Schwerpunkt Stadtführungen Immer neue Ideen, um Besucher ins Schloss zu locken

Eine Vielfalt an beeindruckenden Barock-Kostümen gibt es bei der „Soirée Royale“ zu bewundern.
Eine Vielfalt an beeindruckenden Barock-Kostümen gibt es bei der „Soirée Royale“ zu bewundern. © Foto: Residenzschloss Ludwigsburg
Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 10.03.2018

Wenn die rund 80 Schlossführer des Ludwigsburger Residenzschlosses ihre Führungen konzipieren, findet ein reger Austausch statt. „Wir setzen uns alle zusammen und überlegen uns die Themen“, sagt Schlossverwalter Stephan Hurst. Erst gehe es darum, ob die Idee umsetzbar ist. Dann durchstöbere jeder zu seinem Themenbereich Bücher in der Schlossbibliothek. „Dadurch erweitern die Mitarbeiter ihr breites Wissen rund ums Schloss“, sagt Stephan Hurst. Anschließend überprüft die Observatorin des Schlosses, eine Kunsthistorikerin, ob das, was vorgetragen werden soll, auch historisch korrekt ist.

Auf die Frage, welche neue Führung am spektakulärsten sei, kann sich Hurst nicht für eine entscheiden. Er berichtetet von mehreren. Darunter auch die Familienführung „Tischlein deck dich“ für Kinder ab sechs Jahren. Sie gehört zum Angebot der Führungen zum Themenjahr „Von Tisch und Tafel“, das die staatliche Schlösser und Gärten Verwaltung Baden-Württemberg ausgerufen hat. Kinder erfahren dabei, wie die Gerichte zum König gelangten, ohne auf dem langen Weg zum Speisesaal kalt zu werden. Die Küche sei laut Hurst nämlich im vorderen Schlossbereich gewesen.

Der Titel einer weiteren Führung lautet „Kopf oder Zahl“. Hier sind die Teilnehmer gefordert, das Schloss spielerisch anhand eines Glücksspiels zu entdecken. „Die Teilnehmer bestimmen den Weg durchs Schloss“, sagt Hurst. Es werden bei jeder Auflage andere Räume erkundet. Solche interaktiven Führungen bieten laut Schlossverwalter Besuchern die Möglichkeit auch ein zweites Mal das Schloss zu besuchen. Langweilig könne es so also selbst Einheimischen nicht werden. „Das Schloss hat 452 Räume und man kann es immer wieder aus einem neuen Blinkwinkel erkunden“, findet der Schlossverwalter.

Das Schloss im Dunkeln

Hurst empfiehlt auch Führungen, die schon länger im Programm sind, wie „Nachts im Schloss“. Bereits im dritten Jahr schleichen die Besucher mit Taschenlampen durch die Gemächer. „Man nimmt das Schloss im Dunkeln ganz anders in seiner Pracht und Fülle wahr“, sagt er. „Und weil die Nachfrage so groß ist, bieten wir Zusatztermine an.“

„Besonders beliebt sind unsere Kostümführungen“, sagt Hurst. Deren Ambiente sei recht authentisch. Die Teilnehmer nehmen dabei an einer Zeitreise teil, laufen durch Festräume und erfahren vieles über Hofsitten. Seine Mitarbeiter, würden sich in ihre Rolle als Kammerzofe oder Kammerdiener – selbst ihm gegenüber– ganz anders verhalten. „Die Kammerzofe ist frecher als sonst“, sagt er und schmunzelt. Ein Highlight mit zahlreichen Kostümen sei die „Soirée Royale“. „Bei diesem Premiumprodukt wird getanzt und anschließend gibt es ein Vier-Gänge-Menü.“ Die Führung dauert vier Stunden, auch die Besucher verkleiden sich.

Für ein aktuelles Projekt versucht eine Mitarbeiterin die Schlossmöbel so aufzustellen, wie sie in der Barockzeit standen. Sie nimmt dafür alte Unterlagen und Aufzeichnungen zu Hilfe. Auf diese Weise haben bald die Besucher die Gelegenheit das Schloss näher an der Zeit der Könige zu erleben.