Ludwigsburg Freispruch von sexuellem Missbrauch

HEIKE ROMMEL 01.02.2014
Freispruch lautete das Urteil des Ludwigsburger Jugendgericht über einen 33-jährigen Mann, der wegen sexuellen Missbrauchs einer Elfjährigen angeklagt war.

Auf dem Anklagestuhl des Ludwigsburger Jugendgericht saß ein Mann mit einer nicht unproblematischen Vergangenheit. Er war wegen seiner finanziellen Angelegenheiten unter Betreuung gestellt worden. Darüber hinaus kämpft der Angeklagte aus Vaihingen mit einer Alkohol- und Spielsucht.

Die Staatsanwaltschaft legte ihm zur Last, am Abend des 14. Oktober 2012 am Ludwigsburger Bahnhof einem elfjährigen Mädchen erst Küsse auf die Wange gegeben und ihr dann an die Brust gefasst zu haben. Der Angeklagte bestritt das Vergehen und führte an, er sei im Alter von 15 Jahren während einer Internatsfreizeit durch eine Vergewaltigung einmal selbst zum Opfer einer Sexualstraftat geworden. Über das vermeintliche Opfer sagte er, er kenne das Mädchen über eine Freundin, die wiederum mit der Mutter befreundet sei. Die Elfjährige habe er zur Begrüßung lediglich auf die Wange geküsst. Von Ludwigsburg aus sei die Fahrt dann auf den Cannstatter Wasen gegangen.

Das Mädchen, zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung 13 Jahre alt, berichtete, der Angeklagte habe am Bahnhof versucht, sie zu küssen. Sie habe gesagt: "Ne, ich will das nicht." Daraufhin wollte sie der Mann dann an den Brüsten anfassen. Das Mädchen führte weiter aus, der Angeklagte habe nicht nur am Bahnhof versucht, es zu berühren, sondern auch auf dem Wasen. Ihre Aussage kam jedoch ins Wanken, als eine Polizeibeamtin in den Zeugenstand trat. Diese sprach davon, dass die Annäherungsversuche von dem Kind, das schon recht weit entwickelt gewesen sei, erst gar nicht als unangenehm empfunden worden seien. Ohne die Mutter des Kindes, bei der die Alarmglocken geschrillt hätten, wäre es wohl nicht zu einer Anzeige gekommen.

Der Staatsanwalt war für sein Plädoyer im Wesentlichen auf die Angaben des Mädchens angewiesen und konnte auf diese keine Forderung nach einem Schuldspruch stützen. Um dem Angeklagten die Tatvorwürfe nachweisen zu können, bestanden zu viele Zweifel, weshalb das Gericht auf Freispruch entschied. Aber eines wollte das Gericht dem Mann auf den Weg geben: sich gegenüber Kindern und Jugendlichen in Zukunft altersentsprechend zu verhalten.