Die drei mutmaßlichen Schutzgelderpresser- und Rauschgiftdealer aus Ludwigsburg, die seit drei Wochen vor dem Stuttgarter Landgericht angeklagt sind, haben die Vorwürfe im Wesentlichen zugegeben. Über ihre Verteidiger ließen sie wissen, dass der Plan, einen Drogenhändler um mehrere tausend Euro abzuzocken mehr als Spaß gedacht war. Man habe ihm gegenüber als „Große Drogen-Organisation“ gelten wollen, die nicht davor zurückschreckt, Gliedmaßen abzuschneiden. Die Vorwürfe gegen das Trio sind gewaltig: gemeinschaftliche schwere räuberische Erpressung in zwei Fällen, Rauschgifthandel und versuchte Erpressung. Von Mitte September an sollen sie einen vermuteten Drogenhändler in Ludwigsburg-Hoheneck durch einen Rauschgift-Scheinkauf in dessen Wohnung aufgesucht und mit einer Schreckschusswaffe bedroht haben. Dabei habe man den Mann um ein Drogenpaket und zusätzlich 2000 Euro (Ausstiegsgeld) erpresst (die BZ berichtete). Als Drohmittel wurde dem Mann gesagt, man werde ihm Körperteile abschneiden. Insgesamt sollen die drei Angeklagten mehr als 10 000 Euro abgepresst haben, ehe am 22. Dezember die Polizei einschritt. Zu dieser Erpressergeschichte wirft die Staatsanwältin dem Trio noch umfangreicher Handel mit Marihuana und Doping-Präparaten vor.

Polizei schreitet ein

Zwei der Angeklagten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Sie haben über die Verteidiger erklären lassen, dass die Vorwürfe richtig sind. Man habe so getan, als sei man Handlanger einer großen Rauschgift-Organisation. Ganz so ernsthaft sei dies nicht praktiziert worden. Weil die Erpressung gut klappte, sei man ein zweites Mal bei dem Mann erschienen und habe abkassieren wollen. Er sei bereit gewesen, nochmals 4000 Euro zu zahlen, wozu es aber nicht mehr kam, da die Polizei einschritt. Auf der Anklagebank sitzen jedoch keine Berufsverbrecher oder ausgebuffte Drogenhändler. Die beiden hauptbeschuldigten 24- und 27-Jährigen aus Möglingen und Stuttgart sind studierte Akademiker. Der 21-jährige aus Markgröningen stammende Dritte, dessen Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug ist, sagte, er arbeite als Gymnastik-Lehrer und sei Jugendtrainer der Stuttgarter Kickers. Sein neben ihm sitzender Freund studiert Steuer- und Wirtschaftsrecht. Die Verteidiger haben angeregt, mit den Richtern ein Verständigungs-Gespräch zu führen, um das Verfahren abzukürzen und gegen umfassende Geständnisse mögliche Strafuntergrenzen zu erreichen. Der Prozess geht am 26. Juli weiter.