Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber  Uhr

Wir müssen uns in Europa in Sachen Tourismus nicht verstecken“, sagte Guido Wolf, Minister für Justiz und Europa, am Montag im Blauen Salon im Parkcafé im Blühenden Barock in Ludwigsburg. Der Stadtverband der CDU hatte ihn eingeladen, um über Tourismus in Ludwigsburg und Baden-Württemberg zu reden. „Böse Zungen sagen ja, dass ich als Justizminister der größte Hotelier Deutschlands bin“, scherzte der Minister, der unter anderem für Tourismus zuständig ist. Baden-Württemberg erhalte viel Zuspruch aus Frankreich und der Schweiz, aber auch im restlichen Europa stehe das Land gut da, so Wolf.

Vermehrt Touristen aus Spanien

Am 11. April habe er eine Reise nach Madrid unternommen und sich vorab noch gefragt, ob das Sinn mache, als Baden-Württembergischer Tourismus-Minister dorthin zu reisen. Das Interesse der Spanier am Süden Deutschlands sei aber groß gewesen. In den letzten fünf Jahren sei die Zahl der Übernachtungen um fast 50 Prozent angestiegen, 2018 waren es knapp 340 000. Außerhalb Europas sei auch der chinesische Markt interessant für Baden-Württemberg. Das Blüba habe mehr als 500 000 Besucher jährlich – und das in der 65. Gartensaison, die am 22. März eröffnet wurde, sagte der Minister in seiner Rede. 800 000 Euro seien jährlich von Land und Stadt (jeweils 50 Prozent) an Zuschussgeldern fürs Blüba reserviert, berichtete der Ludwigsburger Kreis- und Stadtrat Klaus Herrmann (CDU). „2017 und 2018 ist das Blüba aber ohne Zuschuss ausgekommen“, so Herrmann.

„Das ist kein Strohfeuer, sondern nachhaltig betriebener Tourismus“, sagte Wolf. Das zeuge von Kreativität. „Tourismus lebt von Gesichtern und der Leidenschaft der Menschen, die Tourismus betreiben“, ergänzte er mit einem Blick zu Volker Kugel, dessen Medienpräsenz er lobend erwähnte. Der Tourismus in Baden-Württemberg sei zwar gut, jedoch „nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden kann“, sagte Wolf, und meinte die alte Tourismuskonzeption aus dem Jahr 2009. Dabei biete die Digitalisierung, die in die neue Konzeption eingebunden wurde (die BZ berichtete), neue Möglichkeiten der Präsentation. „Zum Teil werden Ausflugsziele nach schönen Fotomotiven ausgewählt“, so der Minister. Es gehe darum, ob ein Urlaubsort „instagramable“, also tauglich für „Instagram“ sei, einem Onlinedienst, der vor allem zum Teilen von Fotos und Videos genutzt wird, sagte Wolf. Digitalisierung schaffe die Möglichkeit, vernetzter zu werben. „Der Gast selbst betreibt die Werbung“, ergänzte er. Beim Thema Tourismus sei auch der demografische Wandel zu bedenken. Gerade im Alter steige wegen der Nähe der Wunsch nach Urlaub im eigenen Land. Auch das Stichwort Klimawandel und Flugreisen seien in diesem Zusammenhang zu nennen.

„Wir brauchen auch in Industrieregionen weiche Faktoren“, so der Justizminister weiter. Denn „touristische Angebote dienen vor allem denen viel, die zwölf Monate im Jahr dort wohnen“, so der CDU-Mann. Tourismus müsse als Chance für die Einheimischen gesehen werden, für Angebote, die sich ohne Tourismus nicht lohnen würden.

Tourismus im Land voranbringen

Drei Säulen sollen den Tourismus im Land voranbringen, so Wolf: Das Tourismusinfrastrukturprogramm sei erhöht worden, die zweite Säule sei die einzelbetriebliche Förderung und die dritte, die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, die zum Ziel hat, eine landesweit einheitliche Vermarktung als Tourismusland Baden-Württemberg voranzubringen. Man müsse „Destinationen als Ganzes verwalten und nicht zu kleinlich denken“, sagte Wolf, und nannte die Donau als Beispiel, die als Ganzes beworben werden solle und nicht in jedem Örtchen einzeln.

Insgesamt sprach sich der Minister dafür aus, Tourismus einen höheren Stellenwert zu geben, er stehe im Windschatten der produzierenden Industrie, wie der Automobilbranche. Im touristischen Bereich seien es 390 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Baden-Württemberg. Damit habe der Tourismus die Automobilbranche (290 000 Arbeitsplätze) überholt. Man könne die Touristen zu Botschaftern der Regionen machen und dadurch einen Beitrag zum europäischen Integrationskonzept leisten, so der Minister.