Ludwigsburg Fulminanter Abschluss

Das Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele mit Stargeiger Pinchas Zuckerman.
Das Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele mit Stargeiger Pinchas Zuckerman. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / BETTINA NOWAKOWSKI 27.07.2015
So wie die Ludwigsburger Schlossfestspiele eröffnet wurden, so endeten sie auch: mit einem fulminanten Abschlusskonzert voller Virtuosität und Dramatik, das das Publikum absolut begeisterte.

Vier leise Paukenschläge eröffneten am Samstag den Abschlussbend der Ludwigsburger Schlossfestspiele und waren die Einleitung zu Ludwig van Beethovens "Violinkonzert D-Dur op. 61". Bombastische Paukenschläge beendeten das Konzert im Finale von Dmitri Schostakowitschs "Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47". Geradezu symptomatisch für das, was die Ludwigsburger Schlossfestspiele in dieser Saison boten: Neue Einblicke in scheinbar bekannte Werke, individuelle Interpretationen, die von einer unbändigen Spielfreude geprägt waren.

Der erste Teil des Abends im ausverkauften Forum präsentierte eine Komposition, die als Meilenstein der klassischen Musik gilt: Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur war zu seiner Zeit revolutionär und ist heute eines der Meisterwerke, das jeder Violinist mindestens einmal in seinem Leben gespielt haben muss.

Mit Pinchas Zukerman war einer der ganz Großen seiner Zunft zu hören. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist der Stargeiger auf allen Bühnen der Welt zu Hause. Als ehemaliger Schüler von Ivan Galamian ist sein Geigenspiel ganz anders geprägt als das heutiger, jüngerer Violinisten. Viel näher an der Komposition, mit Ausdruck und von so schlichter Klarheit und von einer Intensität, die nicht unberührt lässt.

Die Chemie stimmte zwischen dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele und dem Starvirtuosen. Ganz ungewöhnlich Zukermans zwischenzeitliches Mitspielen mit dem Orchester, ein Indiz dafür, dass ihm das Zusammenspiel sichtlich Freude bereitete. Mit großer Entspanntheit, die nur wirkliche Meister ihres Fachs erreichen können, begeisterte sein Spiel das Publikum. Tosender Beifall, der nicht enden wollte, und den Pinchas Zukerman sich mit der außergewöhnlichen Leistung des Orchesters und des Chefdirigenten Pietari Inkinen teilte.

Der zweite Teil des Abends war dem russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch gewidmet. Seine Sinfonie Nr. 5, die 1937 in Leningrad uraufgeführt wurde, galt damals als großer Erfolg und wurde von ihm selbst als "praktische Antwort eines sowjetischen Künstlers auf gerechte Kritik" offeriert, nachdem er beim sowjetischen Regime in Ungnade gefallen war. Heute steht die Sinfonie für die von Schostakowitsch entwickelte Stilistik einer Doppelbödigkeit und hintergründigen Überzeichnung des zu Stalins Zeiten propagierten Ideals eines sozialistischen Realismus.

Mit all der monumentalen Wucht an Pathos und Dramatik präsentierte das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele die Komposition. Dirigent Pietari Inkinen und das Orchester erwiesen sich als eine inzwischen homogene Gemeinschaft, die mit Herzblut spielte und sich zu absoluter Spitzenleistung steigerte. Dementsprechend gab es lang anhaltenden Applaus und begeisterte Stimmen der Konzertbesucher: "Ich bin immer noch völlig hin und weg", so eine Zuschauerin. "Ein bombastischer Abend, in jeder Beziehung, sozusagen noch mal die Krönung von allem, was hier geboten wurde." Auch Intendant Thomas Wördehoff war begeistert: "Diese glühende Intensität bei Beethoven und dann die gewaltige Entladung bei Schostakowitsch: eine spitzenmäßige Leistung von allen." Das Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele brachte das erfolgreiche Konzept auf den Punkt: Eine großartige Saison mit hochkarätigen Künstlern und einer Vielfalt an Aufführungen, die es in dieser Art so nur bei diesen Festspielen gibt.

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