Immer mehr Elektro-Autos und Hybridfahrzeuge sind auf den Straßen in der Region unterwegs. Im Landkreis Ludwigsburg sind aktuell nach Angaben des Landratsamts 332 706 Autos zugelassen (Stand 31. Juli). Davon sind bis jetzt lediglich 1467 Elektroautos und 3549 Hybrid-Fahrzeuge. Das heißt, dass momentan 1,51 Prozent aller im Landkreis zugelassenen Wagen einen Elektroantrieb haben. Aber die Zahlen steigen, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Feuerwehren mit solchen Fahrzeugen künftig vermehrt konfrontiert werden.

Welche Herausforderungen ergeben sich bei E-Autos für die Feuerwehren?

Verunglückte Elektroautos haben andere Gefahrenquellen als Autos mit Verbrennungsmotor. Besonders brennende Elektro-Fahrzeuge sind schwierig zu löschen. Ursache dafür sind in erster Linie die Akkus. Meistens liefern Lithium-Ionen-Akkus die Energie für die Elektromotoren. Fängt ein  solcher Akku Feuer, wird es problematisch. Eine chemische Reaktion beim Verbrennungsvorgang führt dazu, dass ein Akku-Brand praktisch nicht zu löschen ist. Erst nach ein bis zwei Tagen kann man nach Aussage von Experten sicher sein, dass von dem Unfallfahrzeug keine Brandgefahr mehr ausgeht. Beim Akku-Brand wird nach Auskunft von Frank Wallesch, dem Bietigheim-Bissinger Feuerwehrkommandanten, in kurzer Zeit enorm viel Energie frei. Dabei werden Temperaturen von bis zu 1000 Grad erreicht.

Wie löscht die Feuerwehr ein Auto mit Elektromotor?

Inzwischen hat sich ein eher unkonventionelles Verfahren zum Löschen von solchen Akkubränden bewährt. Die Autos werden schlichtweg in große Container gezogen, diese werden dann mit Wasser gefüllt. Die Fahrzeuge bleiben dann im Wasserbad, bis der Akkubrand aus ist.

Gibt es diese Container im Landkreis bereits?

Der Kreis Ludwigsburg wird nach Auskunft von Kreisbrandmeister Andy Dorroch zwei dieser so genannten AB-Hochvolt (Abrollbehälter Hochvolt) bekommen. Ein AB-Hochvolt wird 2020 bei der Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen stationiert, der andere Behälter kommt nach Kornwestheim.

Wie wird damit gelöscht?

Die AB-Hochvolt sind große Metall-Wannen, die an einer Seite mit einer Flügeltür oder Rampe ausgestattet sind. Ein Feuerwehr-Trägerfahrzeug transportiert den Behälter im Bedarfsfall an den jeweiligen Einsatzort. Mit einer Seilwinde werden brennende oder kokelnde Fahrzeuge mit einem speziellen Bergenetz in die Mulde gezogen, die Türe verschlossen, und die Wanne komplett mit Wasser gefüllt. Das mit Schadstoffen kontaminierte Wasser wird später kontrolliert abgeführt oder in Gefahrgutbehälter abgepumpt. Diese Behälter haben, je nach Größe ein Volumen von 10 bis 23 Kubikmeter. Damit sei der Landkreis für ein entsprechendes Szenario sehr gut aufgestellt, sind sich Dorroch und Wallesch einig.

Wie werden Menschen aus E-Autos gerettet?

Die Elektromotoren werden je nach Hersteller und Motorisierung mit 600 bis 800 Volt angetrieben. Der Kontakt mit stromführenden Kabeln wäre lebensgefährlich. Also gilt es, bei einem Unfall das Fahrzeug schnellstmöglich stromlos zu machen. Jedes Auto hat nach Auskunft von Wallesch eine so genannte Trennstelle zur Unterbrechung des Stromkreislaufes. Zieht man an dieser Stelle den Kabelstrang heraus, ist das Fahrzeug sofort komplett stromlos. Dann kann gefahrlos, beispielsweise mit hydraulischem Rettungsgerät, das Auto geöffnet und die Insassen gerettet werden.

Das Problem ist, dass diese Trennstelle je nach Fahrzeughersteller und Modell an unterschiedlichen Stellen im Auto sein kann. Laut Wallesch und Dorroch muss sich niemand Sorgen machen, dass Personen in E-Autos länger im Unfallfahrzeug verbleiben als in Autos mit Verbrenner-Motor. Dorroch sieht mit dem Aufkommen von E-Autos und Hybrid-Fahrzeugen generell ein neues, jedoch beherrschbares Themenfeld für die Feuerwehren. Grundsätzlich sei der Landkreis künftig mit den AB-Hochvolt-Behältern gut vorbereitet.

Wie sieht es bei Bränden in Tiefgaragen aus?

Brennende Akkus sind in Tiefgaragen ein sehr problematisches Szenario. Zum Akku, der sich schwierig löschen lässt, kommen dort auch noch giftige Dämpfe und Gase, die kaum abziehen können. Zunehmend werden Ladestationen in Tiefgaragen verfügbar sein, damit die Elektro-Fahrzeuge über Nacht aufgeladen werden können. Nach Ansicht von Wallesch wäre es sinnvoll, die Ladestationen möglichst nah am Eingang einzurichten, damit im Brandfall ein brennendes Fahrzeug möglichst schnell aus der Tiefgarage entfernt werden kann. Auch so genannte Abbrennplätze sollten vorhanden sein, um ein brennendes Fahrzeug von den anderen Autos entfernen zu können.

Wie oft mussten die Wehren schon E-Autos löschen?

Die Bietigheimer Feuerwehr wurde bis jetzt noch zu keinem Unfall gerufen, in den ein Elektrofahrzeug involviert war. Auf Kreisebene mussten bislang wenige Akkubrände bekämpft werden. Bis jetzt sind nur Hybrid-Fahrzeuge in Brand geraten. Diese Brände habe man jeweils mit einem entsprechend hohen Löschwasser-Einsatz gut bekämpfen können, so Andy Dorroch.

Neues Löschmittel ist umstritten


Eine Variante zum Löschen von Akku-Bränden ist F-500 EA, ein neu entwickelter Löschmittelzusatz. Nach Angaben des Herstellers senkt dieses Löschmittel die extrem hohen Temperaturen bei Akku-Bränden rasch ab.

Mit speziellen Turbospritzen könne der Löschmittelzusatz direkt am Brandherd eingebracht und der Akku schneller abgekühlt werden. F-500 EA sei für 98 Prozent aller Brände geeignet, spare bis zu 80 Prozent Wasser, lösche Lithium-Ionen-Akku-Brände scheinbar nachhaltiger und wirksamer als Wasser und sei zudem umweltfreundlich und leicht biologisch abbaubar, so der Hersteller. Dieser Löschmittelzusatz wird in Feuerwehrkreisen kontrovers diskutiert. Kreisbrandmeister Andy Dorroch sieht F-500 EA kritisch. Seiner Ansicht nach ist auch bei Akkubränden das beste Löschmittel schlichtweg Wasser. mh