Ludwigsburg / GÜNTHER JUNGNICKL  Uhr
Sollen Flüchtlingshelfer von ihren Arbeitgebern freigestellt werden wie Feuerwehrmänner? Den Vorschlag hat DRK-Präsident Rudolf Seiters vor kurzem gemacht.

Für den DRK-Kreisvorsitzenden und Landrats-Stellvertreter Dr. Utz Remlinger ist es noch nicht ganz so weit. "Erst wenn von Landrat Dr. Rainer Haas der Katastrophenalarm ausgelöst würde, dann müsste der Landkreis den Verdienstausfall von ehrenamtlichen Helfern bezahlen", klärt er die derzeitige Rechtslage. Trotz der ständig steigenden Zahl von Kriegsflüchtlingen und anderen Asylbewerbern hat die Landkreisverwaltung jedoch momentan die Situation noch unter Kontrolle. Vom DRK würden derzeit immer wieder professionelle Zugbegleiter für Flüchtlingstransporte von Passau gebraucht und es gebe auch eine gewisse Nachfrage nach Sanitätseinheiten.

Allerdings müssten die Zahlen für das Flüchtlingskontingent des Landkreises ständig nach oben korrigiert werden, sagt Remlinger. Bisher wurden in diesem Jahr Unterkünfte für insgesamt 3750 Asylbewerber bereitgestellt, "aber allein im November werden wir 1390 weitere aufnehmen müssen". Es sei einfach keine klassische Vorplanung mehr möglich, klagt der DRK-Chef, und die 30 geplanten Projekte für Wohnungen oder Wohncontainer könnten nicht so schnell umgesetzt werden.

Immerhin seien bisher 114 Unterkünften bereitgestellt worden und in nahezu jeder der 39 Kommunen des Landkreises Ludwigsburg inzwischen auch Asylkreise aktiv. Es seien vor allem die Kirchengemeinden und sozial engagierte Menschen, die versuchten, die langen Wartezeiten der Asylsuchenden in ihren Notunterkünften mit sinnvollen Tätigkeiten wie Sprachkurse, Sport, und Musik zu überbrücken.

Immer schwieriger werde es indessen, genügend qualifizierte Sozialarbeiter zu rekrutieren, die sich mit einem Schlüssel von 1:140 um die Neuankömmlinge kümmern sollten. "Obwohl wir unser Personal ständig aufstocken", so Remlinger.

Für Jochen Haller, Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, ist Freistellung für engagierte Flüchtlingshelfer noch kein Thema. Zumindest habe es auf den Seiters-Vorstoß noch keine Reaktion aus den Betrieben gegeben. Die hätten viel mehr noch an dem Freistellungsgesetz der Landesregierung für Weiterbildungsmaßnahmen zu kauen, das auch die Kammer abgelehnt hatte, weil berufliche Fortbildung schon bisher immer von den Unternehmen betrieben werde. Auch bei der Kreishandwerkskammer gibt es noch keine Reaktionen auf das Freistellungsbegehren. Bekannt sind dort allerdings auch die Probleme in Sachen Tagesverfügbarkeit von Feuerwehrmännern, die in Handwerksbetrieben tätig sind. Denn da auch sie heute in der ganzen Region unterwegs sind, können sie nicht rechtzeitig vor Ort sein, wenn's mal brennt.

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