Die Grünen sind bundesweit im Aufschwung. Vielleicht werden sie bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai sogar stärkste Kraft in Ludwigsburg. Doch in einer zentralen Frage der Stadtpolitik gelingt es der Partei nicht, Stellung zu beziehen: Soll sie sich in die große Koalition gegen den Amtsinhaber Werner Spec (Freie Wähler) einreihen?

Der von CDU und SPD unterstützte Rechtsprofessor Matthias Knecht wird sich am Donnerstag bei einer Mitgliederversammlung des grünen Ortsverbandes vorstellen. Dabei soll er seine Ziele erläutern. Danach sollte, so stand es in der ursprünglichen Einladung, intern diskutiert und abgestimmt werden, ob die Grünen Knecht offiziell unterstützen. Doch offenbar gibt es starke Kräfte innerhalb der Partei, die eine solche Abstimmung verhindern wollen. „Die wird wohl nicht stattfinden“, sagt Sabine Gericke, eine von zwei Sprechern des Vorstandes. Klar ist: Ein eigenständiger, konkurrenzfähiger Grünen-Kandidat ist sehr unwahrscheinlich.

Dabei hatte die interne Findungskommission sich auf einen Bewerber verständigt: Den Marbacher Gemeinderat Sebastian Engelmann (34), der früher für SWR und ZDF als Moderator gearbeitet hat. Seit 2016 leitet er das Büro von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in Stuttgart. Doch Engelmann soll seine Ambitionen zurückgestellt haben, weil die SPD ihn nicht unterstützt hat. Somit steht die Ökopartei sechs Wochen vor der Wahl ohne präsentablen Kandidaten da. Doch es gibt, wie zu hören ist, innerhalb der Partei eine Gruppe, die dem Amtsinhaber Werner Spec gewogen ist. Zumindest hat man die ehemalige Abgeordnete Ingrid Hönlinger und den Honorarkonsul Siegfried Rapp beim Empfang zur Eröffnung der Schlossfestspiele beobachten können, wie sie auffallend freundlich mit dem OB sprachen. Eine Mehrheit für Spec, der sich mit dem Grünen-Fraktionschef Michael Vierling seit Jahren Wortduelle liefert, scheint unrealistisch. Aber eine Mehrheit für Matthias Knecht ist auch nicht gesetzt.

Manche zeigen sich beeindruckt

Manche, wie Vierling, zeigen sich beeindruckt von Knechts Bewerbung: „Er ist ein sympathisch Mann, tritt glaubwürdig und sympathisch auf.“ Offiziell festlegen will er sich allerdings noch nicht. Andere wie die Grünen-Sprecherin Silke Gericke artikulieren die Zweifel mancher Mitglieder: „Beim sozialen Wohnungsbau neigt Herr Knecht eher dem liberalen Marktmodell zu.“ Nicht alle Positionen des MTV- und Sport-Stadtverbandsvorsitzenden seien mit den Grünen deckungsgleich.

Manche tendieren auch dazu, den mit einer linken Agenda angetretenen Studenten Jakob Novotny zu unterstützen, der allerdings politisch eher den Linken oder der Ökolinx-Gruppierung des scheidenden Stadtrats Oliver Kube nahe steht und offiziell parteilos ist. Die Versammlung am Donnerstag wird nun mit Spannung erwartet. Gelingt es Matthias Knecht, wie bei den Parteiveranstaltungen von CDU und SPD, auch die Grünen-Mitglieder für sich einzunehmen?

Neutralität oder Weißer Ritter

Oder bleiben die Grünen neutral, hoffen gar noch auf einen Weißen Ritter. Einen Überraschungskandidaten, der bis zum Ende der Bewerbungsfrist Anfang Juni seinen Hut in den Ring wirft? Der Amtsinhaber Werner Spec jedenfalls hat den Kampf aufgenommen. Seine Homepage hat er aktualisiert.

„Gute Jahre für Ludwigsburg“ sei seine 16-jährige Amtszeit gewesen, schreibt er nun, „viele sagen: sie waren herausragend!“ Marstall-Center, Stadtmuseum MIK, Wilhelm-Galerie, MHP-Arena – Spec listet seine Erfolge auf, und erinnert die Wähler daran: „Wir sind noch nicht am Ziel!“ Nur durch hohe Kompetenz, Mut, Erfahrung und Tatkraft sei dies möglich gewesen.

Sein Wahlprogramm betont übrigens ausdrücklich den Umweltschutz. „Wir haben nur diese eine Erde“, schreibt der amtierende Ludwigsburger OB, der Wahlslogan seiner Kampagne lautet: „Nachhaltig. Erfolgreich. Ludwigsburg.“