Rechts und links liegen flache, bunt verzierte Kissen auf der Bühne. Am hinteren Vorhang stehen leuchtende orientalische Laternen, eine große leuchtet über der Bühne. Langsam erlischt das Licht im Saal, das Publikum wird erwartungsvoll still. Eine hektische Musik erklingt. Acht Tänzer, in dunkle Straßenkleidung gehüllt, betreten barfuß die Bühne. Nur ihre Füße sind beleuchtet. Ein Sound kreiert von Klavier, Zither und Geigen. Die Tänzer rennen stockend, tasten sich dann wieder vorsichtig voran.

Sieben Tänzer, eine Tänzerin

Am Samstag war das marokkanische Tanzensemble Danser Casa zu Gast im gut besuchten Forum in Ludwigsburg. Sieben Tänzer und eine Tänzerin, allesamt in Casablanca lebend, erlernten unter der Leitung der Choreographen Kader Attou und Mourad Merzouki eine Art getanztes Theaterstück. Sie kreierten ein Kollektiv aus Tänzen und Choreographien aus Hiphop, Breakdance, Popping, Brazzaville und zeitgenössischem Tanz, gepaart mit Elementen aus der Zirkusartistik und dem Kampfsport.

Eine verzweifelte Geigen- und Gitarrenmusik setzt ein. Der erste Tänzer beginnt fließende Bewegungen zu formen, steht auf, beginnt seinen Tanz. Nach und nach schließen sich die anderen an und präsentieren Schritte aus dem Breakdance. Ein Tänzer wagt mit der einzigen Tänzerin im Ensemble einen Paartanz. Sie wägen sich in Sicherheit, als unter den anderen Männern Wut und Eifersucht ausbrechen. Ein getanzter Kampf wird entfacht, mit Akrobatik, Salti und Flickflacks. Es zeigt die Geschichte einer Liebe, die andere angreifen und verhindern wollen. Ein Hahnenkampf beginnt. Mit lässigen Hebefiguren nehmen sich die Tänzer stets den vordersten Platz weg.

Endlich traut sich das Publikum in einem Moment der Stille zu applaudieren. Weitere Geschichten beginnen, gespickt mit Elementen aus der marokkanischen Folklore, mit arabischen Gesängen, spannenden Lichteffekten. Den Höhepunkt stellt eine getanzte Revolte dar. Eine Rebellion gegen das System, gegen Vorurteile, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.

Proben begannen 2016

Mitte 2016 begannen die ersten Vorbereitungen für das Tanzprojekt. Ende 2016 folgte das Casting in Casablanca, an dem rund 180 Tänzer teilgenommen haben. Im Juni 2018 wurde das Stück beim Festival Montpellier Danse uraufgeführt.

Die Kondition und das Durchhaltevermögen der Tänzer über eine Stunde ohne Pause zu tanzen, zeugt von viel Arbeit und Hingabe. Die Liebe zum Tanz und zur eigenen Kultur ist deutlich sichtbar und steckt auch das begeisterte Publikum an. Danser Casa zeigt mit der Performance, dass Tanz eine universelle Sprache ist, die verbindet.