Sie sind jung, sie sind leidenschaftlich und sie haben viele Ideen: die Studierenden der Filmakademie. So wie Philipp Raube (Marketing), Katja Ginnow (Regie), Janett Lederer (Drehbuch), Mona Cathleen Otterbach (Bühnenbild) Ina Blus (Produzentin) und Dominik Moos (Kamera).

Für den Abschluss des dritten Studienjahres müssen die sechs Studierenden im Alter zwischen 25 und 31 Jahren einen Film drehen, dafür brauchen sie Geld. 10.000 Euro bekommen sie dafür von der Filmakademie, mit ihrer Filmidee gewann die Gruppe den Caligari des Fördervereins der Akademie, das sind 5000 Euro. "Uns fehlen jetzt noch ungefähr 7000 Euro", sagt Ina Blus, die Produzentin. Also kostet der Film insgesamt 22.000 Euro - wenig Geld für einen 40-Minüter, der in Mecklenburg-Vorpommern gedreht werden soll. "Wir selbst machen alles umsonst, nutzen die Technik und vorhandene Materialien der Filmakademie, aber wir brauchen Geld für Übernachtung und Verpflegung, auch für die kostenlos arbeitenden Schauspieler", sagt Mona Cathleen Otterbach, die Bühnenbildnerin.

"Nadryw - Der Tag im Dezember, der außergewöhnlich warm war", heißt der Film und er spielt 1990 in einem Ferienort an der Ostsee. "Nadryw" ist die russische Vokabel für emotionale Spannung schlechthin. Sie ist ein Schlüsselbegriff im Werk des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski, erklärt Katja Ginnow.

Und das ist die Drehbuchidee von Jannet Lederer: 1990 - Die DDR ist aufgelöst. Alte Traditionen werden abgeschafft, wie der "Pioniergeburtstag", der alljährlich am 13. Dezember gefeiert wurde und an dem die zehnjährigen Pioniere ihr lang ersehntes rotes Halstuch bekamen. Der Held des Films, Juri Malchow, ein zehnjähriger Junge, eben nicht, weil es den "Pioniergeburtstag" nicht mehr gibt. "Das gefällt unserem Helden gar nicht", sagt Regisseurin Katja Ginnow. Entführt wird kurzerhand ein bekannter West-Schauspieler, der nach der Wende Urlaub in dem Ostseeort macht, um Bundeskanzler Helmut Kohl zu erpressen, den "Pioniergeburtstag" wieder einzuführen.

Die Geschichte mit dem nicht bekommenen roten Halsband für Pioniere, so sagt Janett Lederer, hätte sie auf einer Party gehört. "Man will es nicht glauben, aber es gibt viele Männer, die das erlebt haben und es unglaublich ungerecht fanden, dass sie kein Pionierhalstuch bekamen", sagt Katja Ginnow, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist.

Aus dem Ostalgie-Stoff soll eine Komödie werden, "eine sehr bunte, keine graue, wie die meisten Ostalgie-Filme", sagt die Regisseurin. Erste Sichtungsfahrten nach Mecklenburg-Vorpommern hat das Team schon hinter sich und ist dort auf große Zustimmung für das Projekt und viel Unterstützungswillen gestoßen. Gedreht wird wahrscheinlich in dem Dorf Lassan an der Peene, einem der kleinsten Orte in Deutschland, so Ginnow.

Der dortige Bürgermeister hat seine Hilfe schon zugesagt. Auch das Casting für die Schauspieler ist in vollem Gange, "wir sind kurz vor der Entscheidung für unsere Hauptperson Juri", so Katja Ginnow. Im Juni soll gedreht werden, "deshalb der Untertitel mit dem warmen Dezembertag, weil es im Juni halt nicht aussieht wie im Winter, aber wir können es uns nicht leisten, erst im Dezember zu drehen", sagt die Regisseurin.

Jetzt fehlen nur noch die 7000 Euro, um das ambitionierte Projekt zu realisieren. Dafür, so erzählen die Studierenden, kam Philipp Raube auf die Idee mit dem Crowdfunding. Auf der Seite www.start-next.com haben sie einen Projektauftritt, mit Einspielern, genauer Beschreibung und Bildern. Jeder, der Geld einzahlt, bekommt auch etwas dafür: Je nach Höhe der Einlage darf er Komparse sein, bekommt eine DVD, eine Einladung zur Premierenfeier, eine limitierte Essensmarke der Filmakademie, Ostalgie-Give-aways, ein Tag am Filmset. Für 5000 Euro, die Höchsteinlage, bekommt der Financier ein Leben lang Bananen. Ab fünf Euro kann man mitmachen. 1100 Euro sind derzeit schon aquiriert worden. Noch bis 11. Mai kann man den Film finanziell unterstützen oder aber sich beim Team melden, um andersweitig zu unterstützen.

Noch ein Aspekt ist wichtig bei der Filmrealisierung: Es soll ein "grüner" Film werden, denn das Team will sich um den "Grünen Drehpass" bewerben. Dabei muss auf Umweltschutz, Müllvermeidung, Recycling und Nachhaltigkeit geachtet werden.

Crowdfunding

Erklärung Crowdfunding kommt von Englisch "crowd" für "Menschenmenge", und "funding" für "Finanzierung", deutsch auch "Schwarmfinanzierung". Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte und Produkte mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen Mitteln, in Deutschland in der Regel in Form geteilter Darlehen oder stiller Beteiligungen, unterstützen.

Financiers Kapitalgeber sind folglich eine Vielzahl von Personen - in aller Regel sind das Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist online aufgerufen wird. Das Besondere beim Crowdfunding von Kulturprojekten ist also, dass eine Vielzahl an Menschen - die "Crowd" - zum Beispiel einen Film finanziell oft erst ermöglicht.