Umsiedlung Gärtner siedeln im September um

Beim Spatenstich von links: Jürgen Dill, zweiter Vorsitzender der Gartenfreunde Ludwigsburg, Landschaftsarchitekt Hartmut Hehr, Bürgermeister Michael Ilk, Lena Hörter, Projektleiterin, Sabine Metzger, Vorsitzende Bezirksverband der Gartenfreunde Stuttgart und Thomas Link, Geschäftsführer von Link Garten- und Landschaftsbau.
Beim Spatenstich von links: Jürgen Dill, zweiter Vorsitzender der Gartenfreunde Ludwigsburg, Landschaftsarchitekt Hartmut Hehr, Bürgermeister Michael Ilk, Lena Hörter, Projektleiterin, Sabine Metzger, Vorsitzende Bezirksverband der Gartenfreunde Stuttgart und Thomas Link, Geschäftsführer von Link Garten- und Landschaftsbau. © Foto: Uwe Roth
Ludwigsburg / Von Uwe Roth 02.06.2017

Es kommt selten vor, dass eine komplette Schrebergartenkolonie umzieht. In Ludwigsburg passiert das von September an abschnittsweise. Dann nehmen die ersten Kleingärtner aus der etwa 1,5 Kilometer entfernten Anlage Frommannkaserne ihre neue Parzelle am alten Wasserturm in Besitz.

Bis zum Jahresende werden die von der Stadt beauftragten Landschaftsgärtner insgesamt 105 Gärten an- und 1,3 Kilometer Wasserleitungen verlegen. Im nächsten Frühjahr können die Mitglieder vom Verein der Gartenfreunde Ludwigsburg an ihrem neuen, sieben Hektar großem Standort ins Gartenjahr starten und mit der Aussaat beginnen.

Fläche zum Gewerbegebiet

Die Stadt Ludwigsburg beginnt parallel dazu nach längerer Wartezeit die aufgelassene Fläche zwischen Schwieberdinger und Schliefenstraße den angrenzenden Gewerbegebieten einzuverleiben. Zahlungskräftige Industriebetriebe haben lange schon Erweiterungsbedarf angemeldet.

Die künftige Kleingartenanlage am Römerhügel ist im Gegensatz zur alten idyllisch gelegen. Zum Norden hin geht der Blick weit über die Stadt hinaus. Die Rundumsicht erklärt, warum schon Kelten und Römer diesen Platz als Siedlungsfläche gewählt haben. Während unten der Autobahnzubringer und die nahe Autobahn selbst Lärm rund um die Uhr verbreiten, herrscht oben weitgehende Ruhe – vom gelegentlichen Lärm aus den gegenüberliegenden Berufsschulen abgesehen. Ein Problem, mit dem sich die Siedler vor 2000 Jahren nicht herumschlagen mussten.

Eine Win-Win-Situation für die Kleingärtner und die Stadt, die in die neue Anlage 3,8 Millionen Euro investiert, könnte man meinen. Doch zumindest ein Teil der Gartenfreunde verlässt ungern die angestammte Parzelle oder verweigert gar den Umzug.

In der noch bestehenden Kolonie gibt es 50 Gärten mehr als in der neuen vorgesehen sind. „Das passt“, stellt Baubürgermeister Michael Ilk angesichts der Umzugsverweigerer in seiner Rede vor dem Spatenstich fest. Von der Straße her kommend musste er auf einem Plakat lesen, er und der Oberbürgermeister seien „Gartenkiller“.

Sabine Metzger ist die Bezirksvorsitzende der Gartenfreunde. Sie sagt, den Kleingärtnern, die Jahrzehnte ihre Parzelle gepflegt hätten, werde mit der Übersiedelung „Enormes abverlangt“. Es falle ihnen nicht leicht, los zu lassen. Sie hält es mit dem Sprichwort, schließt sich eine Tür, öffnet sich eine neue. Nun gelte es, nicht der verschlossenen Türe nachzutrauern, sondern durch die neue zu gehen. Sie wisse es zu schätzen, dass in einem Ballungsraum eine Gartenanlage nicht einer Bebauung weichen muss, sondern an anderer Stelle neu entsteht. Eventuell kommen manche Kleingärtner mit der Offenheit der Anlage nicht klar, von der Ilk spricht. Wie es der Name Frommannkaserne andeutet, sind die Gärten von der Umgebung bislang mit einem großen Zaun abgeschottet. Außenstehende haben keinen Zutritt.

Zäune und Hecken

Auch in der Anlage wird es Zäune und Hecken mit einer Gesamtlänge von zwei Kilometern geben, aber es werden auch 40 Bänke aufgestellt und 150 Bäume gepflanzt, wie der Baubürgermeister betont. Das Areal wird dem grünen Gürtel zugerechnet, der nach und nach rund um die Stadt entsteht, und daher zumindest zwischen den Parzellen allen Bürgern offensteht.

Der planende Landschaftsarchitekt Hartmut Hehr spricht von einem Kulturlandschaftspark. Er musste in kürzester Zeit die Planungen abschließen, sagt er. Es sei sportlich zugegangen. Eine Zeitverzögerung verursachten die Archäologen des Landesdenkmalamts.

Sie gingen den Spuren der Kelten und Römer nach, fanden am Ende aber doch nichts Spektakuläres, wie sie sich es anfangs erhofft hatten. Eventuell soll ein Brunnen aus römischer Zeit erhalten bleiben und in die Anlage integriert werden, kündigt der Baubürgermeister an.