathauschef die digitale Verkehrssteuerung sowie das Stadtticket zur Steigerung der Attraktivität des ÖPNV, für das Ludwigsburg Modellstadt war. Im Januar wird es in mehr als 20 weiteren Kommunen eingeführt.

„Die Haushaltslage zum Jahresende ist immer noch überraschend gut, da die Gewerbesteuereinnahmen weiterhin leicht angestiegen sind.“ Und doch merke man, dass sie kurz vor der Stagnation stehen. „Insgesamt ist der Haushalt stabil, wenn wir im Rahmen dessen bleiben, was wir geplant haben.“ Völlig ausschließen will er trotzdem nicht, dass die Grund- und Gewerbesteuer in den nächsten Jahren erhöht werden muss. „2020 ist das noch nicht nötig.“ Knecht freue sich, dass keine Zuschusskürzungen im Bereich Sport und Kultur gemacht werden mussten. „Man würde jeden Euro, den man an dieser Stelle einspart, dreifach negativ spüren.“

Die Aussichten für 2020? Sehr optimistisch ist der OB, zumindest was die strategische Ausrichtung anbelangt. Viele Projekte stünden an, gerade im Bereich Mobilität, etwa Busspuren und Tempolimits, die helfen sollen, Dieselfahrverbote zu verhindern. Aber auch die gute Stimmung in der Stadt stimme ihn positiv. Wichtig sei nun, aufzupassen, dass die Situation nicht kippe. Einzelhandel und Gastronomie sollen beispielsweise die Erhöhung der Parkgebühren nicht als falsches Signal verstehen. „Wir haben noch viel vor und wollen uns mit LUIS und der Wirtschaftsförderung zusammensetzen, um miteinander in die Zukunft zu gehen.“ Wichtig ist ihm 2020 auch, den „gesellschaftlichen Kitt zu pflegen, um ein Auseinanderdriften derer zu vermeiden, die sich etwas leisten oder nicht mehr leisten können.“

Als wichtige anstehende Projekte nennt Knecht Grünbühl-Living, ehemals BImA-Areal, wo die Stadt gemeinsam mit der Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH „ganz konkret neue Wohnungen schafft.“ 2020 ist zudem Baubeginn der lang geplanten und viel diskutierten Fuchshofschule sowie zu einem späteren Zeitpunkt auch der Sporthalle Ost. Als wichtiges Projekt sieht Knecht die Maßnahmen im Bereich nachhaltige Mobilität. „Wir werden stark über Tempolimits agieren.“ Zum Thema Stadtbahn freue sich das Stadt-Oberhaupt darauf, mit dem neuen Landrat Dietmar Allgaier zusammenzuarbeiten. „Es ist genug Zeit gebraucht worden für die Planungen, jetzt müssen wir an die Umsetzung gehen“, so Knecht.

2020 ist auch Baubeginn der Westrandstraße, zur Umfahrung des Gewerbegebiets. Neue Firmen möchten sich in der Weststadt bei der ehemaligen Frommannkaserne ansiedeln, auch bei der Eisenbahnstraße in der Südstadt gebe es vier Interessenten. Das seien einige der letzten freien Gewerbeflächen, die die Stadt vergeben könne. „Ein weiteres Filetstück ist das Nestlé-Areal am Bahnhof, dessen Erwerb im ersten Quartal 2020 abgeschlossen wird.“ Wichtig ist Knecht, die Gesamtstadt im Blick zu behalten und sich nicht zu stark auf einen Stadtteil zu fixieren.

Als weiteres Projekt erwähnt der OB das Klimabündnis, für das 100 000 Euro, „zunächst ein symbolischer Betrag“, im Haushalt eingestellt worden, sei als Anreiz zur Flächenentsiegelung von privaten Haushalten, etwa Gartenflächen. Andere Maßnahmen im Klimaschutz seien schon mit finanziellen Mitteln ausgestattet, so im Bereich Mobilität, Digitalisierung, aber auch durch die Stadtwerke und die Wohnungsbau. Aber: „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

Als persönlichen Wunsch für 2020 sieht Knecht die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen, „nachdem die ersten drei Monate ein Hineinfinden waren.“ Das beginne mit der Strategiediskussion. Es müsse gemeinsam mit dem Gemeinderat geklärt werden, wohin Ludwigsburg möchte. Ansonsten wünsche er sich Gesundheit für seine Familie. Die zeitliche und nervliche Belastung sei nicht immer einfach. Auch sei es ihm ein Anliegen, das Zeitmanagement noch besser abzustimmen. OB Knecht lebt aktuell in Stuttgart, das soll vorerst auch so bleiben. „Ein kleiner Rückzugsraum tut uns gut. Das ist keine Flucht vor der Stadt, wir sind hier sehr präsent.“ Er denke vor allem an seinen Sohn Jakob, der bald eingeschult wird und so „einer unter vielen sein kann.“

Als Sorgenkind der Stadt sieht Knecht den Wohnungsbau. Bei rund 2000 offenen Wohnungsgesuchen habe die Stadt einen großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, der aktuell nicht befriedigt werden könne. Im Bereich des preisgedämpften, sozialen Wohnungsbaus liege ein großes Problem. „Neu bauen kann unsere WBL in diesem Segment bei den aktuellen Marktpreisen sowie Bau- und Baunebenkosten nicht angemessen.“ In Bestandswohnungen der WBL dagegen funktioniere das teilweise durch deren Modell „Fair Wohnen“ und Zuschüsse über das Landeswohnraumfördergesetz.

Auch die verkehrliche Belastung, vor allem der Durchfahrtsverkehr, mache der Barockstadt zu schaffen. Ebenso müsse der ÖPNV durch ein Verkehrskonzept der gesamten Region gestärkt werden. Zum Teil liege die Ursache anderswo, die Auswirkungen jedoch seinen in Ludwigsburg zu spüren, so der OB.

Verbesserung des Busverkehrs in der Barockstadt


Matthias Knecht betont, dass die Bezeichnung „BRT“, die seinem Vorgänger so wichtig war, Geschichte sei, es gehe um „ehrliche Beschleunigung“.

Im ersten Quartal 2020 werde als erster Schritt die Schorndorfer Straße anvisiert, denn „der Weg von der Stadtmitte nach Oßweil ist unglaublich stark befahren. Die Busse sind voll.“ Ein besserer Takt der LVL soll helfen. Idee ist, von den zwei Spuren pro Richtung, eine für Busse, Taxis und Radfahrer zu reservieren, also für Verkehrsmittel, die mehrere Menschen transportieren oder umweltneutral sind.

In Gesprächen mit den OBs Andreas Hesky (Waiblingen) und Dirk Schönberger (Remseck) ist Knecht auch wegen der Verlängerung der Verkehrsführung Richtung Neckar und Rems-Murr-Kreis. hevo