Ludwigsburg Italiener bringt Glanz nach Ludwigsburg

Niccolo Jommelli prägte 16 Jahre lang das Theater am württembergischen Hof in Ludwigsburg.
Niccolo Jommelli prägte 16 Jahre lang das Theater am württembergischen Hof in Ludwigsburg. © Foto: Schlossfestspiele Ludwigsburg
Ludwigsburg / GABRIELE SZCZEGULSKI 15.01.2015
436 Statisten und 86 Pferde auf der Bühne - das war am 11. Februar 1768 der glanzvolle Höhepunkt einer Aufführung am Ludwigsburger Hof. Niccolo Jommelli, der dort 16 Jahre lang Hofkapellmeister war, inszenierte seine Oper "Fetonte".

Aus Anlass des 300. Geburtstages des italienischen Komponisten Niccolo Jommelli am 10. September 2014 wirft die Ausstellung "Applaus! Von Opern und Seifenopern" im Ludwigsburg Museum im MIK einen Blick auf die Welt der Oper in Ludwigsburg. Auslöser und Zentrum der Ausstellung ist die glanzvolle Zeit, in der Niccolo Jommelli 16 Jahre lang bei Hofe wirkte. Zuerst in Stuttgart und dann ab 1764 in der neuen Residenz in Ludwigsburg. Der Italiener schaffte es, dass Ludwigsburg in dieser Periode so etwas wie die Kulturhauptstadt Europas wurde. "Zu jener Zeit war der Hof des Herzogs von Württemberg der glänzendste von ganz Europa", sagte sogar Giacomo Casanova, nach einem seiner vielen Besuche in Ludwigsburg. Die Ausstellung im MIK lässt diese Zeit Revue passieren.

Als Herzog Carl Eugen von Württemberg 1753 Jommelli als Hofkapellmeister ins Land holte, konnte er kaum ahnen, welche Win-Win-Situation das bedeutete. Zwar hatte der italienische Komponist schon einen großen Namen, Ludwigsburg und die uneingeschränkte Sympathie des Herzogs und dessen schier unendlich sprudelnde Geldquelle eröffneten dem Italiener aber ganz neue Perspektiven für seine Kunst.

Andererseits blieb Jommelli 16 Jahre lang dem Hof treu, schuf pro Jahr mindestens zwei Opern, so dass einige seiner größten Werke in Ludwigsburg entstanden. Jommelli hatte weitestgehende Freiheiten, was seine Aufführungen und Kompositionen betraf. Er musste lediglich pro Jahr zwei neue Opern schreiben, die jeweils am 11. Februar, dem Geburtstag, sowie am 4. November, dem Namenstag Carl Eugens, aufgeführt wurden.

Der Aufwand, der für die Operninszenierungen getrieben wurden, war immens, brachte dem Herzog aber auch viel Kritik angesichts der Verschwendung ein. Beispielsweise brachte Jommelli am 11. Februar 1768 insgesamt 436 Statisten auf die Bühne. Außerdem spielten 86 Pferde in der Oper "Fetonte" mit. "Es gab eine Französische Komödie, eine Komische Oper, eine italienische Opera Seria, eine Opera Buffa und zehn Paare italienischer Tänzer, von denen jedes bereits in einem berühmten Theater Italiens als Solisten aufgetreten war", erinnerte sich Casanova.

Niccolo Jommelli hatte eine Begabung, tragische Situationen und leidenschaftliche Affekte darzustellen, wozu er das musikalische Vokabular bis an dessen Grenzen ausschöpfte. Eines seiner Markenzeichen war der häufige Gebrauch des Accompagnato-Rezitativs, das den Sängern größere Freiheiten erlaubte als die geschlossene Form der Arie. Jommelli führte auch den Einsatz von Holzinstrumenten ein, sowie häufige Wechsel zwischen Dur und Moll. Damit einher ging ein ungewöhnlich heftiger, tragischer Ausdruck. Herzog Carl Eugen soll nach der großen Soloszene der Berenice im dritten Akt von "Vologeso" geäußert haben, er würde es nicht verkraften, dieses Stück ein zweites Mal anzuhören.

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