Weil er sowieso noch einmal vor Gericht muss und gerade von einem Psychiater auf seine Schuldfähigkeit untersucht wird, sah das Ludwigsburger Amtsgericht in einem Körperverletzungsverfahren keine Notwendigkeit für die Verurteilung eines 24-jährigen Syrers. Der Mann hat im Zuge einer Auseinandersetzung mit seiner Freundin in deren Wohnung in der Weststadt deren 13-jährigen Sohn in die Hand gebissen.

Gefährliche Körperverletzung

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft warf dem ledigen LKW-Fahrer aus Aleppo versuchte gefährliche Körperverletzung an der Frau und einfache Körperverletzung an dem Kind vor. Beleidigungen sollen am 9. März dieses Jahres auch gefallen sein, als der Angeklagte gegen 9.15 Uhr an der Wohnung in der Weststadt klingelte und die Türe aufdrückte, obwohl ihn die Freundin und Mutter zweier Söhne nicht hinein lassen wollte. Der Angeklagte wollte nach den Worten der Staatsanwältin seine Kleidung abholen. Als er die Sachen im Schlafzimmer in Tüten stopfte, kam es zum Streit mit der Ludwigsburgerin und der Angeklagte soll dabei mit einem Schraubenschlüssel ausgeholt haben. Der 13-jährige Sohn, so die Anklage weiter, sei dazwischen gegangen. Die Mutter habe den Angeklagten samt dem Kind auf das Bett geschubst, wo der Mann das Kind in die Hand gebissen hätte. Erst als die Frau den Syrer an den Ohren gepackt habe, sei der Sohn von diesem losgekommen.

Unter Drogen

Als die Polizei in die Wohnung kam, war der Syrer schon weg und ein Schraubenschlüssel wurde auch keiner gefunden. Vor Gericht gab der 24-jährige Kornwestheimer an, er hätte zur Tatzeit unter Drogeneinfluss gestanden. Zusammen mit der vermeintlich Geschädigten habe er damals sehr viel Cannabis geraucht. Deshalb leide er unter Wahnvorstellungen, die aber medikamentös behandelt werden könnten. Die akute Phase, in der er sich aus dem Fenster einer Asylunterkunft gestürzt habe, sei mittlerweile vorbei, erklärte der Beschuldigte zu seinem Gesundheitszustand.

Gesucht werden, musste der Angeklagte nach dem Vorfall in der Weststadt nicht lange, denn er kam nach der Aussage eines Polizeibeamten von alleine zum Revier. Dort schrie er sowohl in arabischer als auch in deutscher Sprache Sachen herum. Die Polizeibeamten sahen Fremdgefährdung und brachten den Syrer zu einem Psychiater in ein Krankenhaus, dort musste er einen Monat lang bleiben.

Weil sich die Ludwigsburgerin und der Flüchtling aus Kornwestheim nicht vertrugen, hatte es schon öfter Polizeieinsätze gegeben. Über den Angeklagten wurde bei der Gerichtsverhandlung viel bekannt: Wegen illegaler Einreise und illegalem Aufenthalt, Körperverletzungen, einem Betäubungsmitteldelikt und Leistungserschleichung ist er bereits polizeibekannt. Vor seinem Aufenthalt in der Bundesrepublik hatte er drei Jahre lang illegal in der Türkei gelebt. Aus Syrien ist der inzwischen anerkannte Asylbewerber geflüchtet, um nicht zum Militär eingezogen zu werden.