Ludwigsburg Gabriele Nießen will „genau zuhören“

Die neue Ludwigsburgs Rathausspitze (von links): Konrad Seigfried, Gabriele Nießen, Oberbürgermeister Werner Spec und Michael Ilk.
Die neue Ludwigsburgs Rathausspitze (von links): Konrad Seigfried, Gabriele Nießen, Oberbürgermeister Werner Spec und Michael Ilk. © Foto: Ludwigsburgs Bürgermeister Konrad Seigfried, Gabriele Nießen, OB Werner Spec, Michael Ilk. Foto: Uwe Roth
Ludwigsburg / Uwe Roth 09.11.2018

Gabriele Nießen wird von März an die Riege der beiden Ludwigsburger Bürgermeister Konrad Seigfried und Michael Ilk erweitern. Der Gemeinderat hat am Mittwoch die 54-jährige Ingenieurin, die derzeit als Stadtbaurätin im niedersächsischen Oldenburg amtiert, zur Baubürgermeisterin ernannt. In geheimer Wahl stimmten 29 der 37 wahlberechtigten Ratsmitglieder (inklusive Oberbürgermeister Werner Spec) für Nießen.

Sechs Gegenstimmen

Sechs Ratsmitglieder votierten gegen die Alleinkandidatin und zwei enthielten sich. Die erfolgreiche Kandidatin wird in der Stadtverwaltung das neu geschaffene Dezernat IV leiten, das sich aus den Bereichen Baurecht, Stadtplanung, Liegenschaften und Vermessung zusammensetzt. Zudem erhält die neue Bürgermeisterin eine Stabstelle für die Themen Klima, Europa und Energie.

Für den Städtebau war bislang Michael Ilk zuständig, der aktuell die Bezeichnung Baubürgermeister trägt. Der 55-Jährige soll sich künftig schwerpunktmäßig um Mobilitätsfragen, den Tiefbau und die Sicherheit in der Stadt kümmern. Insbesondere werden ihn wohl die Einführung eines geplanten Schnellbussystems (BRT) und der Bau eines Gleisnetzes für eine Niederflurbahn im Stadtgebiet beschäftigen. Der Ausbau der Rathausspitze war im Vorfeld insbesondere von den Grünen gerügt worden. Spätestens mit dem Scheitern der Bewerbung um eine Landesgartenschau ist aus deren Sicht die Schaffung einer zusätzlichen Bürgermeisterstelle und eines weiteren Dezernats mit zusätzlichen Mitarbeitern überflüssig geworden. OB Spec wiederum rechtfertigte den dritten Bürgermeisterposten mit dem anhaltenden Wachstum der Stadt. Bei annähernd 100 000 Einwohnern sei mit Blick auf andere Städte gleicher Größenordnung eine Vierer-Riege an der Spitze der Verwaltung nicht unüblich. Gabriele Nießen ist in Düsseldorf aufgewachsen. In Kaiserslautern hat sie Raum- und Umweltplanung studiert. Anfang der 1990er-Jahre kam sie ins renommierte Planungsbüro von Speer und Partner in Frankfurt.

Insgesamt 15 Jahre arbeitete sie dort. „Ich hatte dort die höchste Hierarchiestufe erreicht und wollte aus der Planung in die praktische Umsetzung“, begründete sie in ihrer Vorstellung in der Gemeinderatssitzung den Wechsel in „die kommunale Familie“, wie sie sich ausdrückte. Nach einer Zwischenstation in Eschwege (Nordhessen) kam sie 2011 in die 166 000 Einwohner große Stadt Oldenburg, westlich von Bremen. Damals sei sie einstimmig in ihr Amt gewählt worden, berichtete Nießen, die betonte, parteilos zu sein. Auch für die anstehende Wiederwahl im kommenden Jahr habe eine Mehrheit des Oldenburger Rats ihre Zustimmung signalisiert.

Doch in Niedersachsen habe der OB das alleinige Vorschlagsrecht. Jürgen Krogmann (SPD) habe die Zusammenarbeit jedoch kompromisslos beenden wollen. Ludwigsburg habe sie am 20. Oktober erstmals kennengelernt, als sie von der Personalfindungskommission zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden war, führte Nießen in der Sitzung am Mittwoch weiter aus. „Ludwigsburg – das ist echt weit weg von Oldenburg“, stellte sie fest, um gleichzeitig zu versichern, dass ihr Ludwigsburg sofort als „lebens- und liebenswerte Stadt“ aufgefallen sei.

Kaum zweimal im Rathaus gewesen, ist sie nun auf Wohnungssuche, die nach ihrer ersten Erfahrung voraussichtlich noch schwieriger ausfallen werde, als befürchtet. Nießen beabsichtigt den Umzug mit ihrem Mann und den drei Kindern zwischen 14 und 18 Jahren. Nach ihrer kurzweiligen, 20-minütigen Vorstellungsrede kam lediglich eine Frage aus dem Kreis der Gemeinderäte: Wie sie ihre Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat beschreiben würde, fragte Grünen-Fraktionschef Michael Vierling. Nießen antwortete, sie sehe ihre Aufgabe vor allem darin, dem Gemeinderat „genau zuzuhören“. Aus ihrer Erfahrung entwickle die Verwaltung oftmals Konzepte, die letztlich daran scheiterten, dass die Verwaltung dem Rat „nicht richtig zugehört hat“.

Das vierte Dezernat der Stadt Ludwigsburg

In Ludwigsburg gab es von 1991 bis 1999 bereits ein viertes Dezernat. Cornelia Lange leitete es bis es 1999 aufgelöst wurde. Lange ist seit 1999 Leiterin der Abteilung Familie im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration in Wiesbaden. hevo

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel