Ludwigsburg Geduldsprobe bei Feuertaufe: MTV Unplugged mit Cro im Scala

Ludwigsburg / GABRIELE SZCZEGULSKI 06.05.2015
Zum ersten Mal fanden am Montagabend im Scala in Ludwigsburg Aufzeichnungen für eine Fernsehsendung statt. MTV Unplugged mit Cro stellte die neuen technischen Errungenschaften der sanierten Kultstätte - und die Geduld des Publikums - auf die Probe.

Schon einige Zeit vor Beginn der Aufzeichnung von MTV Unplugged mit Cro, dem Rapper mit der Pandamaske, am Montagabend im Scala standen die geladenen Gäste Schlange. Unnötig eigentlich, denn es durfte sowieso keiner rein, der nicht geladen war, das mussten auch die einsehen, die trotzdem gekommen waren. Keiner wusste, dass dies der Auftakt zu einer sechsstündigen Geduldsprobe war: Solange dauerten die Aufnahmen insgesamt für das Publikum mit Wartezeit, eingeschlossen im Scala-Kinosaal - ohne Getränke und die Möglichkeit, selbigen zu verlassen. Nach drei Stunden gab es eine zehnminütige Pause und dann ging die Aufzeichnung weiter - nicht so gelungene Szenen des Konzerts wurden wiederholt.

Leider gelang es Cro nicht, die Fans solange bei gleichbleibend guter Laune zu halten, die Zuschauer-Begeisterung blieb über die gesamte Zeit eher verhalten. Der Sänger selbst aber twitterte am Dienstag gegen 1 Uhr, "geil war's".

Später wird der geneigte MTV-Gucker oder DVD-Käufer auf dem 90-minütigen Mitschnitt von der harten Geduldsprobe der Zuschauer im Scala aber nichts mitbekommen, außer, dass die Euphorie deutlich nachließ und auch im Vergleich zu anderen Unplugged-Shows nicht gerade überschäumend war. Das lag auch daran, dass die mit Streichern, Bläsern und Chor unterstützten Songs nicht ganz Cros Sache waren. Heraus kamen gemäßigte Rapsongs im Fifties-Swing-Stil, zu gut, zu melodiös, zu harmonisch. Weit weg von Cros wirklichem "Raop".

Nicht nur für Cro, dem mit 25 Jahren jüngsten Musiker in einer MTV-Unplugged-Show, war es eine Premiere, auch das Scala hatte seine erste große Fernsehaufzeichnung. Drei Tage lang, so erzählte Scala-Live-Geschäftsführer Edgar Lichtner, war die Kultstätte im Ausnahmezustand - solange probten die beteiligten Künstler und das Fernsehteam, damit am Montagabend alles klappte. Und es klappte. "Das Scala ist auf dem technisch modernsten Level, das zeigte sich jetzt", so Lichtner. Zehn Kameras, ein an die 30 Mann starkes Aufnahmeteam und unzählige Helfer hatte die Produktionsfirma Chimperator-Live aufgestellt, damit die Sendung und die am 3. Juli erscheinende DVD des Cro-Unplugged-Konzerts perfekt wird.

Dass es kein normaler Konzertabend im Scala war, zeigten nicht nur die strengen Bodyguards am Eingang, die jeden Winkel einer Damenhandtasche durchsuchten, auch alle Handys mussten abgegeben werden. Keine Ausnahme wurde gemacht, nicht nur um die kabellose Fernsehaufnahme nicht zu stören, sondern auch, um zu verhindern, dass vor der Ausstrahlung der Sendung und dem Erscheinen der DVD Fotos und Videos um die Welt gehen.

Das Publikum: 350 von MTV, dem Scala und Cro eingeladene Gäste. Neben Oberbürgermeister Werner Spec und Kulturamtsleiterin Wiebke Richert saß auch Fußballweltmeister Sami Khedira auf der Empore - ein enger Freund des Sängers. Khedira harrte die gesamte Aufzeichnung geduldig aus, legte aber doch des Öfteren sein müdes Haupt auf die Balustrade. Denn die Länge der Aufnahme führte zu Ermüdungserscheinungen im Publikum, das zum Ende der Show nicht mehr die gewünschte Begeisterung zeigte.

Cro selbst gab alles. Und da der 25-Jährige nicht der geborene Alleinunterhalter ist, lud er sich Gäste ein: Spektakulärste Besucher waren da sicher die Prinzen, mit denen keiner gerechnet hatte und über deren Besuch großes Stillschweigen geherrscht hatte. Auch Fabian Leibfried, der Vaihinger Herausgeber der Musikzeitschrift "Good Times", war von den befreundeten Prinzen eingeladen worden, durfte aber nichts verraten. Mit den Prinzen sang Cro ein Medley aus "Alles nur geklaut" und "Ich wär so gerne Millionär", um dann zu einer außergewöhnlichen A-capella-Version seines eigenen Tophits "Einmal um die Welt" überzuleiten. Dies war sicher ein Höhepunkt der Show, als "die Helden meiner Jugend", so gestand Cro, mit dem Jungrapper sangen. Neben Weggefährten wie den "Orsons", oder Sänger Teesy kam auch noch Max Herre für ein Lied vorbei, der mit Cro in alten Stuttgarter Zeiten schwelgte. Außerdem der Gangsta-Rapper "Haftbefehl". Gezeigt wurde auch ein Gangster-Film mit Cro in der Hauptrolle, der fiktiv seine Verspätung im Scala erklären sollte. Alle Songs wurden, so die Produktionsfirma, einem Film-Genre zugeordnet, was leider nicht ersichtlich wurde, und daraus kleine Sets von fünf bis sechs Songs zusammengestellt. Die Kurzfilme sollten als Überleitung dienen.

Für das Scala Ludwigsburg war die erste große Fernsehaufzeichnung eine erfolgreiche. Alles funktionierte einwandfrei. Ärgerlich für das Scala war nur, dass Cro, Max Herre und Co. an die hundertmal "Hallo Stuttgart", "Stuttgart ist klasse" oder "Schtuggi lebt" skandierten, wohl wissend, als Schwaben, dass sie sich in Ludwigsburg befanden. Auch der Name Scala fiel - leider - kein einziges Mal.

Ein Kommentar von Gabriele Szczegulski: Für Großes gerüstet

Nach der Aufzeichnung von MTV Unplugged im Scala in Ludwigsburg mit Sänger Cro hat sich der lokale Geheimtipp in die Reihe der besonderen Aufnahmeorte eingereiht. Das Wiener Burgtheater, Schloss Schwetzingen, die Metropolitan Opera in New York - und nun das Scala Ludwigsburg.

Das wird nur der Anfang gewesen sein, denn es hat sich bewiesen: Das Scala und sein Team sowie die Stadt Ludwigsburg sind für Großes gerüstet. Noch vor 15 Jahren war das ehemalige Kino eine insolvente Bruchbude, die um ihre Fans kämpfen musste. Dank politischer Weitsicht ist es nun ein Veranstaltungsort, der bald in aller Munde sein wird. Die Anwesenheit von Oberbürgermeister Werner Spec bei der Fernsehaufzeichnung - sicher kein riesiger Cro-Fan - zeigte: Die Stadt steht voll und ganz hinter dem Scala. Sie steckte viel Geld in die Modernisierung der Bühnentechnik, des Lichts, der Aufnahmemöglichkeit. Nur dadurch ist es nun möglich, hier Großes stattfinden zu lassen. Dass Cro das Scala nicht ein einziges Mal während der Aufnahme nannte, wird dessen Zukunft nicht schaden.

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