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Kommunalwahl
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber  Uhr

Am Sonntag, 30. Juni, findet in Ludwigsburg die Oberbürgermeisterwahl statt. Insgesamt haben sich fünf Kandidaten für den Posten des Rathauschefs beworben, unter anderem der amtierende OB Ludwigsburgs, Werner Spec. Für den 61-Jährigen wäre das die dritte Amtsperiode. Im Gespräch mit der BZ erklärt er, warum er seinen Hut nochmals in den Ring geworfen hat, auf was er bislang Wert legte und wie die zukünftige Arbeit aussehen könnte, würde er nochmals für acht Jahre gewählt werden.

Herr Spec, Sie sind bereits seit 16 Jahren Oberbürgermeister in Ludwigsburg. Jetzt mal Hand aufs Herz: Warum treten Sie nochmals an?

Werner Spec: Für mich war ausschlaggebend, dass wir vieles erreicht haben in den 16 Jahren, aber aktuell in einer Phase sind, in der uns gewaltige Aufgaben unmittelbar bevorstehen. Etwa im Bereich Wohnraum, aber auch Mobilität, Bildung, dem großen Thema Energiewende und Klimaschutz sowie Digitalisierung. Und da braucht Ludwigsburg aus meiner Sicht nun einen OB, der in den Themen drinsteckt und mit der gewachsenen Kompetenz, Erfahrung und den Netzwerken wirkungsvoll eine erfolgreiche Entwicklung fortsetzen kann. Die Erfahrung ist, dass bei jedem Wechsel eines Amtsinhabers zunächst ein paar Jahre verstreichen, bis sich die Dinge eingespielt haben, bis man eine Stadt richtig versteht. Wenn jemand keine Erfahrung aus der kommunalen Arbeit mitbringt, muss diese erst in der Praxis erworben werden. In einer Phase, in der eine so starke Entwicklungsdynamik vorhanden ist, glaube ich, dass Kontinuität der Stadt guttut. Ich habe für Ludwigsburg mit Fachleuten, der Stadtverwaltung, Bürgern und dem Gemeinderat Strategien und Konzepte erarbeitet, die teilweise schon umgesetzt sind und teilweise noch umzusetzen sind.

Wie schätzen Sie ihre vier Gegenkandidaten ein? Denken Sie, dass auch junge Anwärter eine Chance haben, in Ludwigsburg gewählt zu werden?

Grundsätzlich besteht das Wesen einer Demokratie immer in einer Wahl – und Wahl heißt Auswahl. Man muss dankbar sein, wenn Menschen bereit sind, sich für so eine Aufgabe, die ein hohes Maß an Engagement mit sich bringt, zur Verfügung zu stellen. Deshalb finde ich, dass es immer Respekt verdient, sich zur Wahl zu stellen. Eine Bewertung der einzelnen Bewerber möchte ich als Kandidat nicht vornehmen.

Im Rahmen der Kommunalwahl am 26. Mai haben Sie sich auch für den Kreistag aufstellen lassen und sind nun für die Freien Wähler auf Platz drei hinter Frank Rebholz, dem ehemaligen Leiter des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, und Bürgermeister Michael Ilk gewählt worden. Wie bewerten Sie ihre Platzierung?

Es hat mich sehr gefreut, dass Herr Rebholz ein so tolles Ergebnis eingefahren hat. Ich hatte mit ihm in der bisherigen beruflichen Konstellation eine gute Zusammenarbeit und bin überzeugt, dass man mit ihm sachlich sehr gut zusammenarbeiten kann.

Üblicherweise sind Oberbürgermeister auf Platz eins ihrer Liste, das habe ich bewusst nicht gemacht. Damit war klar, dass etwas weniger Stimmen erreicht werden. Es gab politische Kräfte, die davon ausgegangen sind, dass es gar nicht reichen könnte. Das ist nicht eingetreten, es ist ein sehr gutes Ergebnis. Mit dem Beitrag von Herrn Ilk und mir haben es die Freien Wähler im Landkreis sogar geschafft, stärkste politische Kraft zu werden und ich freue mich auf die gute Zusammenarbeit. Ich war in meiner Calwer Zeit bereits im Kreistag und weiß, dass dies eine gute Plattform ist, auch die Zusammenarbeit mit den Kreistagsmitgliedern – viele von ihnen sind ja auch Bürgermeister-Kollegen – weiter zu stärken.

Wie kam es zu dem Entschluss, sich für den Kreistag aufstellen zu lassen?

Ursprünglich wollte ich nicht antreten, in den vorhergehenden Wahlperioden war ich ja nicht im Kreistag. Ich habe aber bei der intensiven und kontroversen Diskussion um die Verbesserung des ÖPNV in Stadt und Landkreis gesehen, dass es schwierig ist, über die Medien Argumente auszutauschen, und es besser ist, die Entscheidungsaspekte in den Gremien darlegen zu können.

Sie und Landrat Dr. Rainer Haas sind ja doch immer wieder angeeckt. Glauben Sie, dass das Verhältnis dadurch besser wird?

Landrat Dr. Haas und ich haben auf persönlicher Ebene eigentlich ein ganz gutes Verhältnis. Wir hatten unterschiedliche sachliche Positionen, um die wir gerungen haben. Landrat Dr. Haas wollte ursprünglich, wie die Grünen und die SPD, ausschließlich eine Stadtbahn-Lösung, die jedoch einen zeitlichen Vorlauf von 10 bis 15 Jahren hat. Ich war nicht abgeneigt, mir war aber wichtig, dass wir nicht so lange warten können und der schnelle Nutzen für die Bevölkerung im Vordergrund stehen muss, daher habe ich mich für die Doppelstrategie verkämpft. Wir haben ja aber jetzt klare Beschlusslagen. Nun muss es darum gehen, das Vereinbarte mit aller Entschlossenheit umzusetzen.

Der Ton in den Gemeinderatssitzungen ist seit einiger Zeit rauer geworden, woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Der Eindruck ist nicht ganz zutreffend. Es geht mir nicht darum, im Vorfeld durch politische Deals und Vorabsprachen möglichst geräuschlose Abstimmungen im Gemeinderat zu organisieren. Mir geht es darum, die sachlich besten Lösungen im Gemeinderat zur Diskussion zu stellen und die Weichen dort und nicht im Vorfeld zu stellen. Wir hatten durchaus auch in der Vergangenheit intensive, zum Teil kontroverse Diskussionen, etwa als es um den Bau der Biomasse-Heizkraftanlage in der Südstadt ging. Es wurde diskutiert anstelle auf Holzhackschnitzel auf ein Gasheizkraftwerk zu setzen. Um einen schnellen Konsens zu erzielen, hätte man vielleicht eine solche Lösung realisiert, was im Nachhinein eine fatale Fehlentscheidung gewesen wäre. Wenn man die Harmonie in den Vordergrund stellt, besteht die Gefahr, dass man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt und das bringt ein Gemeinwesen nicht weiter. Das ist meiner Beobachtung nach der Grund, warum die Wähler sich teilweise von den etablierten Volksparteien abwenden, da sie sich von der Politik klarere Positionen erwarten, die Antworten auf Zukunftsfragen bringen. Das Ringen um eine Lösung zahlt sich zumeist mehr aus, als nur faule Kompromisse einzugehen.

Wie kam es dazu, dass sich CDU, SPD und die Grünen im Vorfeld der Wahl hinter ihren Gegenkandidaten Matthias Knecht gestellt haben? Was sagen Sie dazu?

Als ich mich anlässlich meines 60. Geburtstags zu der Frage geäußert habe, ob ich wieder antrete, ist meine Bereitschaft positiv kommentiert worden. Die Frage ist, was hat sich in dem einen Jahr verändert? Das war natürlich das Ringen um die richtige Lösung zur Verbesserung des ÖPNV. Grüne und SPD haben mit fraktionsübergreifenden Anträgen versucht, die schnellen Lösungen zu verhindern. Ich bin für sie derjenige, der auch nach der Wahl diese Lösungen, so wie sie beschlossen wurden, umsetzt. Vielleicht gibt es da die Hoffnung, mit einem anderen Kandidaten dieses Paket noch mal aufzuschnüren – ich schließe nicht aus, dass das eintreten könnte. Im Grunde nehme ich die Positionierung der drei Parteien nicht als repräsentativ wahr. Mir wird aus allen politischen Lagern signalisiert, dass die Entscheidung der Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzenden zum Teil kritisch gesehen wird.

Glauben Sie, dass sich die Aufgaben des Ludwigsburger OBs ändern werden?

Die ganzheitliche Stadtentwicklung ist, wenn man so will, das Erfolgsgeheimnis. Sie ist dadurch geprägt, dass man sich systematisch alle zwei bis drei Jahre mit Stärken- und Schwächenanalysen und regelmäßig im Rahmen von Zukunftskonferenzen mit der Frage befasst, wo nachgesteuert werden muss. Das war die letzten 16 Jahre ein dynamischer Prozess, diese ständige Aktualisierung möchte ich beibehalten.