Ludwigsburg Gemeinderat: Ja zur Niederflurbahn

Ludwigsburg / Uwe Roth 27.07.2018

Die SSB-Stadtbahn ist in Ludwigsburg wohl endgültig außen vor. Der Gemeinderat der Stadt hat am Mittwoch der Hochflurtechnik eine deutliche Absage erteilt. Gleichzeitig fürchtete die SPD-Fraktion um die Glaubwürdigkeit des Gremiums und der Verwaltung. Nach ihrer Auffassung wird zu viel über die schienenlose „Straßenbahn“ (BRT) gesprochen und zu selten darüber, wie eine Niederflurbahn die Stadt durchqueren könnte. „Es verwundert nicht, dass bei den Nachbarkommunen der Eindruck entsteht, Ludwigsburg will die Stadtbahn gar nicht“, begründete Daniel O’Sullivan, warum er „sehr unglücklich mit der derzeitigen Situation ist“. Landrat Rainer Haas reagierte auf den Beschluss mit dem Kommentar, dass mit dem Nein zur Anbindung an das System der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) Ludwigsburg „eine historische Chance“ verpasse.

Grünen-Fraktionsmitglied Armin Haller nannte in der Sitzung das Hickhack um die Doppelstrategie „grausam“. Er habe den Eindruck, CDU, Freie Wähler und die FDP wollten eine Stadtbahn grundsätzlich blockieren. Haller sprach ebenfalls von schwindender Glaubwürdigkeit und verweigerte als einziger in der Abstimmung dem Oberbürgermeister die Gefolgschaft. Werner Spec reagierte auf den Vorwurf, die Niederflurbahn zu vernachlässigen, mit einer Strafpredigt. Die Verwaltung verfolge die Ziele der Doppelstrategie zu „100 Prozent“, sagte er. Dabei hat Spec selbst den Eindruck entstehen lassen, der BRT müsse keine Übergangslösung sein, sondern könne dauerhaft das Rennen machen. Das wäre der Fall, wenn dieses System bei den Fahrgästen eine so hohe Akzeptanz genieße, dass ein Umstieg auf eine Stadtbahn acht Jahre später keinen Sinn mache. Das hatte der Oberbürgermeister einen Tag zuvor in einem Pressegespräch gesagt.

Den CDU-Räten kam ein Bekenntnis zur Niederflurbahn erst auf Nachfrage über die Lippen. Fraktionschef Klaus Herrmann sagte zwar, seine Fraktion bekenne sich „klar zur Doppelstrategie“, erwähnte dann aber nur die Reaktivierung der Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg und dass „eine Hochflurbahn für Ludwigsburg nicht darstellbar ist“. In der vergangenen Woche hatte Herrmann einen Antrag gestellt, dass für jeden Parkplatz, der für den Bau einer Trasse weichen müssen, ein ortsnaher Ersatz zu schaffen sei. Das nährte den Verdacht, die Christdemokraten wehrten sich gegen den BRT ebenso wie gegen eine Stadtbahn, da in beiden Fällen Autos Straßenraum verlieren werden. CDU-Rat Reinhold Noz versprach zumindest „Kompromissbereitschaft“. Grünen-Fraktionschef Michael Vierling folgte zwar nicht der Ablehnung seines Kollegen Haller. Er sieht aber die Zeit gekommen, die Pläne für einen Brennstoffzellenzug sowie ein BRT-System fallen zu lassen und „die ganze Energie in eine Stadtbahn zu stecken“.

BRT-Trassen werden untersucht

In der Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, zwei BRT-Trassenvarianten untersuchen zu lassen: Die eine führt vom Stadtteil Oßweil zum Bahnhof, die andere vom westlichen Stadtrand (Waldäcker) zum Bahnhof. Außerdem legten die Gemeinderäte einen Finanzierungsschlüssel als Verhandlungsvorgabe fest. Demnach soll der Landkreis 50 Prozent der Planungskosten für die Bahnreaktivierung und Stadtbahn tragen. Den Rest teilen sich die Kommunen, gewichtet nach Einwohnerzahl sowie Zahl der Haltestellen (die BZ berichtete).

Landrat Haas äußerte in einer Stellungnahme am Donnerstag seine Verwunderung, „vor allem, weil das Verkehrsministerium erst kürzlich noch dafür geworben habe, alle Argumente für die Hoch- und Niederflurbahn nochmal neu zu betrachten“. Die von OB Spec ins Spiel gebrachten wasserstoffbetriebenen Züge seien vom Landesverkehrsministerium mit erheblichen Fragezeichen versehen worden, „weil sie nicht annähernd so schnell realisiert werden könnten, wie das glauben gemacht wurde“, so Haas. Wenn erst die BRT-Busse unterwegs seien, „dann muss dem ärgsten Befürworter einer Niederflurstadtbahn spätestens klar werden, dass diese Busse für die Niederflurtechnologie das Aus bedeuten könnten“, sagte der Landrat weiter.

Im Gegensatz zur Stadtspitze Ludwigsburgs habe er von Anfang an erklärt: „Wir wollen eine Stadtbahn ohne Wenn und Aber“, betont Haas. Es sei daher nicht nachvollziehbar, „dass hier voreilig eine Tür zugeschlagen wurde“.

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