Schlossfestspiele Im Forum liegt Revolution in der Luft

Ludwigsburg / Bettina Nowakowski 25.06.2018

Was haben die so genannte „Schicksalssinfonie“ von Ludwig van Beethoven, die Sinfonie Nr. 5 mit dem berühmten „Klopfmotiv“, und das Schlagwerkkonzert „Sieidi“ des finnischen Komponisten Kalevi Aho gemeinsam? Eine Frage, die sich auch das Publikum zu Beginn der Aufführung im leider nur zur Hälfte besetzen Forum stellen mochte. Es gab durchaus mehrere Antworten darauf am Freitagabend im Rahmen der Schlossfestspiele. Gemeinsam war allen Kompositionen die gewaltige, intensive Klangwirkung, der man sich nicht entziehen konnte. Archaisch, ursprünglich kam „Sieidi“ von Kalevi Aho daher. Der britische Colin Currie, der als einer der besten Schlagzeuger und Percussionisten der Welt gilt, demonstrierte sein meisterhaftes Können auf einer Vielzahl unterschiedlicher Percussioninstrumente.

Unterschiedliche Klangwelten

„Sieidi“ ist eine Reise durch ganz verschiedene Klangwelten: Von afrikanischen und arabischen Handtrommeln über Snare Drum und Tom-Toms bis zur guatemaltekischen Marimba und Vibrafon und wieder zurück reichen die Klanggewitter, die Colin Currie im Zusammenspiel mit dem Orchester der Schlossfestspiele unter der Leitung von Pietari Inkinen entfachte. Die Verbindung von Orchester und Schlagzeug war emotional sowohl faszinierend als auch aufwühlend. Mal mit Karacho, lärmend, voller Tumult, dann wieder melodisch, sanft, mit zarten Tönen. Die mitreißende Wirkung begeisterte auch das Publikum: „Beeindruckend, was für unterschiedliche Klänge und Töne da entstehen, auch bei einem selbst im Kopf“, so ein Zuschauer. Die Colin Currie Group präsentierte zum Ende des ersten Teils mit „Music for Pieces of Wood“ von Steve Reich ein Beispiel für das Genre der Minimal Music, als dessen Vertreter und Mitbegründer Reich gilt. Mit „Drumming Part I“ eröffnete die Colin Currie Group den zweiten Teil des Abends. Der dramaturgisch gut gedachte Übergang direkt zu Beethovens „Fünfte“ ging leider im kurzzeitig aufkommenden Applaus des Publikums unter und nahm gerade dem markanten Beginn der Sinfonie etwas von seiner phänomenalen Wirkung.

Emotionale Wucht und Wirkung

Im Laufe der Darbietung aber wurde einmal mehr klar, warum die Schicksalssinfonie in seiner Wucht und Emotion unerreicht ist. Zu seiner Zeit sprengte Beethoven mit seiner Komposition alle gültigen Konventionen in der Klassik. Und auch heute noch hat die „Fünfte“ etwas spürbar Revolutionäres in sich. Das Orchester der Schlossfestspiele spielte mit Leidenschaft und Verve bis zum fulminanten Ende und wurde dafür zu Recht mit langanhaltendem Applaus vom Publikum gefeiert.

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