Ludwigsburg Günther Oettinger und Hugo Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs bei IHK-Feier

JÖRG PALITZSCH 30.01.2014
Mit einem flammenden Aufruf hat EU-Kommissar Günther Oettinger beim Neujahrsempfang der IHK Ludwigsburg am Mittwoch dafür geworben, Informationstechnologien voranzutreiben.

Günther Oettinger sprach am Mittwoch beim der IHK-Feier im Ludwigsburger Forum eine klare Sprache. Viel weiter wachse Deutschland nicht mehr und man müsse aufpassen, dass Apple, Google und Facebook der deutschen Wirtschaft nicht den Rang ablaufen. Bit schlägt die traditionelle Blechbearbeitung, so sein Credo. Arbeitsplätze würden in Korea geschaffen, neue Ideen stammen aber nicht aus der EU oder Baden-Württemberg.

Zudem habe er eine wachsende Technikdistanz wahrgenommen, "als Exportland Nummer 1 sind wir falsch aufgestellt", schrieb er den Managern und Unternehmern im Forum ins Stammbuch. So brauche man jeden Menschen, seien es Techniker, Ärzte oder Betreuungspersonal, damit brach er eine Lanze für die Zuwanderer. Warnend hob er den Zeigefinger in Sachen Energie. Energieintensive Betriebe würden große Mengen an Strom benötigen - und zwar rund um die Uhr. Dies könne man aber nicht mit Windrädern machen, der Ausbau solle deshalb "mit Maß und nicht im Schweinsgalopp" erfolgen. Die Vorzeichen für 2014 stünden gut, weniger positiv sehe er in die nächsten 20 Jahren, so Oettingers Analyse.

Zuvor hatte IHK-Präsident Dr. Heinz-Werner Schulte vor den rund 500 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Schulen deutlich gemacht, dass 2013 für die Wirtschaft im Landkreis Ludwigsburg doch ein insgesamt gutes Jahr war, wenngleich zum großen Jubilieren kein Anlass bestand. Trotz leichter Wachstumszahlen und einer Steigerung des Bruttoinlandprodukts im Euroraum könne man über einige Enttäuschungen nicht hinwegsehen.

So sei der Konsum der privaten Haushalte zwar um ein Prozent gestiegen, die Einzelhändler hätten sich aber aufgrund der guten Beschäftigungslage "etwas mehr Umsatz erhofft", so Schulte. Der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen um 2,6 Prozent zeige eine vorsichtige und sorgfältige Beobachtung der konjunkturellen Entwicklung und auch der Rückgang des Exportwachstums auf 0,6 Prozent sei ein Beleg dafür, dass nicht alle Hoffnungen erfüllt werden konnten.

Trotz allem seien die Unternehmen in der Region hervorragend darauf eingestellt, neue Märkte zu erschließen, Investitionen zielgerichtet vorzunehmen, die Aus- und Weiterbildung zu intensivieren und die Innovationsfähigkeit durch vernünftige Budgets für Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Für IHK-Bezirkskammerpräsident Schulte unter dem Strich eine ermutigende Ausgangsposition für 2014.

Der Hauptredner des Abends, Hugo Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs, nahm die Gäste dann mit auf eine Reise rund um den Globus. Hugo Boss agiert weltweit, Ziel sei es, Ware in kurzen Abständen auf die Fläche zu bringen. Dazu wurde der eigene Einzelhandel in den letzten zehn Jahren von 22 auf 60 Prozent gesteigert, eine weiteres Erfolgskonzept ist, dass es nur noch globale Kollektionen gibt. Mit Mailings, Web-Shops und Newsletters sei die Marke Hugo Boss ganz dicht am Kunden, ein Konzept, mit dem man auch durch wachstumsschwache Phasen komme. Lahrs widersprach Oettinger in einem Punkt.

Tradition sei nicht so einfach zu schlagen, das Know-how in der Region sei einzigartig. Anders als der EU-Kommissar blicke er positiv auf die nächsten Jahre.

Jochen Haller, Leitender Geschäftsführer der IHK Bezirkskammer Ludwigsburg, beleuchtete in seiner Rede die Bedeutung der Energiepolitik für die Unternehmen in der Region. Auch EU-Kommissar Oettinger sehe den Ausbau der erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch, aber dies mit Realismus im Dreieck zwischen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umwelt. Energiepolitik gehöre bei der heimischen Wirtschaft zur Standortpolitik. Die momentane Zufriedenheit der regionalen Unternehmen sei bei der Versorgungssicherheit hoch, die Preise hingegen würden als Standortrisiko eingestuft. Haller: "Energie wird auch für unsere Kammer ein Dauerthema bleiben."

Dr. Heinz-Werner Schulte ist der Autor unseres nächsten Gastbeitrages am kommenden Samstag.

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