Schlossfestspiele Höllentanz und Wiegenlied zu Nelson Mandelas 100.

Das Miagi Youth Orchestra aus Südafrika feierte bei den Schlossfestspielen Nelson Mandelas 100. Geburtstag.
Das Miagi Youth Orchestra aus Südafrika feierte bei den Schlossfestspielen Nelson Mandelas 100. Geburtstag. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Susanne Yvette Walter 20.07.2018

Mit dem Miagi Youth Orchestra erlebten die Ludwigsburger Schlossfestspiele ein Klangfeuerwerk wie selten. Der englische Startdirigent Duncan Ward bündelte das Orchester zu einem superlativ effektvollen Klangapparat. Zündstoff für das Konzert im Rahmen ihrer Tournee durch Europas größte Häuser wie die Elbphilharmonie und das Concertgebouw Amsterdam boten Beethoven, Strawinsky, Bernstein und Duncan Ward selbst, der zum 100. Geburtstag Nelson Mandelas die Suite „Rainbow Beats“ komponiert hat.

Regenbogenorchester

Gemeinsam formen sie ein Regenbogenorchester, das symbolisch bunt gekleidet Nelson Mandelas Herzenswunsch in Töne umsetzt. Mandelas Vision von der Regenbogennation Südafrika, in der verschiedene Nationen aus verschiedenen Kulturen friedlich zusammenleben wird wahr – nicht nur für einen Abend in Ludwigsburg. Als Anwalt dieser Idee gastiert das Miagi Youth Orchestra anlässlich des Mandela-Jubiläums in ganz Europa.

 Der junge Brite am Dirigentenpult macht den Kurs, spielt extrem mit Laut- und Leise-Effekten und einem diszipliniert-feurigen Tempo mit scharf betonter Rhythmik. Da werden Synkopen zu Sprungschanzen. In seinen Konzerten schläft keiner ein. Duncan Ward nimmt sich Gleichgesinnte und ähnlich Leidenschaftliche aus der Musikgeschichte ins Boot: Beethoven mach den Auftakt mit der Ouverture zu Egmont, geschrieben für den Helden und Märtyrer Egmont, der im niederländischen Unabhängigkeitskrieg für sein Land starb. Duncan Ward verleiht der Ouvertüre genau den Pepp, den heutige Ohren wollen: Wenn Pathos, dann gewaltig, und immer eingekleidet in ein rasantes Tempo. Wenn lyrisch, dann intensiv ohne Kitsch, aber mit bekennendem Gefühl zum Gefühl.

Hinter dem Miagi Youth Orchestra steht die Initiative zur Musikförderung „Music is a great investment“ (Musik ist eine großartige Investition) und wurde vor 17 Jahren von dem südafrikanischen Opernsänger Robert Brooks und der finnischen Pianistin Ingrid Hedlund gegründet. Alle zwei Jahre wird das Orchester nach landesweiten Vorspielen neu zusammengesetzt. Ward erweckt mit ihnen zusammen Strawinskys Ballett „Der Feuervogel“ zu nie gekanntem Leben. Der Klangfarbenzauber fesselt die Zuhörer mucksmäuschenstill in ihre Sessel.

Hochkaräter am Dirigentenpult

Das Forum ist voll bis auf den letzten Platz. Die Aussicht auf eine Begegnung mit dem Hochkaräter am Dirigentenpult, der zugleich seit seiner frühen Kindeheit komponiert, beherrscht die Szenerie.

Und wieder: das Ungewisse

Das Potenzial des Orchesters ist enorm und im „Feuervogel“ liegen Höllentanz und Wiegenlied ganz nahe beieinander. Impressionistische Ungewissheit spielt hinein und hier greift wieder das Motto der Schlossfestspiele. Das Ungewisse wird auch hier Musik. Ungewiss bleibt auch, ob ein Orchester als symbolischer Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Nationen nachhaltig zur besseren Völkerverständigung beitragen kann.

Und: Duncan Ward setzt seinem Kollegen Leonard Bernstein ein Denkmal und führt sein jazziges Prelude samt Fugue & Riffs auf – für das Orchester eine knifflige Herausforderung und Weltklasse. Am Ende kommt der Punkt aufs i mit Wards eigener Komposition für Mandela, „Rainbow Beats““, geschrieben für Solo-Sopran, Vokalensemble, Jazzband und Sinfonieorchester. Hier prallen markant die Welten aufeinander und verschmelzen doch zu einer neuen Homogenität. Ein starkes Werk aus dem Kopf eines Komponisten, dessen Name noch öfter fallen wird. Beifallsorgien begleiten nicht nur den Schluss des Konzerts.

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