Mit Spannung verfolgten die Kandidaten und interessierte Bürger am Montagnachmittag im Foyer des Rathauses die Auszählung bei der Gemeinderatswahl in Ludwigsburg, wo die Ergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken nach und nach einliefen. Was die Wahl diesmal so interessant und auch schwer einschätzbar machte: Fast die Hälfte der bisherigen Gemeinderäte in der Kreisstadt hatte nicht mehr kandidiert.

Bald schon war klar, dass es für die CDU ein erfreulicher Wahlabend werden würde. Mit 26,7 Prozent der Stimmen (bisher 24,8 Prozent) gelang es der Union, ihre Position als stärkste Partei im 40-köpfigen Kommunalparlament zu verteidigen und sogar noch zuzulegen. Statt zehn stellt die CDU nun elf Räte. Er sei "sehr zufrieden", bewertete der Fraktionschef Klaus Herrmann das Ergebnis. Das Ziel, die Zahl der Sitze zu erhöhen, sei erreicht worden. Die Verluste, die die Partei 2009 erlitten hatte, hätten zum Teil wettgemacht werden können.

Spitzenkandidat Herrmann selbst holte 15.518 Stimmen und blieb damit nur knapp hinter dem Stimmenkönig aus der SPD, Hubertus von Stackelberg (15.598 Stimmen). Die weiteren wiedergewählten CDU-Kandidaten sind Reinhold Noz, Claus-Dieter Meyer, Thomas Lutz, Dr. Ingo Schwytz und Elke Kreiser. Neu im Gremium sind Volker Lutz, Maik Stefan Braumann, Christian Köhle, Wilfried Link (er gehörte dem Gemeinderat allerdings früher schon einmal an) und Dr. Uschi Traub.

Auch Margit Liepins (SPD) zeigte sich entspannt, nachdem sich der erste Trend bestätigt hatte: Die Sozialdemokraten konnten ihre Stärke mit acht Mitgliedern halten. Das sei nicht selbstverständlich gewesen, so Liepins, denn mit dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden Dr. Eckart Bohn, Peter Griesmaier und anderen waren eine ganze Reihe von SPD-Räten nicht mehr angetreten. Mit 18,5 Prozent der Stimmen blieb die SPD fast unverändert (2009 waren es 18,7 Prozent). Mit Hubertus von Stackelberg, Margit Liepins, Dieter Juranek und Eberhard Daferner verteidigen vier SPD-Räte ihr Mandat. Verstärkt werden sie durch Dr. Daniel OSullivan, Annegret Deetz, Ulrike Faulhaber und Regina Orzechowski.

Die Freien Wähler, die mit 17,6 Prozent ebenfalls etwa gleich geblieben sind, werden im neuen Ludwigsburger Gemeinderat mit Reinhardt Weiss, Gabriele Moersch, Florian Lutz, Bernhard Remmele, Andreas Seybold, Hermann Dengel und Andreas Rothacker wieder sieben Räte stellen. Auch bei ihnen gab es viele Veränderungen, unter anderem hatte Fraktionschef Roland Glasbrenner nicht mehr kandidiert. Vor diesem Hintergrund müsse man zufrieden sein, meinte FW-Rätin Gabriele Moersch. Allerdings: "Ein Sitz mehr wäre schön gewesen." Dadurch schaffte es auch Wilfried Blickle, der frühere Chef des Forums, nicht in den Rat.

Über diesen zusätzlichen Sitz können sich dagegen die Grünen freuen. Sie steigerten ihren Stimmenanteil von 17,5 auf 19,9 Prozent und stellen dadurch künftig acht statt sieben Mitglieder. Zudem: "Wir sind zweitstärkste Kraft geworden", freute sich Anita Klett-Heuchert, die selbst nicht mehr angetreten war. Folgende Räte werden für die Grünen in den Gemeinderat einziehen: Andreas Kasdorf, Elfriede Steinwand-Hebenstreit, Laura Wiedmann, Prof. Michael Vierling, Dr. Christine Knoß, Markus Gericke, Edith Haberzeth-Grau und Armin Haller.

Des einen Freud war im Rathausfoyer des anderen Leid: Die FDP stürzte von 9,8 auf knapp sechs Prozent ab, wodurch sich die Zahl ihrer Sitze von vier auf zwei halbiert und sie den Fraktionsstatus verliert. Besonders bitter: Fraktionschef Martin Müller wurde nicht mehr gewählt, ebenso wenig Dr. Hans Ulrich Jordan.

Die Liberalen werden wiederum durch ihren bewährten Fahrensmann Johann Heer vertreten sein, hinzu kommt Jochen Eisele. Müller bezeichnete das Abschneiden der FDP als "desaströs" und suchte noch nach Erklärungen. Heer machte vor allem den Bundestrend dafür verantwortlich.

Die Linke steigerte ihre Stimmenzahl von 3,6 auf 5,2 Prozent, was zwei Mandate statt bisher einem bedeutet. Einziehen werden Claudia Dziubas und Oliver Kube.

Als Einzelkämpfer werden im Gemeinderat wiederum Elga Burkhardt (Lubu, 3,4 Prozent) und Harald Lettrari (Republikaner, 1,4 Prozent) ihre Fahne hochhalten. Es sei denn, es gelingt, Fraktionsgemeinschaften zu bilden.

Beteiligung bei 44 Prozent

Von den 66 952 Wahlberechtigten in der Kreisstadt Ludwigsburg machten 29 872 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 44,6 Prozent. 629 der abgegebenen Stimmen waren ungültig.