Sie ist in aller Munde. Die Methode des Fastens, bei der man überschüssiges Fett verliert ohne Kalorien zählen zu müssen: das Intervallfasten. Bei dieser Ernährungsart ist allein der Zeitraum entscheidend und so wird „tage- oder auch stundenweise auf Nahrung verzichtet, mit dem Ziel einer langfristigen Gewichtsreduktion“, erklärt Sarah Heß, Diplom-Trophologin und Koordinatorin des Adipositaszentrums im Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen. Das Prinzip: Sechs bis maximal zwölf Stunden am Stück so viel essen wie man will, und die restlichen zwölf bis 18 Stunden eines Tages auf Nahrung verzichten – so die „time-restricted feeding“ Form. Wobei Forscher die Menge „morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann“ empfehlen.

Auch andere Varianten des intermittierenden Fastens (IF), wie es auch genannt wird, gibt es. Sie unterscheiden sich lediglich in der „Dauer und Häufigkeit des Nahrungsverzichts“, so Heß. Zum Beispiel die Zwei-Tage-Diät, die Brustkrebspatienten bei der Gewichtsreduzierung nach einer Chemotherapie helfen sollen, bei der eine Gewichtszunahme oft ein Nebeneffekt ist. Aber auch das Ramadan ist eine Form davon.

Nur wenige klinische Studien zum Intervallfasten

Neben der Gewichtsreduktion soll dadurch der Stoffwechsel angeregt werden und das Risiko für chronische Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Krankheiten sinken, sagt die Expertin. Da es aber nur wenige klinische Humanstudien über die Wirkung gebe, kann auch keine klare Aussage über die zu langfristige Gewichtreduktion getroffen werden, sagt Heß.

So könnte man meinen, das Problem des Übergewichts sei mit dieser Ernährungsmethode endlich Geschichte und die Lösung für die 13 775 AOK-Versicherten im Landkreis Ludwigsburg. Ganz so einfach ist es dann allerdings doch nicht: „Da Übergewicht und Adipositas zu den chronischen Erkrankungen zählen, hat man auch sein Leben lang damit zu kämpfen“, erklärt die Diplom-Trophologin. Und nur auf die Ernährung achten, reicht laut der Expertin nicht aus, auch ausreichend Bewegung ist wichtig für den gesunden Lebensstil. Bei Patienten, die sich einer Magenverkleinerung unterzogen haben, sollte sie nicht angewendet werden. Gewisse Personengruppen sollten ebenfalls auf diese Form verzichten: Bei bestehenden Erkrankungen wie veränderter Blutdruck, Stoffwechselerkrankungen, Essstörungen, Demenz ist Vorsicht geboten. Auch Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden rät sie davon ab.

Und trotz des ganzen Hypes um das Intervallfasten, „die eine Abnehmmethode beziehungsweise Ernährungsweise, die für jedermann sinnvoll ist, gibt es leider nicht.“ Und wie auch andere Diäten ihre Tücken haben, so sieht es auch beim Intervallfasten nicht besser aus. Sie lässt sich gerade für Schichtarbeiter schwierig umsetzen, da oftmals die Pausen, in denen keine Nahrung aufgenommen wird, nicht eingehalten werden können. Eine solche Ernährungsweise in den Alltag einzubinden ist bei den heutigen Lebensumständen dazu oft gar nicht so leicht. In vielen Fällen findet man schließlich erst am Abend zur Ruhe, trifft sich mit Freunden oder der Familie, um sich beim gemeinsamen Essen auszutauschen. „Grundsätzlich ist durch Fasten natürlich eine Gewichtsreduktion möglich, dabei müssen aber einige Dinge beachtet werden.“ Die Methode, der zeitlich begrenzten Nahrungsaufnahme ist demnach nur für eine langfristige Ernährungsumstellung geeignet, meint Heß, und sollte nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Zwischendurch essen was man will

Schon in der Schule wird Kindern die Ernährungspyramide für eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit guten und schlechten Lebensmitteln vermittelt. Nach dem Prinzip des Intervallfastens könnte man jedoch alles in den sechs bis zwölf Stunden essen, gerade was einem in die Hände fällt. Quasi nach dem Vielfresser-Prinzip. Schokolade, Chips, Weizen statt Vollkorn, viel Pizza und wenig Salat. Denn „die meisten Konzepte beinhalten keine oder nur spärliche Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl“, so die Expertin. Studien an Mäusen, die die gleiche Menge an kalorienhaltigem Futter erhielten, nur einmal mit Intervall und einmal ununterbrochen, zeigten allerdings den positiven Effekt.

Ob Schokolade, Chips und Co. helfen Gewicht zu reduzieren, ist fraglich. Deswegen rät Heß sich an eine ausgebildete Ernährungsberatung zu wenden, bei der eine „ernährungspsychologisch günstige Lebensmittelauswahl erlernt werden kann.“