Zwei Joghurtbecher, 500 Gramm Nudeln, Waschpulver und eine neue Zahnbürste. So könnte ein ganz normaler Einkauf im Supermarkt aussehen. Der Joghurt im Plastikbecher, Nudeln in Folie und die Non-Food-Artikel alle einzeln in Verpackungsmaterial gehüllt. Nicht gerade umweltbewusst dieser ganze Müll. Das dachte sich auch Hergen Blase. Der 49-Jährige hat bis vor neun Monaten bei der Einzelhandelskette Kaufland als Leiter für Nachhaltigkeit gearbeitet. Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, dort aufzuhören, stellte er sich die Frage: Und jetzt? Seine Antwort darauf: Einen eigenen Laden eröffnen. Den ersten Unverpacktladen Ludwigsburgs: „Ohne PlaPla“.

„Ich habe damals auch berufsbedingt mitverfolgt, wie die ersten Unverpacktläden in Kiel, Hamburg und Berlin eröffnet haben“, sagt Blase im Gespräch mit der BZ. „Ich wollte etwas für mich Sinnvolles auf den Weg bringen“, sagt der 49-Jährige, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern selbst in Ludwigsburg wohnt. Er habe sich in seiner Stadt umgesehen, und erkannt, was fehlt: Ein Laden, der ohne Plastik und mit wenig Verpackung auskommt. Hilfe bekommt er dabei von Nora Sonn, die Blase als seine „Wegbegleiterin“ beschreibt. Sonn war bereits in der Zeit bei Kaufland seine Kollegin, gemeinsam arbeiteten sie im Bereich Nachhaltigkeit und jetzt kümmern sie sich gemeinsam um die Belange des Ladens, etwa Gestaltung und Kommunikation.

Aktuell sind noch die Handwerker im zukünftigen Unverpacktladen in der Lindenstraße 2 zugange. Während des Gesprächs mit der BZ wurde das Netzwerk für die Waagen verlegt, denn denen kommt eine bedeutende Rolle zu, aber von vorn: Betritt man den Laden wird gleich am Eingang eine von mehreren Waagen stehen. Dort wiegt der Kunde sein selbst mitgebrachtes Gefäß, etwa ein Einmachglas oder eine Metallbox ab oder erwirbt ein Mehrweggefäß. Dieses bekommt einen QR-Code zum Einscannen, um am Ende das Leergewicht abzuziehen und nur die Ware zu bezahlen. Dann kann das Einkaufen beginnen. Noch steht wenig in den Räumlichkeiten. Blase führt sichtlich stolz durch seinen Laden. „Hier wird es Hülsenfrüchte, Reis und Couscous zum selbst abfüllen geben“, sagt er und deutet nach links. Aus weißen Holzkisten wurden Regale gebaut, auf denen Glasrohre mit Edelstahl- und Holzelementen angebracht sind – noch unbefüllt. Der Kunde kann sich so viel oder wenig abfüllen, wie er braucht. Es entsteht weder Müll, noch muss eine übergroße Menge gekauft werden, die dann verdirbt.

„Hier wird es Nudeln geben. Ein Teil kommt vom Naturkost-Großhandel, quasi als Basis-Sortiment, das sich jeder leisten kann,“ sagt der „Ohne PlaPla“-Chef. Auch werde es Nudeln aus regionalen Manufakturen geben. Diese seien etwas teurer, da die Produktion der kleinen Erzeuger aufwändiger sei. Salze und Gewürze soll es geben, ebenso Öl und Essig zum selbst abfüllen. Blase deutet nach rechts, dort werde er Getreide anbieten, das sogar selbst gemahlen werden kann mit einer Getreidemühle. Auch werde es eine Flockenquetsche geben, um Frühstücksflocken frisch herzustellen. Ein Getränkeregal wird Säfte, Wein und Spirituosen fassen. Ein Kühlschrank wird mit Milch, Joghurt und Sahne befüllt werden, alles ganz ohne Plastik. Auch Wurstaufschnitt möchte er anbieten, hierfür habe er allerdings noch nicht den idealen Lieferanten gefunden, der eine artgerechte Haltung verfolgt und ohne Zusatzstoffe produziert. Das folge aber noch.

Infos rund ums Produkt

An jedem Behälter wird eine Nummer zu finden sein, die der Kunde in die Waage eingibt. Auf dem Etikett stehen dann nicht nur Preis und Gewicht, sondern auch Infos zum Produkt. „Die Zutaten einer Gewürzmischung zum Beispiel, sodass die Transparenz auch zu Hause noch gegeben ist“, erklärt Sonn. In der unteren Etage gibt es Non-Food-Artikel, wie Waschmittel, Naturkosmetik und Hygieneartikel, etwa Bambuszahnbürsten, Zahnputztabletten und Abschminkpads aus Bio-Baumwolle.

Doch nicht nur zum Einkaufen sollen die zukünftigen Kunden von Hergen Blase ins „Ohne PlaPla“ kommen. Auch, um sich gemütlich in die Kaffee-Ecke am Fenster zu setzen oder im Sommer auch ins Freie, vor den Laden. An einer Snack-Theke wird es Kuchen geben, sodass der Laden auch zur Begegnungsstätte werden kann. „Ich kann mir auch Workshops und Vorträge gut vorstellen“, sagt der Ladenbesitzer. Er selbst hat bereits an der Ludwigsburger Zukunftskonferenz teilgenommen und Gespräche mit unterschiedlichen Leuten geführt. „Ich habe viel Positives zurückbekommen“, sagt er. Auch die Stadt sowie der Ludwigsburger Innenstadtverein (LUIS) seien von seiner Laden-Idee angetan gewesen. Blase möchte im engen Austausch mit der Stadt und den Bürgern Ludwigsburgs bleiben und sich weiter vernetzen.

Info Der Unverpacktladen in der Lindenstraße 2 wird Ende Februar eröffnet.