Im Kornwestheimer Rockerprozess hat nur einer der fünf Angeklagten im Alter zwischen 20 und 27 Jahren in dem seit fünf Wochen dauernden zweiten Prozess gegen die nationaltürkischen Rockergruppe Osmanen Germania BC (Box Club) am Stuttgarter Landgericht ein Geständnis abgelegt. Alle anderen Beschuldigten haben geschwiegen. Jetzt hat der Hauptangeklagte geredet – und seine Unschuld beteuert: Er sei nicht dabei gewesen, als man am 12. Februar 2018 in Kornwestheim einen 26-jährigen Mann kurdischer Herkunft vor dessen Haustüre krankenhausreif geschlagen und Stichverletzungen zugefügt habe (die BZ berichtete).

Milde Strafe für Geständnis

Einer der Angeklagten, ein 20-Jähriger aus Kornwestheim, hatte schon im Laufe des Verfahrens zugegeben, dabei gewesen zu sein und mit einem Schlagstock auch zugeschlagen zu haben. Eine Machete habe er nicht benutzt. Ihm winkt aufgrund dieses Geständnisses eine milde Strafe. Am gestrigen Verhandlungstag überraschte der 26-jährige Hauptbeschuldigte das Gericht mit seiner ersten Einlassung zu dem Vorgang. Er gab zu, dass er bei der Planung und Vorbereitung der Abreibung mit von der Partie war und auch vorhatte, dabei zu sein. Schließlich soll das spätere Opfer in einem Internet-Auftritt schwere Beleidigungen gegen ihn und seine Freunde verbreitet haben. Ob die gesamte Tätergruppe – Namen wollte er nicht nennen – dabei auch mit Schlagstöcken und Macheten bewaffnet war, wisse er nicht. Letztlich habe er aber abgesagt. „Ich war nie an dem Tatort und ich habe mit der Sache nichts zu tun“. Er selbst will zur Tatzeit in Ludwigsburg mit Freunden unterwegs gewesen sein. Allerdings schweigt er zu den Namen. Die Vorsitzende Richterin fragt ihn: „Also sind Sie unschuldig?“ Der Angeklagte: „Ja“. Warum er dies nicht schon zu Beginn des Verfahrens oder bei seiner Festnahme damals gesagt habe, wollte sie wissen. Schließlich befindet er sich seit mehr als acht Monaten in Untersuchungshaft. Im November vorigen Jahres kam noch ein weiterer Haftbefehl in einer anderen Sache gegen ihn dazu. Die Frage blieb unbeantwortet – es sei die Strategie der Verteidigung zunächst zu schweigen, meinte der 26-Jährige.

Sichergestellte Waffen

Schwer belastet wird er allerdings weiterhin durch abgehörte Telefonate mit seinen Freunden. In einem Handy-Gespräch ist die Rede von „Plan erledigt“. Dazu meinte der Angeklagte, er wisse nicht, was dies bedeute. Auch wurden bei den Festnahmen der Angeklagten Schlagwerkzeuge, Macheten und sogar eine Schusswaffe sichergestellt. Die drei Mitbeschuldigten machten indes weiter von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Das Opfer ebenfalls, weil gegen ihn auch in einer anderen Sache ermittelt wird und er sich deshalb in Haft befindet. Trotz dieser Ungereimtheiten und der noch immer nicht bis ins Letzte aufgeklärten Tat will die Stuttgarter Strafkammer das Verfahren jetzt mit Urteilen beenden. Nächsten Mittwoch, 16. Januar, sollen die Plädoyers gehalten werden. Eine Woche später dann die Urteilsverkündungen.

Das könnte dich auch interessieren